Medien in der Türkei

Die türkische Medienlandschaft ist eine sehr vielfältige, zahlreiche Printtitel, Rundfunk- und Fernsehsender kämpfen um die Gunst türkischen Rezipientinnen und Rezipienten. Dabei sind die meisten der Titel in der Hand einiger weniger Medienkonzerne, deren grösster, die Aydin-Dogan-Gruppe, einen Gesamtmarktanteil von über 50% inne hat. Dieser hohe Konzentrationsgrad, die harte Konkurrenz um den (relativ) kleinen türkischen Werbe"kuchen", das Nicht-Vorhandensein einer Berufsvertretung für Journalistinnen und Journalisten und die, in den letzten Jahren zwar deutlich entschärfte, aber dennoch nach wie vor kritische Situation im Bezug auf Freiheit der Meinungsäußerung, sind Probleme, denen sich die türkischen Medien und Medienmacher gegenübersehen.

Printmedien: Die junge, innerhalb weniger Jahre zur auflagenstärksten türkische Tageszeitung avencierte Posta, ist ebenso Teil des Medien. und Wirtschaftkonglomerates des Aydin Dogan, wie das angesehene, und meist auch international erhältliche Blatt Hürriyet und die Titel Milliyet und Radikal. Weiters finden sich die Titel Aksam, Türkiye, die zur Dinç-Bilgin-Gruppe gehörende Sabah, die gemässigt-islamistische Zaman, und die gemässigt-linke Cumhuriyet an den meisten türkischen Kiosken. Wochen- und Monatszeitschriften sind zahlreich, in der Mehrzahl jedoch auf ein bestimmtes Thema spezialisiert (Frauen-, Motor-, Sportmagazine etc.)

Rundfunk & Fernsehen: Die elektronischen Medien in der Türkei sind als duales System organisiert. Die öffentlich-rechtliche Radio- und Fernsehanstalt TRT betreibt vier nationale Fernseh- und fünf Radiosender. Bis 1990 Monopolist, hat die TRT ihre frühere Bedeutung eingebüsst; ihr Marktanteil bleibt inzwischen deutlich unter dem der wichtigsten privaten Konkurrenz. 16 nationale, 15 regionale und 229 lokale Fernsehstation (Stand Mai 2005) stehen den fast 70 Millionen Türkinnen und Türken zur ihrer Unterhaltung & Information zur Verfügung. Die beliebtsesten Fernsehsender ATV, Show-TV, Star und Kanal D sind "Vollprogramme", die Unterhaltungsshows, Filme, Serien und Information gleichermassen senden. NTV und CNN-Türk bringen Nachrichten non-stop. Die Hörfunklandschaft ist ähnlich vielfältig.

Medienkonzentration: Nach der fundamentalen Wirtschaftskrise 2001, die der Türkei unter anderem eine Hyperinflation bescherte, und viele Betriebe an den Rand des Ruins brachte, begann eine beispiellos schnelle Konzentrationsbewegung die türkische Medienlandschaft zu erfassen. Viele Medienunternehmen wurden, um ihren Erhalt zu sichern, vom Staat auf-und kurz später an pfiffige Unternehmer weiterverkauft oder wanderten direkt in den Besitz der wenigen Konglomerate, die die türkische Medienlandschaft heute kennzeichnen: Der grössten unter ihnen, die Aydin-Dogan-Gruppe, gehören unter anderem die Tageszeitungen Posta, Hürriyet, Milliyet, Radikal, und die Fernsehsender Kanal D und CNN-Türk) an. Weitere: Dinç-Bilgin-Gruppe (u.a. Sabah], ATV, u.a.), Ihlas-Gruppe (Türkiye, TGRT, u.a.), Çukurova-Gruppe (Show-TV, Aksam); Dogus-Gruppe (NTV). Vor allem Aydin Dogan ist für Kritiker des türkischen Mediensystems inzwischen zu einem "Lieblingsfeind" geworden: Während er die Organisation in einem Berufsverband bzw. einer Gewerkschaft für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterbinde, drücke er die Löhne nach unten. Auch die Verbindungen zwischen Dogan und dem Machtzentrum des Landes sorgen für Kritik. So sind nicht nur Medienunternehmen sondern auch Bau-, Tourismus, Transportfirmen etc. Teil seines Konglomerates.

Medienfreiheit: Während die Situation der Medienfreiheit in der Türkei in der Vergangenheit eine überaus schwierige war, bis in die späten 90er Jahre hinein zahlreiche Journalistinnen und Journalisten verhaftet und Zeitungen reihenweise geschlossen wurden, hat sich die Lage in den letzten Jahren deutlich entspannt. Obwohl es nach wie vor internationale Kritik an der Situation der Medienfreiheit regnet, und auch in den letzten Jahren noch besorgniserregende Fälle aufgetaucht sind, haben die Reformen der Verfassung und des Pressegesetzes, die auch auf Druck der Europäischen Union zustande gekommen sind, die Situation entschärft.

Medienregulierung Die Regulierung der privaten Fernseh- und Radiosender obliegt der Regulationbehörde RTÜK, die sowohl Lizenzen erteilen, entziehen als auch zeitlich begrenzte Sendeverbote erteilen kann. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wird durch seine Direktion geleitet, welche zwar formal unabhängig ist, jedoch von der Regierung ernannt wird. Das Pressewesen ist staatlich nicht (mehr) reguliert, die meisten Printmedien unterliegen jedoch der freiwilligen Selbskontrolle des türkischen Presserates, der auch Beschwerden zu elektronischen Medien bearbeitet.

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See also: Medien in der Türkei, Aydin Dogan, Duales Rundfunksystem, Rezipient, Zaman (Tageszeitung), Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, TRT, Posta (Zeitung)