Menschenopfer

Der Ausdruck Menschenopfer bezeichnet einen Brauch, der in zahlreichen alten Kulturen ausgeübt wurde. Die Opfer wurden rituell getötet mit der Absicht, der Gottheit gegenüber Bitte, Dank, Beschwichtigung o.ä. auszudrücken.

Gründe für Menschenopfer waren:

Menschen wurden in der Religion der Kelten der Bronzezeit in Europa geopfert; wie auch in den Bräuchen der skandinavischen Religion.

Da die meisten Informationen von außenstehenden Quellen stammen (Griechen und Römer über Kelten, bzw. Christen des Mittelalters über die Skandinavier) liegt die Vermutung polemischer Übertreibung nahe.

Inhaltsverzeichnis

Menschenopfer im Alten Testament

1. Bau- oder Fundamentopfer. Die Sitte, ein Fundamentopfer zu bringen, bestand darin, dass man glaubte, ein unbewohnter Platz sei im Besitz der Geister und das Opfer sollte sie befriedigen, oder der ehemals profane Ort wurde durch das Bauopfer zum sakralen Ort (Kultplatz).

2. Erstgeburtsopfer. Die menschliche Erstgeburt gehörte nach dem israelitischen Gesetz der Gottheit, aber das Gesetz bestimmte ihre Auslösung und belegte die Opferung mit der Todesstrafe (Lev 20,2 und Dtn 18,10). Vom Glauben abgekehrte Könige wie Ahas (2 Kön 16,3) und Manasse (2 Kön 21,6) folgten weiterhin den alten Kulten.

3. Außergewöhnliche Menschenopfer, z.B. bei einem Gelübde, großer Not oder als Sühneopfer.

Die Opferung im Kulte des Baal, Melkart (Karthago), Moloch, Melek oder Molek (Ammoniter) bezeichnet im Grunde genommen die selbe Gottheit, in anderen Völkern. Opferkulte sind weltweit Gegenstand der meisten vorchristlichen Religionen.

Menschenopfer im Altertum

Die alten Griechen praktizierten Menschenopfer; es gibt Hinweise auf Opferungen von Jungfrauen für Artemis. Nach römischen Quellen opferten die Phönizier und Karthager ihren Göttern Kinder. Die Römer praktizierten in den ersten Jahrhunderten verschiedene Formen des Menschenopfers; von den Etruskern (nach anderen Quellen den Sabellianern) wird die Form des Gladiatorenkampfes überliefert, wobei die Opfer in einem rituellen Kampf erschlagen wurden. Während der frühen Republik wurden Verbrecher, Meineidige oder Betrüger, feierlich "den Göttern überlassen" (so wörtlich die spätere Fluchformel "Anathema"), das heißt, als menschliche Opfer exekutiert. Kriegsgefangene und Vestalinnen wurden den Manen geopfert und für die Dii Inferi (die Götter der Unterwelt) bei lebendigem Leibe begraben. Archäologen haben Reste menschlicher Opfer in Fundamenten gefunden. (Normalerweise äscherten die Römer ihre Toten ein).

Jedoch änderten die Römer ihre religiöse Praxis im Lauf der Zeit. Nach Plinius wurden Menschenopfer durch einen Senatsbeschluss des Jahres 97 v. Chr. abgeschafft. Die meisten Rituale wurden in ein Tieropfer wie das Taurobolium umgewandelt oder lediglich nur mehr symbolisch vollzogen. Später hatte ein Römer die Möglichkeit, eine ihm ähnliche Statue an seiner Statt zu begraben, um den Göttern für einen Sieg zu danken. Cicero schildert ein Opfer von Götterstatuetten im Vestalinnenritual, das ursprünglich ein Opfer von alten Männern gewesen sein könnte. Als das römische Reich expandierte, beendeten die Römer die Menschenopfer und erklärten sie für barbarisch.

Menschenopfer der Kelten

Nach römischen Quellen war der Brauch des Menschenopfers unter den keltischen Druiden weit verbreitet. Caesar berichtet, dass die Gallier Körbe mit lebendigen Menschen füllten, um sie darin zu verbrennen. Die Druiden hatten die Opferung zu überwachen. Während des Aufstands gegen die römische Besetzung nagelte Boudicca römische Gefangene als Opfer für die Götter an Pfähle.

Verschiedene Götter verlangten verschiedene Opfer. So verlangte der Attiskult die Auswahl eines jungen Mannes, der für ein Jahr wie ein König verehrt und dann geopfert wurde, um eine gute Ernte zu gewährleisten. Die Opfer für Esus wurden erhängt, die für Taranis verbrannt, und die für Teutates ertränkt. Einige, wie der Lindow-Mann haben ihre Opferung freiwillig hingenommen. Die Kelten wählten vorzugsweise ein Moor als Ort der Opferung.

Menschenopfer der Wikinger

Nach der Germanischen Mythologie erhängte sich Odin an einem Ast des Weltenbaumes Yggdrasil, um göttliche Weisheit zu erlangen; er tauchte lebendig mit nur einem Verlust eines Auge auf. Nach mittelalterlichen christlichen Quellen opferten die Normannen Gefangene, indem sie sie an Bäumen erhängten, wobei die weitere Umstände unklar sind. Neben Odin opferte man Tyr Kriegsfeinde und Frigg unkriegerische Feinde, indem man sie in Sümpfe warf. Den anderen Göttern (z. B. Thor, Freya) wurden Tiere geopfert.

Normannische Krieger wurden manchmal mit Sklavinnen begraben in dem Glauben, dass diese in Walhalla ihre Frau werden würden.

Menschenopfer in China

Von den Chinesen des Altertums ist bekannt, dass sie jungen Männer und Frauen den Flussgottheiten opferten, doch in der Zeit der späten Zhou-Dynastie wurde dieser Brauch nicht mehr praktiziert. In der Shang-Dynastie (1766-1080 v. Chr., also vor der Zhou-Dynastie) mussten Dutzende Diener und Konkubinen den Königen ins Grab folgen.

Menschenopfer in Mittelamerika

Eine der bekanntesten Formen des Menschenopfers wurde während verschiedener präkolumbischer Kulturen Mittelamerikas praktiziert. Die Azteken entfalteten das Menschenopfer zu einem ungewöhnlich reich entwickeltem Ritual. Jährlich wurden 10.000 bis 20.000 Gefangene von den Azteken geopfert. Täglich wurde Huitzilopochtli ein Menschenopfer gebracht zur Unterstützung der Sonne bei ihrem Aufgang. Wenn man ihm, so der aztekische Glaube, kein Menschenblut opfert, wird die Welt vernichtet. Die Opferung von Huitzilopochtli soll folgend geschehen sein: Das nackte Opfer wurde von vier Priestern auf einen hohen Steinblock ausgestreckt. Ein fünfter Priester führte mit einem Steinmesser einen schnellen Längsschnitt über die Brust und durchtrennte Brustbein und Rippen. Das schlagende Herz wurde herausgerissen und der Sonne gegengehalten. Die Abbilder der Götter wurden anschließend mit dem Blut getränkt.

Die Weihe des großen Tempels bei Tenochtitlan soll von der Opferung Tausender Menschen begleitet gewesen sein.

Die Opfer für Xipe Totec wurden an einen Pfahl gefesselt und mit Pfeilen durchbohrt. Oft zog man ihnen danach die Haut ab, die anschließend 20 Tage vom Priester getragen wurde. Die Mutter Erde Teteoinann forderte die Haut geschundener weiblicher Opfer. Nach spanischen Quellen gehörte zur ursprünglichen Form des aztekischen Spieles ulama die schließliche Opferung der gesamten Verlierermannschaft.

Die Azteken führten so genannte Blumenkriege zum Zweck, Gefangene als Opfermaterial zu machen. Mehrfach wird berichtet, dass gefangengenommene Conquistadores während der spanischen Eroberungskriege in Mexiko geopfert wurden. Ein Kriegsgefangener, der Angehöriger eines mit den Azteken verwandten Stammes war, betrachtete seine Opferung meist als große Ehre. Die Azteken sahen einen geopferten Gefangenen nicht als Feind, sondern als einen Boten der zu den Göttern geschickt wird.

Die Azteken töteten die adligen Opfer zuweilen im rituellen Kampf: dem Opfer, das lediglich einen Lendenschurz trug und an den Boden gekettet war, gab man eine Waffe und einen Schild und es musste gegen einen gepanzerten Jaguarritter bis zum Tod kämpfen.

Die Mayas opferten nur vor Kriegen, zu Dürren und Hungersnöten Menschen.

In der alten Totonaken-Stätte El Tajin gab es ebenfalls Spiele, worauf der Führer des Verliererteams geköpft wurde.

Siehe auch: Opferkult der Azteken

Moderne Menschenopfer

Noch heute gibt es eine verborgene Praxis von Menschenopferungen in einigen traditionellen Religionen, z.B. bei den muti-Tötungen in Ostafrika. Menschenopfer werden in keinem Land mehr offiziell toleriert; sie werden vielmehr als Mord geahndet.

Einige Inder sind Anhänger des (vom tantrischen Buddhismus zu unterscheidenden) Tantrismus; eine geringe Zahl von ihnen praktiziert noch das reale Menschenopfer. Meist werden aber entweder Tieropfer oder symbolische Opfer in effigie gebracht.

In den westlichen Kulturen gibt es keine religiösen Menschenopfer mehr, von den Mordtaten von Serienmördern abgesehen, oder in unwesentlichen Ausmaß, schenkt man Gerüchten von satanistischen rituellen Missbrauch Glauben. Heutige Okkultisten halten sie nicht als erforderlich oder praktizieren sie allenfalls in symbolischer Gestalt, in der das "Opfer" nicht real getötet wird.

Das Christentum hält daran fest, dass die Kreuzigung von Jesus Christus das letzte Menschenopfer, überhaupt das letzte kultische Opfer war, das zu bringen war.

Bekannte Menschenopfer

Literatur

Siehe auch: Frühjahrskönig

See also: Menschenopfer, 97 v. Chr., Altertum, Anathema, Artemis (Mythologie), Azteken, Baal (Gott), Blumenkrieg, Boudicca, Brauch