Messias (Christentum)
Der Messias (transliteriert v. hebr.: moschiach = Gesalbter) war nach christlichem Verständnis in der Person des Jesus von Nazaret gekommen und wird dereinst zum zweiten Mal wiederkommen.
Zu weiteren Wort-Bedeutungen, siehe den Artikel Messias.
Das frühe Christentum sah die Erwartung der Ankunft des Messias in Jesus Christus, seinem Wirken, seinem Tod und seiner leiblichen Auferstehung und Erhöhung zum Sitzen zur rechten Seite Gottes erfüllt. Die ersten Christen rechneten daher in naher Zukunft mit der zweiten Ankunft, der Wiederkehr (griech. Parusie) des Messias Jesus, dem Weltende und dem Weltgericht. Diese Hoffnung drückte sich in der einzigen Phrophetie des Neuen Testaments, der apokalyptischen Offenbarung des Johannes aus (vgl. Matth. 24). Da die Parusie sich bis heute unerfüllt immer weiter verzögerte, wurde das noch andauernde Leid, d. h. u. a. das Ausbleiben des Weltfriedens mit dem Kreuz Christi in Beziehung gesetzt (Nachfolge-Spiritualität).
Das Christentum sieht sich als die Fortsetzung oder Erfüllung des jüdischen Schicksals, d.h. als besserer Ersetzung der antiken jüdischen religiösen Tradition und beruft sich dabei auf die Überlieferung des Neuen Testaments der christlichen Bibel sowie auf die frühkirchliche Tradition (=> Erstes Konzil von Nicäa). Es bleibt für Christen der zweite Teil, die zweite Widerankunft des Messias, die letzte Erfüllung der messianischen Hoffnung noch zukünftig, da allen Völkern der Erde vorher an Jesus Christus glauben müssten. Die einzige prophetische Quelle des Neuen Testaments, die Offenbarung des Johannes, wird denn auch von christlichen Vereinigungen und Sekten, denen die Apokalypse bedeutend ist, zentral gestellt.
Das christliche Verständnis des Begriffs Messias, dass erst im ersten bis vierten Jahrhundert nach Christus richtig "erkannt" und formuliert wurde, bezieht sich auf die folgenden Teile des Neuen Testaments:
- Jesus Christus sei die Erfüllung vieler Prophezeiungen, bzw. gedeuteter Texte des Alten Testaments (d.h. der Übersetzungen der hebräischen Bibel)
- Jesus Christus kam, um das Himmelreich Gottes zu gründen, welches kein irdisches Königreich sein sollte
- Die Aussage Jesu Christi gegenüber einer Samariterin in Joh. 4, 25-26:
- Jesus Christus hat auf direkte Fragen, ob er der erwartete Messias sei, indirekt geantwortet und auf seine vollzogenen Wunder verwiesen
- Jesus Christus wird durch die Textstelle, in der berichtet wird, wie er die demonstrative Waschung der Füße seiner Jünger vornimmt, als dienender König dargestellt.
Das christliche Verständnis des Messias unterscheidet sich wesentlich von dem des Judentums. Moschiach wird in den heiligen Schriften des Judentums richtig und wörtlich mit Gesalbter übersetzt, nie mit Messias, da es sich auf die Salbung einer Person oder eines Objektes mit Öl bezieht (1. Samuel 10, 1-2). Im Judentum ist der "Messias" (sic!), der Gesalbte, ein menschliches Wesen, das nicht angebetet werden wird, kein Gott oder ein Teil desselben. Er ist bisher nicht erschienen und es wird erwartet, daß er spezifische Kriterien erfüllen werden muß, um als solcher anerkannt werden zu werden, daß er in der Welt bestimmte Veränderungen verursachen werden wird. Die heiligen jüdischen Schriften geben keinerlei Hinweise auf ein zu erwartendes zweifaches Kommen eines Messias.
Weiteres, genaueres, siehe im Artikel Moschiach.
Literatur
- Roger Liebi: Der verheißene Erlöser. Messianische Prophetie - ihre Erfüllung und historische Echtheit, Berneck (CH), 1983 (PDF online)
Siehe auch
- Maschiach, Christus, Agnus Dei,
- Jesus, Jesus von Nazaret, Jehoschua, Josua, Jesus Ben Joseph,
- , Messianisches Judentum, Messianismus, Messianische Bewegungen
