Lysias

Lysias (* um 445 v. Chr. in Athen; † um 380 v. Chr.) war der dritte unter den zehn attischen Rednern.

Lysias wurde als der Sohn des Kephalos geboren, eines reichen Syrakusaners, der sich auf Perikles' Rat in Athen niedergelassen hatte, ging, 15 Jahre alt, mit seinen beiden Brüdern nach Thurii in Italien, wo er den Unterricht des Rhetors Tisias von Syrakus genoss.

412 nach Athen zurückgekehrt, betrieb er mit seinem ältesten Bruder, Polemarchos, eine bedeutende Schildfabrik im Piräeus.

Unter der Herrschaft der Dreißig Tyrannen (404) wurden die Brüder als Gegner der Regierung angeklagt, ihr Vermögen konfisziert und Polemarchos hingerichtet; Lysias rettete sich kaum durch die Flucht nach Megara. Nach dem Sturz der Dreißig Tyrannen, zu dem er eifrig mitgewirkt hatte, lebte er wieder in Athen der lohnenden Beschäftigung, für andere Gerichtsreden zuschreiben, nachdem er durch die Anklage des Eratosthenes, des Mörders seines Bruders, seinen Ruf als Redner begründet hatte.

Hochangesehen starb er im 65. Lebensjahr (um 380 v. Chr.).

Im Altertum schrieb man ihm 425 Reden zu, von welchen jedoch 233 für unecht galten. Erhalten sind, außer zahlreichen, zum Teil umfänglichen Bruchstücken, 31 Reden, darunter 5 sicher und 4 wahrscheinlich unechte. Nur eine hielt er selbst, die erwähnte gegen Eratosthenes.

Meist der gerichtlichen Gattung angehörig, zeichnen sie sich durch Reinheit und Schlichtheit der Sprache, Sachgemäßheil der Ausdrucksweise, methodische Behandlung des Stoffes, bei aller Knappheit überaus lichtvolle und anschauliche Darstellung und eine außerordentliche Kunst der Charakterzeichnung aus.

Ausgaben

Ältere Ausgaben gibt es in den Sammlungen der Redner von Westermann (Leipz. 1854), Scheibe das. 1855), Cobet (Amsterd. 1863), in Auswahl von Frohberger (Leipz. 1866-71, 3 Tle.), Rauchenstein und Fuhr (9. Aufl., Berl. 1886). Übersetzungen von Falck (Bresl. 1843), Baur (4. Aufl., Stuttg. 1884) u.a.

Literatur

Personendaten
Lysias
attischer Redner
um 445 v. Chr.
Athen
um 380 v. Chr.
Athen

See also: Lysias, 380 v. Chr., 445 v. Chr., Athen, Eratosthenes, Italien, Megara, Perikles, Piräeus