Mapuche

Die Mapuche (früher auch Araukaner) sind ein indigenes Volk Südamerikas. Ihr angestammtes Gebiet erstreckt sich auf die Staaten Chile und Argentinien. Im Gegensatz zu allen anderen indigenen Völkern widersetzten sich die Mapuche der spanischen Kolonialisation mit heftiger und oft erfolgreicher Gegenwehr.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kolonialisation

Den Mapuche ist es als einzigem indigenen Volk Amerikas über lange Zeit hinweg gelungen, die Unabhängigkeit zu wahren. Das Siedlungsgebiet der Mapuche erstreckte sich vom Río Choapa im mittleren Norden Chiles bis zur Insel Chiloé, es hatte also eine Nord-Südausdehnung von ca. 1600 km. In der Sprache der Mapuche, dem Mapudungun, bedeutet Mapu Land und Che soviel wie Mensch. Die Mapuche nennen sich selbst folglich „Menschen des Landes“.

Die Mapuche sehen sich als eine Volkseinheit, Yekmonchi genannt, die sich in mehrere nach geografischen Herkunftsgebieten benannte Stämme oder Gruppen gliedert. Beim vorkolonialen Volk der Mapuche handelte es sich um Halbnomaden, die nur in geringem Maße Land- und Viehwirtschaft betrieben. Sie lebten in zahlenmäßig kleinen Familienverbänden, so genannten Lofches, die autarke und autonome Einheiten bildeten. Sie kannten weder größere Dörfer noch Städte.

thumb|Araukanische Häuptlingsfamilie Ende des 19 Jahrhunderts thumb|Araukanerinnen beim Weben (Ende des 19. Jahrhunderts

1546 trafen spanische Konquistadoren unter Pedro de Valdivia am Fluss Bío Bío erstmals auf die Mapuche, die die Kolonisatoren zunächst erfolgreich am Aufbau einer Festung hinderten. Erst 1550 gelang den Spaniern die Gründung der Stadt Concepción. Die Mapuche entschlossen sich daraufhin zum Krieg. Unter ihrem gemeinsamen Kriegshäuptling (Toqui) Lautaro zerstörten sie 1555 nach mehreren Angriffen die befestigte Stadt Concepción, wurden dann aber auf dem Marsch nach Santiago de Chile von Francisco de Villagra bei einem Überraschungsangriff geschlagen, bei dem auch Lautaro ums Leben kam. Sein Nachfolger Caupolican wurde 1558 von den Spaniern grausam getötet und diente dem spanischen Schriftsteller Alonso de Ercilla y Zúñiga 1569 als Vorbild für seinen Roman "La Araucana".

Der Chronist des Königreich Chiles Pedro Mariño de Lobera (1528-1594) beschreibt in seinem Werk Crónica del Reino de Chile, die Kämpfe mit den Mapuche, allerdings aus der Sicht der Eroberer.

Der andauernde Widerstand der Ureinwohner zwang die Spanier 1641 zur Anerkennung einer unabhängigen Mapuche-Nation im Vertrag von Quillín. Darin wurde der Bio-Bio-Fluss als Grenze festgeschrieben und dem Volk der Mapuche Souveränität zugebilligt, ein in der Geschichte indigener Bevölkerungen in Südamerika einzigartiger Vorgang. Erst 1883 wurde der Mapuche-Staat gewaltsam an das mittlerweile unabhängige Chile angegliedert. 1934 scheitert ein großer Aufstand der Mapuche.

20. Jahrhundert

Bedingt durch den Verlust ihres Landes an Großgrundbesitzer (latifundistas) und Holzfirmen wanderten im 20. Jh. viele Mapuche in die Städte ab, ca. 40 % leben heute in der chilenischen Hauptstadt Santiago, in Temuco und anderen Ballungsräumen. Auf Verbesserungen unter der Regierung Salvador Allendes (Rückgabe von Land, geplante Ermöglichung zweisprachigen Schulunterrichts) folgten neuerliche schwere Repressalien unter der Pinochet-Diktatur (v. a. die faktische Enteignung durch Abschaffung des Gemeineigentums).

In nationalistischen Kreisen Chiles wird die Existenz des Mapuche-Volkes bis heute regelmäßig geleugnet (angeblich durch "Vermischung" –mestizaje– verschwunden), berüchtigt ist der Ausspruch Pinochets: "Es gibt keine Ureinwohner, wir sind alle Chilenen." Dagegen betonen die meisten Vertreter der Mapuche-Gemeinschaften (comunidades) ihre Eigenständigkeit und zumindest die Radikaleren unter ihnen lehnen es ab, sich als Chilenen zu bezeichnen. Historisch bedingte gegenseitige Vorbehalte prägen das Verhältnis zwischen den Kulturen der Mapuche und der Weißen teilweise bis heute.

Der chilenische Zensus von 2002 ergab 604.349 Mapuche auf chilenischem Staatsgebiet (928.500 im Jahre 1992). Inwieweit dieser (von Mapuche-Organisationen angezweifelte) Rückgang Assimilierungseffekte widerspiegelt oder auf Erhebungstechniken zurückgeht, ist umstritten. Die ursprüngliche Sprache der Mapuche, das Mapudungun, wird in Chile nur noch von etwa 400.000 Menschen verstanden. In Argentinien beläuft sich die Mapuche-Bevölkerung auf ungefähr 250.000 Menschen, von denen ca. 40.000 Mapudungun verstehen. Die Alphabetisierungsrate sowohl in der Amtssprache Spanisch als auch in Mapudungun ist sehr gering. Das Gros der Mapuche lebt in einfachen Verhältnissen. Männer arbeiten häufig als Gelegenheitsarbeiter, z. B. in der Landwirtschaft, Frauen oft als Hausangestellte in Häusern der Oberschicht. Viele Mapuche leben in Slums am Rande der Städte.

Seit Jahren ist das Verhältnis zwischen Mapuchen und dem chilenischen Staat durch Landrechtskonflikte getrübt. Mittlerweile gab es in gewissem Umfang Landrückgaben, aber auch neue Konflikte und umstrittene Gerichtsurteile gegen militante Mapuche-Angehörige. Der rechtliche Stellung ist auch deshalb schwierig, weil die chilenische Verfassung indigenen Gruppen (anders als in den meisten südamerikanischen Ländern) keine ethnisch-kulturelle Sonderstellung einräumt.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

See also: Mapuche, Alonso de Ercilla y Zúñiga, Argentinien, Chile, Chiloé, Concepción, Francisco de Villagra, Geschichte Chiles, Gesellschaft für bedrohte Völker, Großgrundbesitzer