Materialismus

Der Begriff Materialismus (abgeleitet von Materie) bezeichnet eine philosophische Position, die alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführt (siehe Monismus), wobei sie - im Gegensatz zum Idealismus oder zum neutralen Monismus - davon ausgeht, dass Gedanken und Ideen Erscheinungsformen der Materie sind.

Es erklärt dabei die uns umgebende Welt und die in ihr ablaufenden Prozesse ohne spirituelle oder mystische Elemente, die sich dem reproduzierbaren wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn entziehen (beispielsweise ein Schöpfergott).

Geschichte

Die Ursprünge des Materialismus liegen in der griechischen Naturphilosophie, wichtige Vordenker sind u.a. Thales, Anaxagoras, Parmenides, Epikur, vor allem aber Leukipp und Demokrit, die Begründer der Atomistik. Die Naturphilosophen suchten natürliche Erklärungen der Wirklichkeit anstelle der mythologischen. Die Naturphilosophie gilt somit auch als Vorläuferin der modernen Wissenschaft.

Als wichtige Vertreter in der europäischen Aufklärung gelten Paul Heinrich Dietrich von Holbach, Claude Adrien Helvétius, Julien Offray de La Mettrie, Denis Diderot und Ludwig Feuerbach.

Ein streng mechanistisches Weltbild entwarf der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Laplace. Er behauptete, durch die Kenntnis des gegenwärtigen Zustands eines jeden Teilchens im Universum ließe sich auf Grundlage der bekannten (und absolut erfassbaren) mechanischen Gesetze der Zustand des Universums zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft bestimmen. Der Laplacesche Determinismus hat damit gravierende Auswirkungen auf die Naturphilosophie gehabt, da das Universum in diesem Fall nicht nur vorhersehbar, sondern durch seine Anfangsbedingungen bereits vorherbestimmt sei (siehe Laplacescher Dämon).

Zu den bekanntesten materialistischen Philosophen zählen Karl Marx und Friedrich Engels. Sie verbanden den Materialismus mit der Dialektik, und erklären die Wirklichkeit als Prozess der permanenten Wechselwirkung von Geist und Materie (vgl. Dialektischer Materialismus). Weiter sei hier der Anarchist Michail Bakunin erwähnt, der in seinem Werk "Gott und der Staat" versucht, die Frage zu beantworten, ob Idealisten oder Materialisten im Recht sind.

Kritik am mechanistischen Materialismus

Das mechanistische Weltbild, wie es im Laplaceschen Determinismus Ausdruck fand, ist mit der Entwicklung der Quantenmechanik als unzureichend befunden worden, da erstens aufgrund der Heisenbergschen Unschärferelation Ort und Impuls eines Teilchens niemals hinreichend genau bestimmt werden können, zweitens scheint auch der Faktor "Zufall" als Teil der Realität zu existieren. Folglich ist auch die Extrapolation des gegenwärtigen Zustands eines jeden Systems nur bedingt möglich.

In der aktuellen wissenschaftlichen und philosophischen Diskussion über die wesentlichen Bestandteile des Universums lässt sich eine Abkehr vom deterministischen Materialismus erkennen, da zum einen immer kleinere, fundamentalere Bestandteile der Materie entdeckt worden sind, ohne zu wissen, ob diese nun wirklich "elementar" sind, (siehe Atom, Atomkern, Proton, Neutron, Quarks), und zum anderen physikalische Prozesse nie vollständig deterministisch sind und oft auch vom Zufall beeinflusst werden.

Siehe auch

See also: Materialismus, Anaxagoras, Atom, Atomistik, Atomkern, Aufklärung, Besitz, Claude Adrien Helvétius, Demokrit, Denis Diderot