Mao Zedong

Máo Zédōng [mau̯ː tsɤtʊŋ] (vereinfacht: 毛泽东, traditionell: 毛澤東, Wade-Giles: Mao Tse-tung) (* 26. Dezember 1893 in Shaoshan (Hunan); † 9. September 1976 in Peking) war ein chinesischer Politiker, Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas und Gründer der Volksrepublik China.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

[[Bild:Mao Zedong Porträt am Eingang zur Verbotenen Stadt.jpg|left|thumb|200px|Mao Zedong-Porträt am Eingang zur Verbotenen Stadt]]

Mao Zedong wurde 1893 als ältester Sohn eines halbwegs wohlhabenden Bauern in Shaoshan, Provinz Hunan geboren. Als 14-jähriger lief er von seinem damaligen Zuhause und seinem Vater weg, nachdem dieser versucht hatte, ihn zur Heirat mit einem Mädchen, das er nicht kannte, zu zwingen.

Während der Chinesischen Revolution von 1911 wurde er Mitglied der anti-kaiserlichen Armee der Provinz Hunan, kehrte danach aber wieder in die Schule zurück.

1918 folgte er seinem Lehrer Yang Changji nach Beijing. Durch Vermittlung dieses Lehrers fand er eine Anstellung als Hilfsbibliothekar an der Peking-Universität, und geriet in engen Kontakt mit Li Dazhao, einem der wichtigsten frühen chinesischen Marxisten. Er erlebte die Vierte-Mai-Bewegung mit. Außerdem lernte er in Beijing seine erste Ehefrau Yang Kaihui, die Tochter seines Lehrers, kennen. Liebesheiraten waren damals noch alles andere als der Normalfall, dementsprechend wurde die Verbindung von den jungen Intellektuellen in Changsha als Zeichen gesellschaftlichen Fortschritts gefeiert.

Anders als viele andere spätere Führungskräfte der chinesischen Kommunisten verbrachte Mao die frühen 20er nicht im Ausland, sondern mit ausgedehnten Reisen durch Hunan und andere chinesische Provinzen.

1921 war Mao einer von 22 Teilnehmern des Gründungskongresses der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in Shanghai. 1923 wurde er auf dem dritten Kongress ins Zentralkomitee gewählt. Während der Ersten Einheitsfront zwischen der KPCh und der Guomindang (GMD) war er Direktor eines GMD-Instituts zur Revolutionären Erziehung der Bauern in Guangzhou.

Im Bürgerkrieg

Nach dem Bruch zwischen GMD und KPCh 1927 startete Mao den Herbsternte-Aufstand in Changsha, der aber schnell niedergeschlagen wurde. Mit einigen anderen Überlebenden zog sich Mao in das Jinggang-Gebirge zurück, wo er seine Truppen mit denen von Zhu De,Chen Yi und Zhou Enlai, die sich nach dem Nanchang-Aufstand ebenfalls hierhin zurückgezogen hatten, vereinigte.

Die Guerillabasis vergrößerte sich schnell; 1928 beherrschte sie bereits ein Gebiet mit über 500.000 Einwohnern. Unter dem Druck der Guomindang wurde das Zentrum 1931 etwas nach Süden verlagert, und die Jiangxi-Sowjetrepublik wurde geründet. Die Zeit war allerdings auch geprägt von andauernden Machtkämpfen zwischen Mao, der die Revolution durch Guerillakrieg (d.h. mit Unterstützung der Bauern) erreichen wollte, und an der Komintern orientierten Gruppen, die auf eine Revolution des Proletariats (d.h. durch die Industriearbeiter in den Städten) setzten (der sogenannte Kampf der zwei Linien)

In Jinggangshan lernte Mao auch seine zweite Ehefrau He Zizhen kennen. Yang Kaihui hatte Mao in Changsha zurückgelassen, wo sie von der Guomindang verhaftet und 1930 hingerichtet wurde. Ihre Kinder mit Mao mussten sich eine Zeitlang als Straßenkinder in Shanghai durchschlagen, bevor sie von Kommunisten gefunden und außer Landes gebracht werden konnten. Maos Sohn Mao Anying fiel später im Koreakrieg bei einem Luftangriff.

1934 wurde der Druck der Guomindang schließlich so stark, dass die Jiangxi-Sowjetrepublik aufgegeben werden musste. Die Kommunistischen Truppen zogen unter ungeheuren Verlusten im Langen Marsch nach Yan'an, in der Provinz Shaanxi, zurück, ständig auf der Flucht vor Truppen der GMD oder feindlicher lokaler Warlords. Unter den Opfern waren wahrscheinlich auch mehrere Kinder von Mao und He Zizhen, die bei Bauern untergebracht, aber nach 1949 nicht mehr aufgefunden werden konnten. He Zizhen selbst überlebte zwar, aber war gesundheitlich angeschlagen. Sie wurde 1937 in die Sowjetunion geschickt, um sich zu kurieren, aber auch, um Mao nicht bei dessen Affäre mit seiner späteren dritten Ehefrau, Jiang Qing, im Wege zu stehen.

Es war während des Langen Marsches, dass sich Mao auf der Konferenz von Zunyi mit Hilfe von Zhou Enlai als Anführer der KPCh durchsetzen konnte.

In Yan'an konnte sich die KPCh erneut stabilisieren, da das Gebiet abgelegen genug war, um erfolgreiche Angriffe der GMD zu verhindern, und außerdem der Chinesisch-Japanische Krieg 1937 zur Zweiten Einheitsfront führte. Auch Mao baute seine Macht weiter aus.

An der Macht

Nach der Kapitulation Japans und dem Rückzug der japanischen Truppen aus China flammte der Bürgerkrieg 1946 erneut mit voller Härte auf. Die GMD hatte jedoch während des Krieges an Stärke verloren, während die Kommunisten enorm an Stärke gewonnen hatten. Nach der Ausrufung der Volksrepublik China am 1.10.1949 zog sich die GMD nach Taiwan zurück, wo sie die Republik China fortführte.

Das war allerdings noch nicht das Ende von Maos Feldzügen. Ende 1950 griffen chinesische "Freiwilligenverbände" auf Seiten Nordkoreas in den Koreakrieg ein und schlugen die US-geführten UN-Truppen bis zum 38.Breitengrad zurück. Dieser militärische Erfolg nach 100 Jahren der Machtlosigkeit gegenüber ausländischen Invasoren gilt als einer der wichtigsten Erfolge Maos.

1958 initiierte Mao die Hundert-Blumen-Bewegung, die außer Kontrolle geriet und mit Gewalt gestoppt wurde. Nach ökonomischen Fehlentscheidungen (Großer Sprung nach vorn, Politik der 3 roten Banner) verlor Mao gegenüber den Reformern um Deng Xiaoping an Macht. Mao startete daraufhin die große proletarische Kulturrevolution. Dabei sollten Rote Garden zum einen die Machtposition von Mao sichern und zum anderen die Revolution fortsetzen, wobei diese Schritte das ganze Land ins Chaos mit Millionen von Toten stürzte. Laut Maos Widerspruchstheorie sollte eine andauernde Kulturrevolution zum Kommunismus führen. Nach seinem Tod 1976 wurden seine Vertrauten verhaftet. Seine Frau Jiang Qing wurde zum Tode verurteilt, später aber begnadigt.

Mao wird im Zusammenhang mit seinem von ihm forcierten "Entwicklungsprogramm" Großer Sprung nach vorn vorgeworfen den Tod von bis zu 30 Millionen Chinesen verursacht zu haben.

Er war begeisterter Anhänger des Brettspiels "Go". In der deutschen Ausgabe der ausgewählten Werke zitiert er das Fangen gegnerischer Steine im Rahmen seiner Überlegungen zur Kriegführung (Mao Tse-Tung, Ausgewählte Werke Band II, Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking 1968, ohne ISBN).

thumb|200px|Mao spricht zu seinen Anhängern (1944)

Einen besonderen Einblick in Maos Handlungsweise erfährt man in dem Buch "Ich war Maos Leibarzt" (ISBN 3785707487) von Dr. Li Zhisui, der 22 Jahre Mao ärztlich begleitete und auch sein engster Berater wurde. Dabei werden Maos Intrigen und die Angst vor dem Machtverlust deutlich, sowie seine taoistischen Sexualpraktiken, mit denen er den Tod zu bezwingen hoffte.

Bei der Entwicklung seiner Kriegsstrategien, besonders seinen Theorien zum Guerillakrieg, soll er von Sunzi beeinflusst worden sein.

Zusatz / Korrektur: Dass Mao gegen die "Reformer" um Deng Xiaoping an Macht verloren habe, ist als maoistische Propaganda einzuordnen. Immer wieder erstaunlich ist, wie lange sich diese grobe Vereinfachung in den Köpfen hält. Die These vom "Zwei-Linien-Kampf" in der KP-Führung diente Mao dabei als Rechtfertigung für die Eröffnung der Kulturrevolution 1966. Der so genannte "Machtverlust" war von Mao gewollt; er war einer von mehreren zeitweiligen Rückzügen in die sogenannte "zweite Linie" der Führung. Er beugte sich dem Unausweichlichen, der Korrektur des Wirtschaftskurses nach dem Desaster des Großen Sprungs nämlich, indem er anderen die Verantwortung für notwendige, ihm aber widerstrebende Maßnahmen überließ. Das zentrale Dilemma, vor dem die Zwei-Fronten-These steht, ist zu erklären, wie es dem angeblich geschwächten Mao gelang, wieder die Überhand über seine "Widersacher" in der Führung zurückzuerlangen. Hinter all dem steht das Problem der Führungsnachfolge in der Spitze der KP. Dieser Politkrimi wird kenntnisreich geschildert in: R. MacFarquhar: The Origins of the Cultural Revolution. 3 Bde. Eine verdichtete Einordnung findet sich daneben in der Cambridge History of China, Bde. 14 und 15 sowie in K. Lieberthal (1994): Governing China: From Revolution Through Reform.

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1972: Mao Tse-Tung trifft sich in Peking mit Richard M. Nixon

Zur Bedeutung Maos: Sein Ausspruch bei der Gründung der VR 1949 - "China ist wieder auferstanden" - gibt vielleicht am ehesten seine geschichtliche Bedeutung hervor. Ihm ist es zuzuschreiben, dass die Chinesen nach einem Jahrhundert ausländischer Gängelung ihren Nationalstolz wieder erlangten. Außenpolitisch band er China zunächst eng an die Sowjetunion ("nach einer Seite lehnen" "yibian dao"); die Zweifel an der Angemessenheit des sowjetischen Modells für die Entwicklung Chinas ließen ihn aber nach dem Tode Stalins den allmählichen Bruch mit der UdSSR vorantreiben. Somit führte er China insbesondere während der KR zunächst in die außenpolitische Isolierung, die mit der Annäherung an die USA (Pingpong-Diplomatie) ein Ende fand. Innenpolitisch ist die Mao-Zeit geprägt von einer Reihe von Kampagnen, die nicht erst mit der 100-Blumen-Bewegung 1956/7 (siehe oben) begannen. Ihre Gemeinsamkeit liegt unter anderem darin, dass durch sie Spaltkeile in die traditionelle Gesellschaftsstruktur getrieben werden sollten. Einfache Bauern und Arbeiter kritisierten (demütigten) die traditionell hoch angesehenen Intellektuellen in der Anti-Rechts-Kampagne 1958, in der Kulturrevolution wurden Jugendliche gegen ihre Eltern und andere Autoritäten aufgehetzt. In der Kulturrevolution schließlich zerstörte Mao willentlich die Legitimität seines eigenen Geschöpfes, die der KP. Mao verfolgte bis zu seinem Tod das Herzensziel, China wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch zu modernisieren. Dabei nahm er nicht nur den Tod vieler Millionen Menschen in Kauf, seine Methoden selbst waren mit der Konzentration auf die Führerfigur Mao ironischerweise zutiefst traditionell.

Siehe auch: Maoismus, Das kleine Rote Buch, Jiang Qing, Viererbande

Literatur

Weblinks

20px Wikiquote: Zitate zu Mao Zedong
Personendaten
Zédōng, Máo
chinesische Schrift vereinfacht: 毛泽东, traditionell: 毛澤東
chinesischer Politiker
26. Dezember 1893
Shaoshan (Hunan)
9. September 1976
Peking

See also: Mao Zedong, 1893, 1927, 1937, 1958, 1976