Masturbation
Unter Masturbation (lateinisch masturbatio aus manustupratio von manus "Hand" und stuprum "Unzucht") versteht man die geschlechtliche Selbstbefriedigung, eine Form der Autosexualität.
Andere Bezeichnungen dafür sind Onanie (von der biblischen Gestalt Onan), Ipsation (lateinisch von ipse "selbst") und umgangssprachlich "wichsen" bzw. "sich einen runterholen".
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Techniken und Statistiken
Viele Menschen befriedigen sich in unregelmäßigen Abständen selbst. Statistisch betrachtet masturbieren mehr Männer als Frauen und sie tun dies laut Umfragen auch häufiger. Viele davon entdecken die Masturbation - und ihren eigenen Körper - bereits in der frühen Pubertät, einige erst später und manche sogar schon als Kleinkind oder gar Säugling.
Masturbiert wird auf ganz unterschiedliche Weise. Mit den Händen bzw. Fingern oder Hilfsmitteln werden die eigenen erogenen Zonen des Körpers stimuliert.
Das Masturbieren erfolgt oft unter starker Beteiligung der Phantasie. Durch optische Reize, durch Musik, durch das Betrachten pornografischer Fotos oder Filme, durch ein warmes Bad und durch akustische Reize können die beim Masturbieren empfunden Lustgefühle gesteigert werden.
Gelenkigen Menschen ist auch die orale Selbstbefriedigung möglich; man spricht dann bei Männern von Autofellatio und bei Frauen entsprechend von Autocunnilingus.
Es gibt auch technische Hilfsmittel wie Vibratoren und Dildos. Im Spezialhandel erhältlich sind auch Puppen mit weiblichen oder männlichen Sexualmerkmalen.
Geschichtliche Entwicklung
In der Bibel und vielen anderen antiken Schriften wird die Masturbation, anders als viele andere sexuelle Varianten, nicht erwähnt. Im antiken Griechenland galt die Masturbation als vollständig akzeptierte (aber selten thematisierte) Spielart gesunder Sexualität. Ab dem späten Mittelalter wurde sie genauso wie alle anderen Formen der Sexualität, die nicht ausschließlich der Fortpflanzung dienen, von der Katholischen Kirche als Sünde betrachtet. Jedoch erfuhr sie erst in der Aufklärung eine Brandmarkung als "soziale Gefahr" und "unnatürliches Verhalten" jenseits der rein religiösen Verurteilung.
Im Jahr 1712 erschien in England das vermutlich von dem geschäftstüchtigen Quacksalber und Schriftsteller John Marten geschriebene und anonym veröffentlichte Pamphlet Onania, das nach und nach in alle europäischen Sprachen übersetzt wurde und große Verbreitung erfuhr. Darin wurde behauptet, dass exzessive Masturbation vielfältige Krankheiten wie Pocken und Tuberkulose verursachen könne. Bezeichnend ist, dass John Marten gleichzeitig zahlreiche kleinere softpornografische Schriften veröffentlichte und in Onania eine von ihm erfundene "Medizin" gegen die angeblich aus der Masturbation resultierenden Krankheiten anbot. Interessanterweise glaubten selbst die großen Aufklärer der Zeit dem anonym veröffentlichten Werk. Denis Diderot nahm die fragwürdigen Thesen sogar in seine Encyclopédie auf.
thumb|200px|Korsett zur Verhinderung der Masturbation, aus einem französischen Buch von ca. 1815
Im 18. und 19. Jahrhundert fand in der Folge in ganz Europa geradezu ein "Feldzug gegen die Masturbation" statt. Die Vielzahl der pseudowissenschaftlichen Schriften, die die angeblichen Gefahren der Masturbation anprangerten und Methoden zu ihrer Verhinderung anboten, sind nicht mehr zu zählen.
Falsche Vorstellungen kursierten über Jahrhunderte, dass „Selbstbefleckung” die gesunde geschlechtliche Entwicklung eines Knaben behindere und zur Gehirnerweichung und zum Rückenmarksschwund führe. Auch Krebs, Wahnsinn oder Lepra sollten angeblich die Folge der Masturbation sein.
Erst seit Robert Koch 1882 den Tuberkelbazillus entdeckte, behaupten die Mediziner nicht mehr, dass Masturbieren Tuberkulose hervorrufe. Dagegen war noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein der Glaube weit verbreitet, dass Akne durch Masturbation hervorgerufen werde. Die Hypothese konnte sich wohl deshalb so lange halten, weil Jugendliche in der Pubertät fast immer unter Akne leiden und gleichzeitig in der Pubertät auch häufig masturbieren.
Neben gesundheitlichen Gefahren wurden auch moralische Argumente gegen die Masturbation vorgebracht: sie sei egoistisch, verleite zur Disziplinlosigkeit und stelle ein "nutzloses Vergnügen" dar. Die Masturbation fördere die Abkapselung des Masturbators von der Gesellschaft, da er zu seiner sexuellen Befriedigung keinen Partner benötigt.
Sigmund Freud befasste sich eingehend mit der Masturbation und gegenbehauptete, Masturbation sei in der Jugend natürlich und für kleine Kinder sogar absolut förderlich, um die eigene Sexualität zu entdecken.
Heutige Bewertung
Heute weiß man, dass Masturbation nicht mit gesundheitlichen Schäden verbunden ist, und viele Menschen sind der Auffassung, dass Selbstbefriedigung kein Ersatz für etwas ist, sondern eine eigenständige Form der Sexualität, die dem persönlichen Lustgewinn dient und für die Entwicklung einer gesunden Sexualität hilfreich ist.
Masturbation wird nur dann als störend oder sogar krankhaft gewertet, wenn sie öffentlich bzw. zwanghaft ausgeübt und zur Sucht wird. Vom psychologischen Standpunkt aus ist Suchtverhalten in jedem Lebensbereich mit Risiken und möglichen Gefährdungen der eigenen Person oder anderer verbunden - so natürlich auch im Hinblick auf die Selbstbefriedigung. Für Menschen die ihre Masturbationsgewohnheiten als Sucht einschätzen und von ihnen loszukommen versuchen gibt es inzwischen Selbsthilfegruppen ähnlich den Anonymen Alkoholikern.
Religiöse Positionen
Die meisten Religionen, wie etwa das Judentum und der Islam, betrachten die Selbstbefriedigung normalerweise nicht als Sünde. Dies gilt auch für die Evangelische Kirche.
Eine Ausnahme bildet das traditionelle Christentum. Die Haltung der heutigen römisch-katholischen Kirche ist, dass die "bewusste und freiwillige Selbstbefriedigung" eine unreife und fehlgeleitete Form der Sexualität darstelle (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2352). In einer bestimmten Interpretation der paulinischen Tradition, die sich u.a. auf Philo von Alexandria zurückführen lässt, gilt ferner allgemein jedes geschlechtliche Tun, das nicht der Fortpflanzung dient, als schwere Sünde der Unzucht.
Die Orthodoxe Kirche definiert "Sünde" als "Handlung gegen das Gewissen". Ob Masturbation darunter fällt, muss der Gläubige durch Beobachtung seines Gewissens selbst entscheiden.
Siehe auch
Literatur
- Shere Hite: Das sexuelle Erleben der Frau, 1977, ISBN 3-44211-252-4
- Thomas W. Laqueur: Solitary Sex – A Cultural History of Masturbation. Zone Books, 2003, ISBN 1-89095-132-3
- Caroline Erb/Deborah Klingler: Mysterium Masturbation. Wenn sich Frauen selber lieben, Verlag Peter Lang, Frankfurt a. M. u.a. 2004, ISBN 3-631-52098-0
- Wiebke und Axel H. Kunert: Das Handbuch der Onanie, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin, 2002, ISBN 3-89602-402-7
- Arne Hoffmann: Onanieren für Profis, Marterpfahl Verlag, Nehren, 2005, ISBN 3-93670-816-9
Weblinks
- http://www.schoener-onanieren.de
- http://www.solotouch.com/main/main.htm (englisch)
- http://www.ahs-online.de/texte/material0401.php3
- http://www.netdoktor.at/sex_partnerschaft/fakta/selbstbefriedigung_maedchen.shtml
- http://www.netdoktor.at/sex_partnerschaft/fakta/selbstbefriedigung_buben.shtml
- http://www.the-clitoris.com/german/html/g_masturb.htm (englisch, teilweise mit deutscher Übersetzung)
- http://www.jackinworld.com/ (englisch)
- http://www.sexaa.org/ (englisch)
- Ansichten der römisch-katholischen Kirche
