Mai-Unruhen
Die sogenannten Mai-Unruhen, die 1968 wegen der Schließung einer Fakultät der Pariser Universität Sorbonne ausbrachen, gelten als Beginn der gewalttätigen Studentenunruhen der 68er-Bewegung in Frankreich.
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Vorspiele
Bereits im November 1967 verlangten mehrere politisch aktive Studentengruppen eine Verbesserung der Studienbedingungen, was in der Administration jedoch ohne Gehör blieb. Als die sogenannte Bewegung 22. März in der Universität von Nanterre einige Räume besetzte um unter anderem den freien Zugang von Studenten zu Unterkünften von Studentinnen zu erhalten, war einer der führenden Sprecher Daniel Cohn-Bendit, der später als Dany le Rouge in den folgenden Monaten und Ereignissen in der Presse hauptsächlich als Redner fungierte.
Mai 68
Am 1. Mai 1968 besetzten politisch linksstehende Studierende der Sorbonne zusammen mit Arbeitslosen, Schülern, Rockern und Arbeitern die Räume der Universität. Wegen der Gefahr, dass es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit rechtsstehenden Studierenden kommen könnte, ließen die Pariser Autoritäten die Gebäude am 3. Mai durch die Polizei räumen. Über Hundert Studierende wurden verhaftet und festgehalten. Parolen der in die Besetzungen verwickelten Situationisten (alle Macht der Fantasie, Nimm deine Wünsche für Wirklichkeit, ...) wurden in ganz Paris auf Wänden und Plakaten angebracht. Die Aktionen stellten auch eine leidenschaftliche Stellungnahme gegen den nach Meinung vieler Studenten um sich greifenden Konsumismus dar.
Es folgte eine unglaubliche Solidarisierung mit den Pariser Studenten erst in ganz Frankreich, kurz darauf in ganz Europa. Erstmals solidarisierte sich auch die Arbeiterbewegung mit den Studierenden und die französischen Gewerkschaften, außer der CGT, der kommunistischen Gewerkschaft, die das alles für eine gesteuerte Aktion rechter Kreise betrachtete, organisierten ihrerseits Kundgebungen. Frankreich erlebte nun den ersten wilden Generalsstreik der Geschichte, der sich fast einen Monat hinzog. Die Regierung, aber auch die CGT setzte sich immer wieder für eine Beendigung der Streiks ein.
Auswirkungen
Die französische Politik, die von den Ereignissen überrascht wurde, reagierte erst, als in den meisten französischen Universitätsstädten fast bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten. De Gaulle hatte die Erledigung der Ereignisse dem damaligen Premierminister Georges Pompidou überlassen. Als aber bald das gesamte Land lahmgelegt war versicherte sich der Staatschef gar noch einmal ausdrücklich der Unterstützung des Militärs. Doch dann, am 24. Mai kündigte Charles de Gaulle die von den Studenten geforderten Reformen im Bildungswesen an und Pompidou kündigte ob der Unzufriedenheit in der Bevölkerung alsbaldige Neuwahlen an.
Am 30. Mai gab es noch einmal einen Marsch von etwa einer Million Beteiligten, angeführt von André Malraux und Michel Debré zum Regierungssitz.
Viele französische Universitäten, die bis dahin in oft jahrhundertealten Gebäuden in den Innenstädten residiert hatten, wurden in der Folge der Unruhen gezwungen, in weit abgelegene Vororten umzuziehen und dort neue Campi zu errichten. Der Grund war, dass Studenten und somit ihre Institution Universität pauschal als potentielle Unruhestifter gesehen wurden, und man sie aus den unübersichtlichen, "sensiblen" Stadtzentren weghaben wollte. So zog beispielsweise fast die gesamte Universität Bordeaux 1968 von Bordeaux in den verschlafenen Vorort Talence. Bezeichnenderweise blieben nur die "konservativen" Fachbereiche Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften in Bordeaux zurück.
Siehe auch
Anarchismus, Außerparlamentarische Opposition, Generalstreik, Konsumgesellschaft, Mario Savio, Neue Linke, Situationistische Internationale, Studentenbewegung, Zengakuren
Weblinks
- Analyse des Mai 68
- http://www.historyguide.org/europe/lecture15.html - 1968: The year of the barricades (engl.)
- Der Mai 68 aus der Sicht von Anhängern Charles de Gaulles
- Der Mai 68 als Trend in der Werbung 2005
