Maria von Nazaret
Maria ist ein in der Bibel häufiger Vorname, der auf Miriam, die Prophetin und Schwester des Mose zurückgeht. Im Neuen Testament bezeichnet er verschiedene Frauen im Gefolge Jesu wie etwa Maria von Magdala, vor allem aber Maria von Nazaret, die Mutter von Jesus Christus und Ehefrau von Josef dem Zimmermann. Im griechischen Urtext des Neuen Testamentes heißt sie meist Mariam, die Form Maria wurde erst später im lateinischen Sprachraum üblich.
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Maria im Neuen Testament
Die Mutter Jesu
Im Neuen Testament finden sich nur relativ wenige Angaben zu Maria. Die meisten Züge ihrer Person überliefert das Lukasevangelium (Kap. 1 u. 2). Dort wird sie als jung verlobte Frau aus der Nachkommenschaft Davids geschildert. Sie wird von einem Engel Gottes besucht (Lu 1,28). Dieser begrüßt sie als Begnadete (κεχαριτωμενη =Partizip perfekt passiv von χαριτω= angenehm machen) und kündigt ihr an, dass sie, ohne mit ihrem Mann zusammenzukommen (s. Jungfräulichkeit Marias), den von Israel erwarteten Messias und Gottessohn zur Welt bringen wird.
Marias Persönlichkeit
Marias Bescheidenheit und Erschrecken, vor allem aber ihre vertrauensvolle Zustimmung, mit der sie sich in Gottes Plan fügt, sind zum Grundmotiv ihrer späteren Verehrung geworden. Diese Verehrung wird von Elisabeth (Luk. 1,42) und von Maria selbst (Luk. 1,48) bereits vorweggenommen (s. Mariä Heimsuchung).
Bei der Darstellung im Tempel kündigt Simeon ihr das Leiden um und mit ihrem Sohn an (Luk. 2,35). Dieses Leiden zeichnet sich in der Zurückweisung durch den zwölfjährigen Jesus (Luk. 2,48f) ab, setzt sich fort in der Distanz des Sohnes während seiner öffentlichen Wirksamkeit (Luk. 8,19-21) und vollendet sich angesichts seiner Kreuzigung (als deren Zeugin sie nur das Johannesevangelium ausdrücklich nennt). Noch einmal (zum letzten Mal) erwähnt Lukas Maria in der Apostelgeschichte als eine der Frauen, die mit den Jüngern betend auf die Geistsendung (siehe Pfingsten) warten (Apg. 1,14).
Marias Beziehung zu Jesus
[[Bild:Stabatmaterinnichenneu.JPG|thumb|right|Maria und Johannes unter dem Kreuz]] Das Johannesevangelium fügt dem Marienbild in der Szene vom Hochzeitsfest in Kana ("Was er euch sagt, das tut" Joh. 2,5) und im Kreuzeswort Jesu ("Siehe, dein Sohn - siehe, deine Mutter" Joh. 19,25ff) entscheidende Aspekte hinzu. Interessant ist allerdings die distanzierte Haltung, die Jesus in den überlieferten Szenen zu seiner Mutter einnimmt; so spricht er Maria niemals mit "Mutter" an, sondern mit "Frau" ("Frau, was habe ich mit dir zu schaffen?" Joh. 2,4; vgl. Joh. 19,26). Als seine eigentliche Mutter bezeichnet Jesus nach Mk. 3,31-35 solche, "die den Willen Gottes tun". Auch in Lu 11, 27 tritt Jesus einer Bevorzugung seiner Mutter aufgrund der körperlichen Mutterschaft entgegen und nennt vielmehr diejenigen selig, "die Gottes Wort hören und danach handeln." Nach katholischem und orthodoxem Verständnis trifft dies aber gerade auf Maria zu, weshalb dieser Abschnitt auch in der orthodoxen Kirche an allen Marienfesten eine der vorgeschriebenen Lesungen ist.
Marias familiäre Beziehungen
Dass Jesus der Sohn Marias ist, wird in den Evangelien auf unterschiedliche Weise bezeugt. Dass sie außer Jesus auch weitere Kinder gebar, deuten folgende neutestamentliche Stellen an: Mk. 3,31; Joh. 2,12; 7,3.5.10; Apg. 1,14; Gal. 1,19; 1. Kor. 9,5. In Mk. 6,3 werden uns sogar die Namen seiner Brüder mitgeteilt (Jakobus, Joses, Judas und Simon) und die Tatsache, dass er (mindestens zwei) Schwestern hatte. Danach hatte Maria also außer Jesus mindestens sechs weitere Kinder. Um die Lehre von der "immerwährenden Jungfräulichkeit" Marias abzusichern, werden in den orthodoxen und katholischen Kirchen die Brüder und Schwestern Jesu jedoch als Kinder Josephs aus einer früheren Ehe oder als Vettern und Cousinen von Jesus gedeutet. Das in den griechischen Originalen der Evangelien stehende griechische Wort für "Brüder", "adelphoi" lässt diese Deutung zwar zu, sie erscheint uns heutigen aber sehr unwahrscheinlich, da in Lukas 2,7 von Jesus als dem erstgeborenen Sohn Marias die Rede ist. Dieses Adjektiv erscheint heutigen Menschen unsinnig, wenn Maria nicht noch weitere Söhne geboren hätte; in der Antike war dies jedoch nicht unbedingt so, da mit der Erstgeburt bestimmte Rituale verbunden waren, egal ob das Kind danach Einzelkind blieb oder nicht. Unterstrichen wird diese Beobachtung heutiger Christen dadurch, dass in den Evangelien Jesu "Mutter und seine Brüder" mehrmals in einem Atemzug genannt werden. Auf jeden Fall wird in keinem Bibeltext explizit erwähnt, dass es sich bei den Brüdern und Schwestern Jesu eigentlich um entferntere Verwandte handelt (allerdings werden auch sonst keine Details über sie genannt). Der Kontext der Berichte über Geschwister Jesu macht zudem laut Ansicht mancher deutlich, dass es sich um den engeren Familienverband handelt. Zur "Menschwerdung" des Sohnes Gottes gehört nach neuerer protestantischer Auffassung auch die Tatsache, dass Jesus mit Vater, Mutter und Geschwistern aufwuchs, obwohl die Reformatoren selbst dies noch anders gesehen hatten.
Maria historisch
Das biblische Marienbild lässt kaum historische Schlüsse zu. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Maria und einige Verwandte Jesu zur Jerusalemer Urgemeinde gehörten, die nach Petrus vom Bruder Jesu Jakobus geleitet wurde.
Maria in der kirchlichen Lehre
Die religiöse Bedeutung Marias ist einer der großen Unterschiede zwischen den Konfessionen.
[[Bild:maria-hat-geholfen-himmerod.jpg|thumb|Votivtafeln für Maria im ]] Die katholische Kirche beruft sich bei ihrem Marienbild weniger auf biblische Aussagen, als auf das "Zeugnis des Heiligen Geistes". Die Rolle Marias im Heilsgeschehen (der Menschwerdung Gottes) wird in der katholischen Kirche von der Mariologie untersucht. So wird Maria hier wegen der Jungfräulichen Geburt Jesu oft auch kurz "die heilige Jungfrau" genannt. Andere häufige Titel sind "Mutter Gottes", "Unsere Liebe Frau" und im ostkirchlichen Bereich "Theotokos" (Gottesgebärerin). Beim Titel "Mutter Gottes" wird Maria aber nur als die Mutter von Christus verstanden, und Christus ist eben nach der christlichen Lehre Gott. Jedoch ist Maria auch für Katholiken nicht die Mutter von Gott dem Vater.
Der Titel "Mutter Gottes", erstmals angewendet auf dem Konzil von Ephesos im Jahre 431, ist schon seit dieser Zeit umstritten (die Nestorianer lehnten ihn damals ab, da ihrer Meinung nach Mensch und Gott nicht eine einzige Person sein konnten) und ist bis heute für viele Christen nicht akzeptabel. Die Verehrung einer göttlichen Mutter irgendeines anderen Gottes war in antiken Kulten schon in der Zeit vor Christus üblich, als der Polytheismus (Vielgötterglaube) noch alltäglich war. Die Idee der "Mutter Gottes" gelangte nach Ansicht der modernen (protestantischen) Religionswissenschaft somit über heidnische Kulte ins Christentum. Dieser Einwand wird jedoch von katholischer und orthodoxer Seite mit der Begründung zurückgewiesen, dass bereits das Neue Testament Hinweise auf eine Art Marienverehrung gibt (Luk 1, 42/Luk 1, 48). Maria stellt, genau wie die Verehrung von sogenannten Heiligen, nach protestantischer Ansicht einen Widerspruch zum ersten Gebot dar, wonach es nur einen einzigen Gott gibt und demzufolge nur zu einem einzigen Gott gebetet werden kann. Katholische Dogmatiker unterscheiden aus demselben Grund klar zwischen Ehrerweisung (die auch Menschen erwiesen werden kann, z.B. Maria und anderen Heiligen) und Anbetung (die nur Gott zukommt) und weisen eine verselbständigte Marienverehrung zurück (Zweites Vatikanisches Konzil).
Evangelische und Alt-Katholische Christen betrachten Maria mit Respekt als ein Vorbild des christlichen Glaubens unter vielen. Eine Verehrung als Gnadenmittlerin sowie eine weit über die biblischen Aussagen hinaus gehende Marien-Lehre(Unbefleckte Empfängnis, Mariä Himmelfahrt, Gnadenmittlerin, Schwarze Madonna, Theotokos) betrachten sie als Irrlehre (Häresie).
Zwischen Orthodoxen und Katholiken sind die Unterschiede in diesem Punkt geringer, allerdings werden die Mariendogmen von 1854 und 1950 - aus kirchenrechtlichen, nicht aus inhaltlichen Gründen - von der Orthodoxie abgelehnt.
Maria im Islam
Im Islam wird die biblische Maria als Marjam, die Mutter des Propheten Isa/Jesus bezeichnet. Die 19. Sure des Koran ist nach ihr benannt. Dort wird auch die jungfräuliche Empfängnis Jesu erzählt.
