Massenkommunikation
Als Massenkommunikation bezeichnet man in der Kommunikationswissenschaft einen Kommunikationstyp bzw. eine Kommunikationsform, die der öffentlichen Kommunikation zuzurechnen ist, "bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft), durch technische Verbreitungsmittel (Medien), indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz der Kommunikationspartner) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagenden und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum [...] gegeben werden". (Maletzke 1963, mit Hickethier 1988).
Massenkommunikation findet beispielsweise in den Massenmedien statt; der Begriff ist insbesondere abzugrenzen von der Individualkommunikation (z.B. Gespräch).
Die Maletzke-Definition, die Generationen von Publizistik- und Kommunikationwisschenschafts-Studierenden als "Legal-Definition" gelehrt wurde, gilt mittlerweile den Fachvertretern als veraltet. Insbesondere die seit den frühen neunziger Jahren aufkommende Strömung einer systemtheoretisch-orientierten Kommunikationswissenschaft und der mittlerweile stärker gewordene Forschungsfokus auf Kommunikationsformen wie Public Relations, Werbung oder Internet führt zu der Erfordernis offenerer Definitionen. Manfred Rühl hat 1980 in seiner Habilitationsschrift als Funktion des Journalismus das Herstellen und Bereitstellen von Themen zur öffentlichen Kommunikation definiert. Dies schränkt aber in der Tradition der Zeitungswissenschaft wiederum auf klassischen Nachrichten-Journalismus ein. Offener und ausbaufähiger ist die Definition von Franz Ronneberger, 1980. Bei ihm ist Massenkommunikation: "Handlungszusammenhang zur Hervorbringung öffentlicher Aussagen". Theis-Berglmair schließlich betont 1997 unter dem Eindruck von Internet und Netzkommunikation in ihrem Akteur- und Beziehungsmodell der Massenkoomunikationdie Wechselseitigkeit eines Beziehungsgeflechts von organisationsförmigen und natürlichen Rezipienten und Akteuren, die permanent zwischen ihren Kommunikator-Rollen Produktion und Rezeption wechseln. Ein exemplarisches Beispiel für diese neuen Ansätze, die keine "Einbahnstrassen-Modelle" mehr sind, ist dieses Wikipedia-Projekt.
Nach wie vor sind in der Kommunikationswissenschaft die exakten Grenzen des Faches und damit der Gegenstand der Disziplin nicht völlig unstrittig geklärt. Damit hängt stets die Frage zusammen, was mit einer Definition über Massenkommunikation überhaupt erfasst wird.
Siehe auch: Medientheorie, Intimkommunikation, Individualkommunikation, Gruppenkommunikation, Wahlkommunikation
Literatur
- Gernot Wersig: Die kommunikative Revolution. Strategien zur Bewältigung der Krise der Moderne. Opladen: Westdeutscher Verlag 1985. ISBN 3531117343
- Rühl, Manfred: Journalismus und Gesellschaft. Mainz: v. Hase & Koehler 1980.
- Ronneberger, Franz: Kommunikationspolitik, Band 2. Kommunikationspolitik als Gesellschaftspolitik. Mainz: v. Hase & Koehler 1980.
- Theis-Berglmair, Anna-Maria: Die mediale Durchdringung von Kommunikationsräumen. Wirkungsforschung im Lichte der Entgrenzung von Kommunikationssphären. Antrittsvorlesung Universität Bamberg SS 1997.
