Marfan-Syndrom

Das Marfan-Syndrom ist eine systemische Besonderheit auf der Grundlage einer Genmutation, die typischerweise vererbt wird. In 15% der Fälle ist die Ursache eine Neumutation.

Inhaltsverzeichnis

Auftrittshäufigkeit

Die Besonderheit tritt mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von 1:10.000 auf, wobei 9 von 10 Fällen familiär bedingt sind.

Erstbeschreibung

Das Syndrom wurde erstmals unter wissenschaftlichen gesichtspunkten 1896 von dem französischen Kinderarzt Antonin Marfan beschrieben. In den 1930er Jahren erkannte man, dass die Besonderheit autosomal dominant (nicht geschlechtsgebunden) vererbt wird, und die Ursache auf dem Chromosom 15 liegt.

Merkmale

Feingeweblich manifestiert sich das Marfan-Syndrom in der Feinstruktur des Bindegewebes (der Mikrofibrillen). Das Bindegewebe ist also fehlerhaft aufgebaut und führt zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Instabilitat aller Bindegewebe des Körpers.

Folgende Symptome kommen häufig bei Menschen mit Marfan-Syndrom vor, wobei nicht alle Merkmale bei allen Menschen bzw. bei allen Menschen in gleich starker Ausprägung vorliegen:

1. Herz- und Gefäßsystem

2. Augen

3. Skelettsystem

Diagnose und Behandlung

Die Diagnostik und Behandlung muss fachübergreifend (durch u.a. Kinderkardiologen / Kardiologen, Orthopäden, Augenärzte) erfolgen gemäß der Genter Nosologie (systematische Beschreibung der Krankheiten).

Eine ursächlich heilende Therapie existiert derzeit nicht. Die orthopädische und augenärztliche Versorgung der Patienten ist wichtig.

Lebenserwartung

Die größte Bedeutung zur deutlichen Verlängerung der Lebenserwartung fällt in den Bereich der Kinderkardiologie / Kardiologie. Es gibt Hinweise darauf, dass die Geschwindigkeit der Entstehung einer Aortenerweiterung durch die Einnahme von Beta-Blockern vermindert werden kann. Wie weit eine frühe und prophylaktische Einnahme im Kindesalter eine Aortenerweiterung verhindert, ist noch unklar. Ist die Aortenwurzel bei Erwachsenen auf mehr als 55 mm erweitert, muss eine Operation erfolgen um eine Dissektion der Aorta zu verhindern. Dies geschieht evtl. durch einen Aortenwurzelersatz mit künstlicher Herzklappe. Die postoperative Überlebensrate nach 10 Jahren beträgt zwischen 70 und 75%. Bei Kindern leitet sich die Notwendigkeit einer Operation aus der Abweichung des aktuellen Aortendurchmessers vom altersbezogenen Normalwert ab, der individuell geprüft werden muss.

Bei schweren Verläufen können auch augenärztliche Eingriffe zum Erhalt oder Wiederherstellung der Sehfähigkeit erforderlich werden.

Bei Verläufen mit schweren Wirbelsäulenverbiegungen sind Aufrichtungsoperationen wahrscheinlich.

berühmte Menschen mit Marfan-Syndrom

Berühmte Persönlichkeiten, wie Abraham Lincoln, Talleyrand und Niccolò Paganini sollen das Marfan-Syndrom gehabt haben.

Literatur

Weblinks

Siehe auch



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See also: Marfan-Syndrom, 1896, Abraham Lincoln, Aneurysma, Aorta, Auge, Beta-Blocker, Bindegewebe, Blutgefäß