Mao Dun
Mao Dun, eigentlich Shen Dehong (* 4. Juli 1896; † 27. März 1981) war ein im China des 20. Jahrhunderts tätiger Schriftsteller, Literaturkritiker und Journalist.
Zu seinem Pseudonym entschloss sich Shen Dehong wegen seiner Bedeutung (Widerspruch), die er als bezeichnend für die widersprüchlichen revolutionären Ideologien und die unstabilen Verhältnissen im China der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts sah. Später änderte sein Freund Ye Shengtao die Zeichen, aus denen sich sein Pseudonym zusammensetzte, um ihn vor politischer Verfolgung zu bewahren.
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Biographie
Shen Dehong wurde im Bezirk Tongxiang der Provinz Zhejiang in China geboren. Sein Vater Shen Yongxi stellte den Lehrplan für seinen Sohn selbst zusammen und unterrichtete ihn persönlich, verstarb aber als dieser zehn Jahre alt war. Seine Mutter Chen Aizhu übernahm in der Folge diese Aufgaben. Schon in jungen Jahren entwickelte Shen Dehong ein reges Interesse für literarisches Schaffen. Sein schriftstellerisches Talent offenbarte sich schon in der Grundschule durch eine beeindruckende Wortwahl und einen gewandten Stil bei entsprechenden Prüfungen.
Während seiner Schulzeit an weiterführenden Schulen, verbrachte Shen Dehong seine Freizeit mit dem Studium einer großen Anzahl an klassischen Romanen, die seinen eigenen Stil und seine schriftstellerische Konzeption stark beeinflussen sollten, und stilistischen Übungen zur Perfektion seines Ausdrucks. Schließlich wurde er 1913 von der Pekinger Universität im Rahmen eines dreijährigen Kurses über Chinesische und Westliche Literatur als Student aufgenommen, musste im Sommer 1916 vor den Abschlussprüfungen das Studium wegen einer finanziellen Notlage vorzeitig abbrechen. Dennoch befähigten ihn die erworbenen Kenntnisse zu einem raschen Aufstieg innerhalb der journalistischen und literarischen Szene.
Karriere als Journalist
Nach dem Abschluss seines Studiums gelang es Mao Dun bald bei einer ersten beruflichen Position in der Redaktions- und Übersetzungsabteilung der Zeitung Commercial Press, Zweigstelle Shanghai, seine Kenntnisse unter Beweis zu stellen. Mit 21 wurde er gebeten den Posten des stellvertretenden Chefredakteurs des Studentenmagazins Xuesheng Zazhi, unter der Regie von Commercial Press, zu übernehmen, in dem zahlreiche Artikel über die neuen Ideologien erschienen, die sich zu dieser Zeit in China verbreiteten. Neben seiner Arbeit als Herausgeber begann Mao Dun seine Gedanken und Kritikpunkte über die gesellschaftlichen Entwicklungen in Schriftform zu bringen. Bis zu einem gewissen Grad wurde er von Ideen aus dem berühmten Jugendmagazin New Youths beeinflusst, wie zwei seiner Leitartikel für Xuesheng Zazhi in den Jahren 1917 und 1918 belegen – Students and Society und The Students of 1918 -, die das politische Bewusstsein vieler junger gebildeter Chinesen anregten. 1920 wurde ihm angetragen das Verfassen einer Kolumne über neue literarische Strömungen (Xiaoshuo Xinchao) in einem literarischen Monatszeitschrift für Erzählkunst (Xiaoshuo Yuebao) zu übernehmen. Im gleichen Jahr noch stieg er zum Chefredakteur auf und infolge einer Neuen Kulturellen Bewegung sah er sich gezwungen es einer grundlegenden Reform zu unterziehen. Seine jüngeren Freunde aus der Schriftstellerszene in Peking unterstützten ihn, indem sie ihre letzten Arbeiten, Übersetzungen westlicher Literatur und ihre Ansichten über neue literarische Theorien und Techniken, dem Magazin zur Verfügung stellten.
Auf diesem Hintergrund u. a. wurde auch eine Gesellschaft zum Studium der Literatur gegründet (Wenxue Yanjiuhui). Die Reform des Monatsmagazins entpuppte sich als voller Erfolg und erleichterte die Fortführung der Neuen Kulturellen Bewegung durch den Verkauf zehntausender Ausgaben, aber noch stärker durch die Förderung eines neuen realistischen Ansatzes bei der Betrachtung Chinesischer Literatur (Literature for Life). Während dieser Zeit entwickelte sich Mao Dun zu einer leitenden Figur der Bewegung in südlichen Teilen Chinas. Bezüglich Reformen des Inhalts kam es zwischen den beiden Flügeln der Redakteure der Commercial Press, den Innovationsorientierten und den Konservativen, zu keiner Einigung. 1923 trat Mao Dun von seinem Posten als Chefredakteur des literarischen Monatsmagazins zurück, wurde 1927 aber Hauptkolumnist der Zeitschrift Minguo Yuebao. In diesem Rahmen verfasste er mehr als 30 Leitartikel mit scharfer Kritik an der Politik Chiang Kai-sheks und unterstützenden Worten für die Revolutionäre.
Politisches Engagement
Von der Oktoberrevolution 1917 in Russland beflügelt, beteiligte sich Mao Dun an der Bewegung des Vierten Mai in China. 1920 schloss er sich der kommunistischen Gemeinschaft in Shanghai an und arbeitete grundlegend an der Gründung der kommunistischen Partei im Jahre 1921 mit. Zunächst wirkte er als Pressesprecher für die Partei, daneben schrieb er Artikel für die innerparteiliche Zeitung.
Zur gleichen Zeit nahm Mao Dun am Nordfeldzug unter Chiang Kai-Shek teil (1926 – 1928), dessen vorrangiges Ziel in der Vereinigung des Landes bestand, verließ die Truppen aber, als es zum Bruch zwischen der Kuomindang und den Kommunisten kam. 1928 floh er nach Japan und schloss sich bei seiner Rückkehr nach China zwei Jahre später der Liga linksgerichteter Schriftsteller an. Ironischerweise zeichnete sich Mao Dun durch sein aktives Engagement für die Widerstandsbewegung aus, als es 1937 zu einem Angriff Japans auf China kam. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahre 1949 übernahm er die Funktionen als Sekretär des Vorsitzenden Mao und Kultusminister bis er 1964 abgelöst wurde.
Die Literaturpersönlichkeit
Die Reform des Monatsmagazins Xiaoshuo Yuebao war der erste Beitrag Mao Duns zur Entwicklung der chinesischen Literatur. Als Ergebnis wurde das Magazin zu einem Forum zum Austausch über Moderne Literatur und von berühmten Autoren, wie Lu Xun, Xu Dishan, Bing Xin und Ye Shengtao, verwendet um neue Werke vorzustellen. Bald begann Mao Dun diese modernen Formen von Literatur und Ideen zu unterstützen. Sein Ziel war es chinesische Literatur weltweit zu fördern.
Die politischen Auseinandersetzungen der Epoche erweiterten seinen literarischen Horizont und die Inhalte eines großen Teils seiner späteren Schriften basieren auf diesem Thema. 1930 war er grundlegend an der Begründung der Liga linksgerichteter Schriftsteller beteiligt. Danach setzte er sich an der Seite Lu Xuns für Rechte in der Gesellschaft und die revolutionäre Bewegung als literarische Strömung ein. Am Produktivsten in Bezug auf seine literarische Arbeit war für Mao Dun die Zeit von 1927 bis 1937. So kam es 1927 zur Veröffentlichung seines ersten Romans Desillusion, sein bedeutendstes Werk dieser Gattung Shanghai im Zwielicht erschien aber 1933. Es handelt sich um einen Roman im naturalistischen Stil, in dem die wirtschaftlichen Akteure Shanghais bis ins Detail beschrieben werden. In seinen Erzählungen werden Angehörige der Arbeiterklasse stets als sympathisch dargestellt und die Idee einer Revolution angepriesen.
Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 übernahm Mao Dun das Amt des Kultusministers, während der Kulturrevolution wurde er allerdings entlassen und einer grausamen Behandlung unterzogen. Danach wurde er noch einmal zum Herausgeber einer Kinderzeitschrift und starb 1981. Dennoch ist sein Einfluss auf die chinesische Literatur bis zum heutigen Tage noch spürbar, insbesondere, weil er seine Ersparnisse dafür verwendete eine Stiftung ins Leben zu rufen (Die literarische Stiftung Mao Duns), deren Zweck in der Förderung schriftstellerischen Schaffens besteht.
Ein weiterer Beleg für den Erfolg der Arbeit Mao Duns auf dem Gebiet der Literaturförderung sind in den Feierlichkeiten anlässlich seines 50. Geburtstages zu sehen, zu denen mehr als 500 Gäste von Russland bis Amerika geladen waren. Als Botschaft der Würdigung verfasste Wong Rufei im Namen der Kommunistischen Partei zu diesem Anlass ein Essay, das die wesentlichen Einflussfelder und Errungenschaften seines Wirkens im literarischen Bereich festhält. Daneben wurde er bei zwei Gelegenheiten zum Vorsitzenden, bei einer weiteren zum stellvertretenden Vorsitzenden des Komitees für Kunst und Literatur Chinas gewählt. In literarischen Kreisen genießt er hohes Ansehen und auch als er in hohem Alter unter einer schmerzhaften Krankheit litt, gab er seine literarischen Arbeiten nicht auf und verfasste seine Memoiren unter dem Titel Der Weg, den ich beschritt. Auf seinen Wunsch kommunistische Literatur und bemerkenswerte Arbeiten zu fördern, ist auch die Einführung des Mao Dun Preises als literarische Auszeichnung in China zurückzuführen, die zahlreichen Autoren, die sich in der modernen Literaturszene einen Namen gemacht haben, verliehen wurden, zu nennen beispielsweise Wei Wie und Zhou Ke-qin.
Publikationen
Von der Kurzgeschichte, über Erzählungen, Essays, Theaterstücke, Übersetzungen bis zur Literaturtheorie deckt Mao Duns literarisches Wirken mit seinen mehr als 100 Veröffentlichungen so ziemlich jede Gattung ab.
Im folgenden eine Zusammenstellung einiger bedeutender Werke des Autors:
- Huan Mie (Disillusion) 1928 - Desillusion
- San Ren Xing (Three People Walking) 1931
- Lin Jia Pu (The Shop of the lin Family) - Der Laden der Familie Lin
- Chun Chiji (Spring Silkworms) 1956 - Seidenraupen im Frühling
- Qiu Shou (Autumn Harvest) - Herbstliche Ernte
- Hong (Rainbow) 1930 - Regenbogen
- Ji Ye (Midnight) 1933 - Shanghai im Zwielicht
- Xian Gei Shiren Jie (Giving to the Poet Festival) 1946
- Mao Dun Jinzuo (The recent work of Mao Dun) 1980
- Mao Dun Lun Chuang Zuo (Mao Dun’s Comment on Creativity) 1980
- Sulian Jianwenlu (Travelling Diary of USSR) 1948
- Jitan Sulian (Talks on USSR) 1949
- Qing Ming Qian Hou (Front and rear pure Brightness) 1945 - Vor und nach dem Qingming-Fest
- Modernes Drama: “Russian Question” 1946
- Kurznovelle: “Group’s Sons” 1946
Weblinks
