Massenvernichtungswaffe

Zu den Massenvernichtungswaffen zählen heute atomare, biologische und chemische Waffen (ABC-Waffen), mit denen der Feind effektiv geschädigt werden soll. In der Regel entstehen bei ihrem Einsatz - manchmal vom Anwender bewusst gewollte - Kollateralschäden. Allerdings ist die Eingrenzung des Begriffs Massenvernichtungswaffe auf ABC-Waffen nicht sinnvoll, da die Zerstörungen durch konventionelle Waffen durchaus die Wirkung der ABC-Waffen übersteigen können, beispielsweise im Zweiten Weltkrieg. Die Proliferation (Verbreitung) von Massenvernichtungswaffen ist eine große Gefahr für die weltweite Sicherheit.

Inhaltsverzeichnis

Waffentypen

Atomare Waffen

Während des Zweiten Weltkrieges entwickelten die USA die Atombombe und setzten sie am 6. August 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima und am 9. August 1945 über Nagasaki ein. Die Bombe über Hiroshima hat mindestens 90.000 Menschen das Leben gekostet, als Folgen der Strahlung sind jedoch viel mehr gestorben. Allerdings sind nicht grundsätzlich alle Nuklearwaffen als Massenvernichtungswaffen anzusehen. In bestimmten Fällen dienen sie einem rein militärischen Zweck wie der Flugabwehr, gegen Schiffsziele in der Marine und für besondere Einsatzgebiete wie die Satellitenzerstörung, bei der im Extremfall keine Menschen zu Schaden kommen.

Biologische Waffen

Biologische Waffen richten sich grundsätzlich gegen Menschen und ihre Wirkung kann zumeist nicht eingegrenzt werden. Aufgrund der Infektions- und Seuchengefahr richten sich diese Waffen insbesondere gegen weiche zivile Ziele. Militärische Organisationen verfügen dagegen im Allgemeinen über geeignete Abwehrmittel (Schutzanzüge, Desinfektionsmittel und Schutzimpfungen zur Verhinderung einer Infektion und im Fall einer Infektion schnelle Diagnose, hochwirksame Antibiotika in ausreichender Menge und das nötige Know-How) und sind deshalb mit biologischen Waffen kaum zu treffen.

Da biologische Waffen anders als atomare und chemische nicht über einen kurzen Zeitraum wirksam sind, sondern ihre (Infektions-)Wirkung über eine längere Zeit beibehalten, können sie wirksam gegen passive Verteidigungsmaßnahmen wie Bunker eingesetzt werden.

Ein Beispiel ist etwa der Milzbrand, der zur Zeit von den USA weiterentwickelt wird. Es genügen hiervon schon wenige Gramm, um großflächige Gebiete zu verseuchen. Des Weiteren besitzen die USA und Russland Stämme ausgerotteter Krankheiten wie Pocken, die aufgrund schwindender Resistenzen in Zukunft immer verheerender eingesetzt werden könnten.

Besonders gefährlich ist das sogenannte "dreckige Dutzend", dabei handelt es sich um Bakterien, die sich äußerst leicht züchten lassen oder um sehr stabile Sporen:

Entero-Toxin B, Pferde-Enzephalitis, Botulismus, Q-Fieber, Ebola, Lassa-Fieber, Hasenpest, Brucellose, Pest, Rotz (Malleus), Ricin, Pocken

Chemische Waffen

C-Waffen als Giftgas wurden erstmals im Ersten Weltkrieg am 22. April 1915 von deutschen Truppen gegen die Franzosen eingesetzt, wobei es sich um das von Fritz Haber entwickelte Chlorgas handelte. Die Herstellung von Giftgas ist relativ einfach und billig. Da sich militärisches Personal sehr einfach und effizient gegen chemische Waffen schützen kann, sind chemische Waffen lediglich gegen Zivilisten effektiv.

Angesichts der Gräuel des ersten Weltkriegs wurde 1925 im Genfer Protokoll betreffend das Verbot der Anwendung von Giftgasen und bakteriologischen Mitteln der Einsatz von Giftgasen verboten. Das Verbot wurde im Zweiten Weltkrieg beachtet, obwohl nicht alle beteiligten Länder dem Protokoll beigetreten waren.

Konventionelle Waffen

Aufgrund industrieller Fertigungskapazitäten können konventionelle Waffen heute in großer Zahl hergestellt werden und gelten in bestimmten Fällen auch als Massenvernichtungswaffen. Insbesondere die Methode des Flächenbombardements, die von deutschen Bombern der Legion Condor im spanischen Bürgerkrieg am 26. April 1937 erstmal eingesetzt wurde, und in den Bombardierungen von Coventry (Großbritannien) und Hamar (Norwegen), sowie den Städtebombardements über zahlreichen deutschen Städten und Ballungsgebieten während des 2. Weltkriegs sein Fortsetzung fand, kann hierzu gezählt werden.

Auch der Einsatz von Minen, z.B. durch den Abwurf aus der Luft, hat einen vergleichbaren Charakter, wobei hier vor allem die Krisenregionen Afrikas, aber auch Ex-Jugoslawien oder die Länder Südostasiens betroffen sind.

Im Vietnamkrieg, Ersten Irakkrieg, Zweiten Irakkrieg, Sowjetischen Afghanistankrieg, US-amerikanischen Afghanistankrieg und ähnlichen Konflikten wurden hunderttausende Menschen durch konventionelle Waffen getötet - weit mehr als durch ABC-Waffen im selben Zeitraum. Zum Einsatz kamen dabei zahlreiche konventionelle Techniken, wie etwa der Abwurf von Napalm in Vietnam, aber auch die sogenannten Daisy Cutter US-amerikanischen Bomben in Afghanistan.

Vor allem in Vietnam ist das von den USA eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange durch seine bekannten giftigen und krebserregenden Nebenwirkungen erwähnenswert. Streng genommen handelt es sich dabei aber um eine C-Waffe, zumal der hohe Dioxin-Gehalt von Agent Orange und seine direkten und indirekten Folgen den verantwortlichen Militärs bekannt gewesen ist.

Ethische Bewertung

In der ethischen Bewertung eines so vielschichtigen Themas wird im Allgemeinen unterschieden, wie die Waffen eingesetzt werden, von wem und gegen wen und in welchem Kontext. Beispielsweise kann eine Atomwaffe gegen rein militärische Ziele eingesetzt werden wie gegen einen (zivile Städte angreifenden) Flugzeugträger oder - im Extremfall - gegen unbemannte Satelliten eines angreifenden Staates. Im anderen Extremfall können Massenvernichtungswaffen in militärisch sinnlosen Angriffen gegen zivile Städte eingesetzt werden. Abhängig von derartigen Begleitumständen werden verschiedene Argumentationen vorgetragen.

Die Grundproblematik bei den ethisch zweifelhaften oder gar verwerflichen Waffen ist die flächenhafte Anwendung, bei der es für die Partei, welche die Waffe einsetzt weitgehend unkontrollierbar wird wer von den Folgen betroffen sein wird. Das bedeutet, dass Menschen - ohne Unterscheidung zwischen Freund und Feind, aber auch ohne Unterscheidung zwischen Soldaten und Zivilisten -, Tiere und Pflanzen gleichermaßen Opfer sein können.

Insbesondere bei den weitgehend geächteten Landminen, aber auch bei Seeminen ist es oftmals nicht möglich, nicht absolut sicherstellbar oder wird aus diversen Gründen versäumt die zeitliche Begrenzheit für die Dauer eines absehbaren Krieges sicher zu stellen. Ähnliches gilt auch für Bomben; Blindgänger werden selbst 70 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg immer noch in den bombardierten Städten gefunden werden und unter größten Gefahren geräumt.

Inwiefern es sittlich legitim sein kann, in extremen Verhältnissen gegenüber einem erklärten Gegner bzw. einem Angreifer mit dem Einsatz von Massenvernichtungsmitteln zu drohen, ist umstritten. Zu bedenken ist, dass jede Drohung nur dann wirkt, wenn sie auch ernst genommen wird. Somit bietet bereits der Besitz von Massenvernichtungsmitteln zwar eine Schutzfunktion, birgt aber zugleich auch ein jederzeit umsetzbares Potential der Zerstörung in sich.

Literatur

Siehe auch

See also: Massenvernichtungswaffe, 1915, 1925, 1945, 22. April, 6. August, 9. August, Agent Orange, Antibiotika, Atombombe