Fabel

left|25px|Begriffsklärung Dieser Artikel befasst sich mit dem Begriff Fabel als unglaubliche Geschichte, Mär oder Lüge siehe auch: fabulieren (in Psychologie u.a. )

Der Begriff Fabel (v. lat.: fabula Erzählung, Sage, "Geschichtchen") bezeichnet

  1. im engeren Sinne: Eine in Vers oder Prosa verfasste Erzählung mit belehrender Absicht, in der Tiere, Pflanzen oder fabelhafte Mischwesen menschliche Eigenschaften besitzen (Personifikation). Die Dramatik der Fabelhandlung zielt auf eine belehrende Schlusspointe, eine Moral, hin. Siehe auch weiter unten. Die Fabel war ein Mittel der Aufklärungsbewegung, um das gemeine Volk zum selbstständigen Nachdenken anzuregen.
  2. im weiteren Sinne: Das Stoff- bzw. Handlungsgerüst, das einem epischen oder dramatischen Werk zugrunde liegt und in dem die wichtigsten Motive enthalten sind.
Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Fabeln zählen zum volkstümlichen Erzählgut. Bekannt sind die altindische Fabelsammlung Panchatantram, sowie die Fabeln des Arabers Lokman. Als Schöpfer der europäischen Fabel gilt Äsop, dessen Werk über Phaedrus, Babrios und Avianus Eingang in das mittelalterliche Europa fand.

In der Antike wird die Fabel nicht als literarische Gattung angesehen, sie ist eher den niederen Schichten zugehörig und wird höchstens als rhetorisches Element verwendet. So schreibt Aristoteles in einer rhetorischen Schrift über Beispiele in Reden und nennt die Fabel (als fingierte Beispiele) und das historische Ereignis. Die älteste überlieferte Fabel findet sich bei Hesiod. Beispiele für die Verwendung in der lateinischen Literatur finden sich bei: Horaz (serm. 2. 6. 79ff.): "Die Fabel von der Haubenlerche" und Livius (2. 32. 8ff.): "Die Fabel vom Magen und von den Gliedern". Erst Phaedrus schreibt Fabelbücher, die vor allem durch eine Prosabearbeitung, den Romulus-Corpus, verbreitet wurden.

Als ältester Fabeldichter in deutscher Sprache kann der mittelhochdeutsche Dichter Der Stricker gelten, dessen Werke ab Mitte des 13. Jahrhunderts definiert werden. Die älteste Fabelsammlung ist wohl Ulrich Boners Edelstein (etwa 1324). Die Fabelliteratur etablierte sich vor allem im Zeitalter des Humanismus, so nutzt auch Luther die Fabeln, um Lehren zu erklären. Bei ihm erscheinen abstrakte Überschriften, wie "Hass", und die Lehre abgesetzt und sehr prinzipiell gefasst. Wichtige Fabeldichter sind Hans Sachs, Jean de La Fontaine, Jean-Pierre Claris de Florian, Christian Fürchtegott Gellert oder Magnus G. Lichtwer. Gotthold Ephraim Lessing bildete gemeinhin den Abschluss der klassischen deutschen Fabeltradition. In Russland war Iwan Krylow der bedeutendste Fabeldichter. Der Franzose La Fontaine (1621-1695) ersetzte die allzu belehrenden Fablen und die damit verloren gegangene Einfalt und Natürlichkeit durch geistigen Witz und spielerische Anmut.

Charakteristische Merkmale einer Fabel

Typischer Aufbau einer Fabel

  1. Promythion - vorangestellte Nutzanwendung, "Lehre"
  2. Darstellung der Situation der Handlung
  3. Auslösung der Handlung (actio, Rede, 1. Handlungsteil)
  4. Reaktion des Betroffenen (reactio, Gegenrede, 2. Handlungsteil)
  5. Ergebnis
  6. Epimythion - nachgestellte Nutzanwendung

Die Teile eins, fünf und sechs können dabei auch fehlen.

Fabelnamen

In der Tierfabel wird der personifizierte Charakter des Fabeltieres durch einen charakteristischen Fabelnamen unterstrichen.

Fabelnamen der germanischen Fabeltradition

Siehe auch

Weblinks

Literatur

See also: Fabel, Affen, Aufklärung, Avianus, Babrios, Biber, Bären, Christian Fürchtegott Gellert, Dachs