Mellingen AG

Wappen
98px|Wappen von Mellingen
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Baden
BFS-Nr.: 4033
PLZ: 5507
Koordinaten: 47° 25' n. Br.
8° 17' ö. L.
Höhe: 352 m ü. M.
Fläche: 4.86 km²
Einwohner: 4286 (31. Dezember 2004)
Website: www.mellingen.ch
Karte
299px|Karte von Mellingen

Mellingen ist eine Kleinstadt im Bezirk Baden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt auf halben Weg zwischen Baden und Lenzburg an der Reuss.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das mittelalterliche Städtchen liegt auf der linken Seite der Reuss, die hier von Südosten nach Nordwesten fliesst. Das überbaute Gebiet liegt in einer flachen Ebene, die im Westen durch die Endmoräne von Wohlenschwil, im Süden durch den Wagenrain und im Nordosten durch flache bewaldete Hügel begrenzt wird. Im Nordwesten fliesst die Reuss durch eine etwa 100 Meter breite und 40 Meter tiefe Schlucht.

Die höchste Stelle liegt auf 420 Metern im Birchwald, rund zwei Kilometer nördlich des Zentrums, die tiefste Stelle liegt auf 344 Metern an der Reuss. Das Gemeindegebiet ist 486 Hektaren gross, davon sind 157 Hektaren bewaldet und 129 Hektaren überbaut.

Nachbargemeinden sind Birmenstorf und Fislisbach im Norden, Niederrohrdorf im Osten, Stetten im Südosten, Tägerig im Süden und Wohlenschwil im Westen. Im Norden grenzt Mellingen ausserdem an die Exklave Rütihof der Gemeinde Baden.

Geschichte

Auf dem Gemeindegebiet von Mellingen wurden zahlreiche Funde aus der Mittelsteinzeit und der Jungsteinzeit gemacht. Die Dorfsiedlung Mellingen stammt aus alemannischer Zeit und deren Kirche wurde 1045 erstmals urkundlich erwähnt; sie war nicht identisch mit dem heutigen Städtchen, lag am rechten Ufer der Reuss und wurde im Hochmittelalter auch "Trostburger Twing" genannt. Das Dorf gehörte zuerst den Grafen von Lenzburg, bis sie schliesslich durch Vererbung in den Besitz der Kyburger gelangte.

Diese gründeten um 1230 das eigentliche Städtchen Mellingen am linken Ufer der Reuss und liessen eine Ringmauer errichten. Seit 1253 besteht eine Brücke über den Fluss. Die Habsburger, welche 1273 Landesherren geworden waren, verliehen Mellingen 1296 das Stadtrecht. Im Jahr 1364 erwarb die Stadt die Niedere Gerichtsbarkeit über den Trostburger Zwing, 1400 auch die Hohe Gerichtsbarkeit.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Mellingen wurde Bestandteil der Grafschaft Baden, vermochte aber sein Marktrecht und seine gerichtliche Autonomie zu bewahren. Die Zehnten musste die Stadt an das Kloster Königsfelden abliefern, der Twing an das Spital in Baden. Mellingen konnte die Niedere Gerichtsbarkeit über Stetten (1415-1494) und Tägerig (1543-1798) erwerben. Am 1. September 1505 wütete ein grosser Stadtbrand.

Das katholische Mellingen war der wichtigste Brückenkopf zwischen den reformierten Städten Bern und Zürich und war deshalb Schauplatz zahlreicher religiös motivierter Kampfhandlungen. Zwischen 1528 und 1712 war das Städtchen nicht weniger als zwölf Mal durch Truppen besetzt, z.B. vor der Entscheidungsschlacht im Schweizer Bauernkrieg von 1653. Die aufständischen Bauern kapitulierten bei Wohlenschwil vor den Toren der Stadt und mussten im Mellinger Frieden harte Bedingungen akzeptieren. Nach dem zweiten Villmergerkrieg von 1712 kam Mellingen unter die Herrschaft der reformierten Orte Zürich, Bern und Glarus.

1798, nach der Ausrufung der Helvetischen Republik, musste Mellingen seine Sonderstellung aufgeben und wurde dem kurzlebigen Kanton Baden zugeteilt. Erst damals wurde der Trostburger Twing endgültig ein fester Bestandteil Mellingens. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau. Mellingen engagierte sich stark für den Bau der Nationalbahn zwischen Wettingen und Zofingen. 1877 konnte die Bahnlinie eröffnet werden, doch bereits ein Jahr später ging das Unternehmen bankrott. Um die Schulden zu begleichen, musste der gesamte Waldbestand der Bürgergemeinde an den Kanton verkauft werden.

Um 1900 verschwand wegen der Reblaus-Epidemie der seit dem Mittelalter blühende Weinbau vollends. Etwa um dieselbe Zeit siedelten sich erste Industriebetriebe an. In den 1960ern wurde neben dem Bahnhof das grösste Benzin- und Öltanklager der Schweiz gebaut. Im selben Jahrzehnt hatte das Städtchen seine grösste Wachstumsphase, als die Einwohnerzahl um mehr als zwei Drittel zunahm.

Sehenswürdigkeiten

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1600 ca. 400
1755 325
1803 586
1850 746
1900 899
1930 1538
1950 1634
1960 1941
1970 3211
1980 3285
1990 3827
2000 4239

Am 31. Dezember 2004 lebten 4286 Menschen in Mellingen, der Ausländeranteil betrug 29,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 46,3 % römisch-katholisch, 27,7% reformiert, 4,1 % christlich-orthodox und 7,8 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 83,0 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,9 % Italienisch, 2,6 % Albanisch, 2,1 % Serbokroatisch, 1,1 % Türkisch, 0,8 % Französisch, 0,7 % Portugiesisch.

Behörden

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Die 5 Gemeinderäte sind:

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Birmenstorf, Gebenstorf, Mägenwil, Turgi und Wohlenschwil zuständig ist.

Wirtschaft

Neben elf landwirtschaftlichen Betrieben zählt Mellingen mehr als 250 Unternehmen, die in den Bereichen Industrie und Dienstleistungen rund 1500 Arbeitsplätze anbieten. Viele Erwerbstätige sind jedoch Wegpendler und arbeiten unter anderem in der Stadt Baden und dem Limmattal westlich von Zürich.

Verkehr

Die Station Mellingen an der Bahnlinie Lenzburg - Wettingen (ehemalige Nationalbahn) liegt etwa zwei Kilometer nördlich des Städtchens. Diese Linie wurde am 12. Dezember 2004 geschlossen. Als Ersatz wurde am selben Tag der neue Bahnhof Mellingen-Heitersberg an der Haupteisenbahnlinie Lenzburg - Zürich eröffnet, wo seit dem Fahrplanwechsel stündlich Züge der Zürcher S-Bahn halten. Zusätzlich gibt es Postautolinien nach Baden, Brugg, Bremgarten, Dättwil, Mägenwil und Wohlen. Mellingen liegt ca. 5 km von der Autobahn A1 entfernt.

Bildung

Es gibt drei Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen alle Schulstufen der obligatorischen Volksschule untergebracht sind. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden AG und Wettingen.

Weblinks



Kategorie:Ort in der Schweiz Kategorie:Ort im Kanton Aargau Kategorie:Schweizer Gemeinde

See also: Mellingen AG, 1. September, 1045, 12. Dezember, 1230, 1253, 1273