Lüderitz (Namibia)
thumb|300px|right|Straße durchs Diamantensperrgebiet vor LüderitzLüderitz ist eine Fischereihafenstadt an der namibianischen Westküste mit 15.000 Einwohner (Stand 2005 ), benannt nach dem Kaufmann Adolf Lüderitz.
Geschichte
Der portugiesische Seefahrer Bartolomëu Diaz landete 1487 als erster Europäer in der Gegend. Bevor er weitersegelte, errichtete er ein Steinkreuz mit Wappen (Diaz Point). Das Originalkreuz wurde inzwischen zerstört und 1929 durch ein nachgebildetes Kreuz ersetzt.
Adolf Lüderitz landete 1883 in der Angra Pequena-Bucht (später Lüderitzbucht).Durch seinen Mitarbeiter und Teilhaber Heinrich Vogelsang handelte er dem Orlam -Häuptling Josef Frederiks ein ca. 300 km langes und 150 km tiefes Landstück ab, um darauf einen Handelsposten zu errichten. Der Häuptling erhielt 100 Goldpfund sowie 200 Gewehre. Lüderitz erwarb das als wertlos angesehene Land, weil er sich erhoffte, hier Bodenschätze zu finden. Seine umfangreiche und sehr teure Suche danach jedoch blieb erfolglos. Lüderitz kam in wirtschaftliche Bedrängnis und musste seinen umfangreichen Landbesitz 1885 an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Einen sehr bescheidenen Aufstieg erlebte Lüderitz erst 1904 mit der Stationierung der hier im Kampf gegen die aufständischen Nama ( Namakrieg ) benötigten Schutztruppen - Soldaten. In dieser Zeit machte Lüderitz sehr "negative Schlagzeilen" wegen des vor der Küste auf der Haifischinsel (Shark Island) errichteten Konzentrationslagers. Hier wurden die im Namakrieg gefangenen genommenen Orlam und Nama mit ihren Familien interniert. Von den rund 2.000 Inhaftierten überlebten auf Grund der dort herrschenden hygienischen und Witterungs-Verhältnisse nur ca. 450 Stammesangehörige. Das Lager wurde erst auf energisches Drängen der im Lande tätigen deutschen Missionare hin geschlossen und ins Landesinnere verlegt.
Erst lange nach dem Tode von Lüderitz - er blieb seit 1886 auf einer Erkundungstour zum Oranje verschollen - wurden 1908 in dem Gebiet Diamanten entdeckt, was zu einem kurzzeitigen Boom führte. Beim Bau einer Schmalspurbahn entdeckte der schwarze Arbeiter Zacharias Lewela einen Diamanten, als er gerade mit Schaufelarbeiten in einem von Dünen verwehten Abschnitt beschäftigt war. Er brachte ihn dem Bahnmeister August Stauch, der zusammen mit dem Oberingenieur Sönke Nissen daraufhin die Schürfrechte in diesem Gebiet erwarb, was beide zu Millionären machte. Der eigentliche Finder bekam nichts. In der Folgezeit entwickelte sich Lüderitz zu einem florierenden Handelshafen. Der zunehmend industriell betriebene Diamantenabbau, die mit ihm ins Land strömenden Glücksritter und der Bau der Diamantensiedlung Kolmanskuppe brachten auch für Lüderitz einen steilen Aufstieg zu einer ausgesprochen wohlhabenden Stadt mit sich.
Ab 1920 jedoch verlor Lüderitz an Bedeutung, da sich der Diamantenabbau immer weiter nach Süden verlagert hatte. Es etablierten sich eine bescheidene Fischfangindustrie und in ihrem Umfeld einige Werften. Daneben gab es eine kleinere Teppichwebereien, denn im Süden des Landes wurde die Schafzucht mit einigem Erfolg betrieben. Aber sonst hatte Lüderitz nichts zu bieten, was die Einwohner hier hätte halten können, so dass der einst so wohlhabenden Stadt ein ähnliches Schicksal wie Kolmanskuppe zu drohen schien.
Mit der Entdeckung von Erdgasvorkommen vor der Küste ( Kudu-Erdgas-Feld) Ende des 20. Jahrhunderts keimten jedoch neue Hoffnungen für Lüderitz. Sodann wurde die wirtschaftliche Verwertung eines bei Lüderitz in großen Mengen angeschwemmten Treibgutes entdeckt: Seegras ; hieraus lassen sich sehr begehrte Extrakte für die Nahrungsmittel - und Kosmetikindustrie gewinnen. Außerdem siedelte sich in Lüderitz eine vielversprechende Austernzucht an. Anlässlich der 100-Jahr-Feier des Ortes 1983 wurden die zahlreichen, gut erhaltenen Gebäude aus der Kolonialzeit restauriert, so dass Lüderitz auch optische gewann und wieder Touristen anzulocken vermochte. Der Aus- und Neubau des Hafens tat ein Übriges, so dass mit den Arbeitsplätzen auch junge Menschen in den Ort kamen. Das im Jahre 2000 eröffnete Touristenzentrum "Waterfront" ist ein weiteres Zeichen für den nach Lüderitz zurückkehrenden Optimismus und lässt für die Zukunft wieder hoffen.
Bevölkerung und Wirtschaft
Die Bevölkerungszahl von Lüderitz hat sich von ca. 2.000 Einwohner in den 1970er Jahren und auf immerhin ca. 5.800 im Jahr 2001 mehr als verdoppelt.
Obwohl immer noch Diamanten in der Nähe abgebaut werden, konzentriert sich die Wirtschaft auf den Fischfang und den Tourismus. Besonders der Fang von Langusten, die u.a. nach Spanien und Japan exportiert werden, hat eine gewisse Bedeutung. Jedoch mussten auf Grund einer massiven Überfischung der Gewässer die Fangquoten vermindert werden.
Zu erreichen ist die wieder sehenswert gewordene Stadt per Flugzeug (ab Windhoek oder Kapstadt ), oder per Auto. Die Teerstraße, die mitten durch das Diamantensperrgebiet verläuft, ist zwar über lange Strecken recht langweilig, aber ca. 120 km vor Lüderitz - bei dem kleinen Ort Aus - lohnenswert deshalb, weil man hier mit etwas Glück linker Hand der Straße die sagenumwogenen Wüstenpferde sehen kann.
Sehenswürdigkeiten
Die Stadt ist im typisch deutschen Jugendstil der Kaiserzeit zu bewundern. Zu den wichtigsten Bauwerken zählen z.B. das Goerke-Haus, das Kapps-Hotel oder die lutherisch-evangelische Felsenkirche. Die meisten Kneipen machen sehr zeitig zu. Das Hotel Zum Sperrgebiet beinhaltet die einzige Kneipe, die bis Mitternacht geöffnet hat. Hier spricht man zumeist Deutsch. Sehenswert ist die Geisterstadt Kolmanskuppe, die um 1910 für einige Wochen dank reicher Diamantenvorkommen die wohlhabendste Stadt der Welt war. Eine weitere - naturgegebene - Sehenswürdigkeit ist die bizarre Küstenlage der Stadt, Shark Island (Haifischinsel) und die Landschaft rund um den "Diaz Point".
