Medientheorie

Als Medientheorie werden spezifische oder generalisierte Forschungsansätze verstanden, die das Wesen und die Wirkungsweise von Einzelmedien oder der Medien generell zu erklären versuchen. Es werden darin häufig Rückbezüge genommen auf die Kommunikations- und die Informationstheorie.

Zur Zeit steht eine einheitliche Medientheorie noch aus. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass es bislang noch nicht gelungen ist, eine Rubrizierung nach technischen Medienbegriffen mit einer sinnvollen und stimmigen Definition von Medium bzw. Medien in Einklang zu bringen.

Das hängt aber auch mit den Herangehensweisen zusammen: Die Philosophie, die selbst hinter einen scheinbar einfachen Begriff wie Technik ganze Felder von Fragestellungen aufdeckt, wird naturgemäß bei der Betrachtung der Medien nicht zu einheitlichen Schlussfolgerungen kommen.

So können einige Medientheorien eher als Philosophien der Medien betrachtet werden, andere sind etwas handfestere soziologische Theorien (denen heute aber häufig der Vorwurf gemacht wird, das Wesen der Medien zu verkennen, und mit ungenügenden Begrifflichkeiten zu arbeiten).

Inhaltsverzeichnis

Systematik der Medientheorien

Es existieren verschiedene Ansätz zur Systematisierung vorhandener Medientheorien.

Werner Faulstich unterscheidet beispielsweise vier Kategorien von Medientheorien:

  1. Einzelmedientheorien: Film-, Hörfunk, Fernseh-, Theater-, Buch- und Brieftheorien.
  2. kommunikationstheoretische Medientheorien: Betrachtung von Medien als Teil eines Kommunikationsprozesses.
    • Beispiel: Gerhard Maletzke: Theorie vom "Feld" der Massenkommunikation.
  3. gesellschaftskritische Medientheorien: explizit kritischer Ansatz; Unterscheidung nach dem emanzipatorischen Gehalt der Medientheorie, siehe auch emanzipatorische Medientheorien.
    • Beispiel: Dieter Prokop: Massenkommunikation im Kontext der kapitalistischen Gesellschaft.
  4. systemtheoretische Medientheorien: Kommunikation als Teil oder Form des gesellschaftlichen Handelns.
    • Beispiel: Talcott Parsons: Geld und Macht als zentrale gesellschaftliche Interaktionsmedien.

Bei einem objektorientierten Ordnungsprinzip werden ebenfalls vier Gruppen von Einzelmedien unterschieden:

Folgende Ansätze lassen sich in einem Phasenmodell nach Rainer Leschke (2001) als Ordnungsmodelle unterscheiden:

Primäre Intermedialität

Ansätze der primären Intermedialität beschäftigen sich vor allem mit dem Verhältnis unterschiedlicher Medien zueinander (Medienvergleich); diese Ansätze entstehen meist, wenn eine neue Medientechnik entwickelt wird oder wenn ein Funktionswandel eintritt, beispielsweise beim Übergang zu den Massenmedien. Sie sind vortheoretisch und beschränken sich auf Einzelaussagen über ihre Untersuchungsgegenstände.

Beispiele:

Sekundäre Intermedialität

Siehe Intermedialitätstheorien

Rationalisierte Praxis

Wenn sich ein neues Medium etabliert hat, setzt eine an der Praxis orientierte Reflexion ein; dabei werden schwerpunktmäßig nicht mehr Vergleiche mit anderen Medien angestellt, es tritt dagegen das betrachtete Einzelmedium und dessen spezifische Eigenschaften in den Mittelpunkt, beispielsweise die Montage bei Sergej Eisenstein. Diese medientheoretischen Ansätze der rationalisierten Praxis erheben nicht den Anspruch einer vollständigen Theorie des Mediums – sie sind ebenfalls vortheoretisch – und versuchen, relevante Teilbereiche zu systematisieren.

Beispiele:

Brechts so genannte Radiotheorie:

Einzelmedienontologien

Einzelmedienontologien versuchen, das Wesen eines neuen Mediums, das sich bereits etabliert hat, zu bestimmen. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen gehen sie dabei methodisch und systematisch vor; sie beschäftigen sich nicht mehr nur mit Details des Mediencharakters, sondern streben Allgemeingültigkeit in Bezug auf das Einzelmedium an. Einzelmedienontologien sind nur eingeschänkt auf andere Medien übertragbar.

Beispiele:

Generelle (generalisierende) Medientheorien

Generelle beziehungsweise generalisierende Medientheorien werden entwickelt, um mehrere Medien theoretisch zu erfassen; sie werden in der Regel unter Rückgriff auf die Modelle und Methoden anderer Wissenschaftsdisziplinen wie der Kultur- oder Sozialwissenschaften entworfen. Sie ersetzten die Einzelmedienontologien nicht, sondern ergänzen diese.

Beispiele:

Generelle (generalisierende) Medienontologien

Generelle beziehungsweise generalisierende Medienontologien versuchen, über die Aussagen der generellen (beziehungsweise generalisierenden) Medientheorien hinaus zu gehen und allgemeingültige Aussagen über das Wesen und die Struktur von Medien an sich zu machen und eine Universaltheorie zu schaffen; mit diesem Allgemeinheitsanspruch schließen sie eine Koexistenz mit der generellen Medientheorie aus, sie sind inkompatibel zueinander. Außerdem lösen sich generelle Medienontologien von benachbarten Wissenschaftsdisziplinen und stellen eigenständige medientheoretische Paradigmen auf.

Intermedialitätstheorien: sekundäre Intermedialität

Die Ansätze der sekundären Intermedialität versuchen, Intermedialität zu verallgemeinern und eine generelle Medientheorie zu schaffen; sie bestimmen das Wesen von Medien aus der Interferenz der Medien zueinander. Sie bilden somit eine spezielle Variante der generellen Medienontologie.

Siehe auch

Medien

Theorien der Medien

Literatur

Textsammlungen

Übersichtsdarstellungen

Lexika

See also: Medientheorie, Alphabetisches Monopol, Aufschreibesystem, Bertolt Brecht, Bewegte Bilder, Bild, Buchdruck, Béla Balázs, Code, Computer