Majak

Majak ist ein Chemiekombinat in Russland, in der Oblast Tscheljabinsk bei Osjorsk. Das Gebiet umfasst etwa 90 km², hier sind 17.000 Menschen beschäftigt. Auf dem Gelände befindet sich unter anderem eine Wiederaufarbeitungsanlage, 7 Reaktoren, von denen zwei in Betrieb sind, und ein Lager für radioaktive Abfälle. Auf dem Gebiet der Fabrik ereigneten sich einige Unfälle bei denen große Mengen an Radioaktivität freigesetzt wurden, darunter auch der Kyschtym-Unfall, womöglich die bisher vom Schadensausmaß gravierendste nukleare Havarie.

Die sowjetische Führung ließ von Anfang an wichtige Sicherheitsvorschriften im Umgang mit radioaktiven Material außer Acht und setzte vorsätzlich tausende von Menschen der Radioaktivität aus. Das Kühlwasser des Flusses Tetscha (Теча) wurde direkt durch den Reaktorkern geführt und hochkontaminiert in den Fluss zurückgeleitet. Tetscha ist eine Trinkwasserquelle für 120.000 Bewohner der Region. Dies und einige andere Umstände führten zu einer hohen radioaktiven Verschmutzung der ganzen Gegend.

Die Reste der Aufbereitung (Säuren und ähnliches) haben einen hohen Anteil an radioaktiven Nukliden. Diese werden in Tanks zwischengelagert. Dabei entsteht durch den radioaktiven Zerfall der Stoffe Wärme - die Tanks müssen deshalb gekühlt werden. Als die Kühlung eines dieser 250 Kubikmeter fassenden Tanks am 29. September 1957 versagte, explodierten infolge der großen Hitze die enthaltenen Nitratsalze und setzen große Mengen an radioaktiven Stoffen frei. Die Explosion soll laut Zeugenberichten als leuchtender Schein noch hunderte Kilometer entfernt gesehen worden sein und in damaligen sowjetischen Zeitungen als Wetterleuchten beziehungsweise Nordlicht erklärt worden sein.

Aufgrund der weit besseren Berichterstattung, der Lage näher zu Mitteleuropa und damit höheren Medienaufmerksamkeit wird der Reaktorbrand 1986 in Tschernobyl auch heute noch als gravierendster Nuklearunfall gesehen. Auch, weil keine Messgeräte in Schweden ausschlugen und die Kontamination sich lediglich auf den Ural beschränkte, konnte der Unfall in Majak 30 Jahre vor der Weltöffentlichkeit geheimgehalten werden.

Die Verseuchung der Gegend wird nach unterschiedlichen Quellen mit etwa 20 bis 120 Millionen Ci angegeben, dies ist die doppelte bis 6-fache Menge des in Tschernobyl freigesetzten Materials. Im Unterschied zu Tschernobyl wurde das Material aber nur lokal und regional verteilt. Es wurde auch durch mangelnde Aufklärung, nur sporadische Evakuierung der Bevölkerung und unzureichende Entseuchung ein deutlich größeres Maß an Schäden und insbesondere Folgeschäden verursacht.

Siehe auch: Liste der nuklearen Unfälle

Weblinks

See also: Majak, 1957, 1986, 29. September, Atommüll, Curie (Einheit), Havarie, Katastrophe von Tschernobyl, Kontamination, Liste der nuklearen Unfälle