Ludwik Fleck

Ludwik Fleck (* 11. Juli 1896 in Lwow (dem damaligen multikulturellen Lemberg, in der damaligen österreichischen k.u.k.-Vielvölker-Provinz Galizien (Ukraine), später polnisch, heute in der Ukraine), † 5. Juli 1961) war ein polnischer Mikrobiologe aus polnisch-jüdischem Elternhaus, Mediziner und als Wissenschaftstheoretiker Ideengeber für Thomas S. Kuhns Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Publizierte teilweise in deutscher Sprache. Fleck gilt als Vordenker der wissenschafts-philosophischen Polnischen Schule.

thumb|Ludwik Fleck, nach 1945 Besuchte das polnische Lyceum, schrieb sich später als Medizin-Student an der Universität von Lemberg ein. 1920 wurde er Assistent des Typhus-Spezialisten Rudolf Weigl in Przemysl, dem er 1921 zurück an die Universität in Lemberg (Lwow) folgte. Von 1923 bis 1935 arbeitete er in der Abteilung für Innere Medizin im Allgemeinen Krankenhaus in Lwow und als Direktor des Bakteriologischen Instituts der lokalen Sozialversicherungs-Behörden. Ab 1935 arbeitete er in einem von ihm selbst gegründeten Bakeriologischen Institut. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt wurde Lwow 1939 sowjetisch besetzt. Die Medizin-Ausbildung der Universität wurde ein unabhängiges Kolleg, das so genannte Ukrainische Institut für Medizin, an dem Fleck als Lehrer und als Direktor der Mikrobiologischen Abteilung arbeitete. Beim deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde Lwow von deutschen Truppen besetzt und Fleck verlor seine Stellung. Zusammen mit seiner Frau Ernestina Waldman und dem Sohn Ryszard wurde er gezwungen, in das jüdische Ghetto von Lwow zu ziehen und arbeitete dort als Wissenschaftler und Arzt. Er isolierte Impfstoffe aus dem Urin von Typhus-Kranken. Da er vor dem Krieg international publiziert hatte, wurden die Nazis auf ihn aufmerksam und sperrten ihn im Dezember 1942 zusammen mit seiner Familie ein, um ihn zu zwingen, für die Laokoon-Pharmazeutische Fabrik Thypus-Serum zu produzieren. Ende Januar wurde er mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert, wo er ab dem 7. Februar 1943 im Block 10 in der Serum-Diagnose von Typhus, Syphilis und anderen Krankheiten beschäftigt wurde. Ab Dezember 1943 bis zur Befreiung am 11. April 1945 wurde er gezwungen, im Labor von Block 50 des Konzentrationslagers Buchenwald für das so genannte Hygiene-Institut der SS in der Entwicklung und Forschung von Typhus-Serum zu arbeiten (siehe Weblink Uni Erlangen). Er soll wirkungslose klare Impfflüssigkeit an die SS ausgeliefert und aussortierte aber wirkungsvolle getrübte Impfflüssigkeit für Häftlinge verwendet haben.

Seine Frau und sein Sohn überlebten den Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1945 und 1952 war er Chef des Mikrobiologischen Instituts der Fakultät für Medizin der Maria Sklodowska-Curie Universität von Lublin; 1952 zog er mit seiner Frau nach Warschau, wo er Direktor der Abteilung für Mikrobiologie und Immunologie des Staatlichen Instituts für Mutter und Kind wurde. 1954 wurd er zum Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Hauptforschungsgegenstand für Fleck waren die aglutinierenden Leukozyten unter Bedingungen des Stresses und bei Infektionen. In seinen Jahren nach 1945 betreute er mehr als 50 Doktorarbeiten und publizierte mehr als 80 Veröffentlichungen in polnischen, französischen, englischen und Schweizer wissenschaftlichen Zeitschriften. Vorlesungen und Kongresse besuchte Fleck in Dänemark, Frankreich, der UdSSR, den USA und Brasilien. Nach einem Herzinfarkt und einer Krebsdiagnose (Lymphsarkom), emigrierte Fleck mit seiner Frau zum Sohn nach Israel. Der Sohn Ryszard Fleck war nach dem Krieg nach Israel ausgewandert. In Israel leitete Fleck das Institut für biologische Forschung in Ness-Ziona, wo er am 5. Juli 1961 im Alter von 64 Jahren nach einem zweiten Herzinfarkt starb.

Inhaltsverzeichnis

Auszeichnungen

Würdigung

Werke

weitere Information

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Personendaten
Fleck, Ludwik
polnischer Mikrobiologe, Mediziner und Wissenschaftstheoretiker
11. Juli 1896
Lwow
5. Juli 1961
Ness-Ziona

See also: Ludwik Fleck, 1896, 1961, Akademie der Wissenschaften, Auschwitz, Brasilien, Buchenwald, Denkstil, Diagnostik