Metoprolol
right|200 px|Strukturformel von Metoprolol Metoprolol (1-Isopropylamino-3-[4-(2-methoxyethyl)phenoxy]-2-propanol) ist ein selektiver Beta-1-Adrenozeptorenblocker (Betablocker) ohne intrinsische Aktivität und mit nur gering ausgeprägten membranstabilisierenden Eigenschaften. Metoprolol findet in der Therapie des Bluthochdrucks, der koronaren Herzkrankheit, bei Herzrhythmusstörungen, zur Akutbehandlung des Herzinfarktes und zur Migräneprophylaxe Anwendung.
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Chemische Eigenschaften und Synthese
Pharmakologische Eigenschaften
Metoprolol wird im Magen-Darm-Trakt fast vollständig (zu ca. 95%) aufgenommen und hauptsächlich in der Leber verstoffwechselt. Durch den hohen First-pass-Effekt sind ca. 50% der ursprünglichen Dosis systemisch verfügbar. Die maximalen Plasmaspiegel werden nach 1,5-2 Stunden erreicht. Die Plasmaproteinbindung liegt bei 12% und das relative Verteilungsvolumen bei 5,6 l/kg. Metoprolol und seine Metabolite werden zu ca. 95% renal eliminiert. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 3-5 Stunden.
Anwendungsgebiete
Metoprolol kann in der Therapie des akuten Herzinfarktes und bei chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Bei den chronischen Störungen ist meistens eine Langzeitanwendung erforderlich. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Formen des Bluthochdrucks (arterielle Hypertonie), die koronare Herzkrankheit und Herzrhythmusstörungen. Darüberhinaus soll bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, durch die prophylaktische Anwendung von Metoprolol ein erneuter Herzinfarkt verhindert werden (Reinfarktprophylaxe). Darüber hinaus wird Metoprolol bei Migränepatienten zur Anfallsprophylaxe eingesetzt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.
Handelsmarken und Darreichungsformen
Der Wirkstoff Metoprolol wird von mehreren Herstellern unter verschiedenen Handelsnamen in Tablettenform mit Wirkstoffmengen von 50 oder 100 mg pro Tablette oder als länger wirksame Zubereitung (Retardkapseln) mit 23,75 bis 200 mg angeboten. Auch ein Präparat zur intravenösen Anwendung mit 5 mg Metoprolol pro 5 ml Injektionslösung ist verfügbar. Das Arzneimittelverzeichnis Rote Liste zeigt in seiner Datenbank im Juli 2004 ein Angebot von über 50 Präparaten auf, die entweder den Wirkstoff Metoprolol allein oder eine Kombination von Metoprolol mit anderen Wirkstoffen enthalten.
Wirkungsweise
Metoprolol blockiert ß-Rezeptoren und zwar vor allem ß1-Adrenozeptoren, die sich hauptsächlich im Erregungsbildungs- und Erregungsleitungsgewebe des Herzens (Sinusknoten, Vorhöfe, AV-Knoten, Kammermuskulatur) sowie in den Herzkranzgefäßen befinden. Dadurch senkt Metoprolol die Erregungsleitungsgeschwindigkeit, die Schlagfrequenz und die Kontraktionskraft des Herzens. ß2-Rezeptoren sind nicht im Herzgewebe, sondern im Bronchialsystem, den Muskelgefäßen und anderen Organen wie Harnblase, Leber und Muskulatur lokalisiert und werden von Metoprolol nur wenig oder erst bei höherer Dosis blockiert. Daraus ergibt sich, dass Metoprolol eher bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen (z.B. mit Asthma bronchiale) oder mit peripheren Durchblutungsstörungen eingesetzt werden kann, als ß-Blocker, die unselektiv sowohl ß1- als auch ß2-Rezeptoren blockieren. Aus der Verteilung der Rezeptoren lässt sich teilweise auch das Nebenwirkungsspektrum erklären. Metoprolol stimuliert die ß-Rezeptorn nicht (keine intrinsiche Aktivität) und hat nur schwach ausgeprägt membranstabilisierende Eigenschaften.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Neben gelegentlichen Überempfindlichkeitsreaktionen können durch die Blutdrucksenkung bedingte Nebenwirkungen wie Ohrensausen und Schwindel beobachtet werden. Seltener treten zentralnervöse Veränderungen (Müdigkeit, Halluzinationen), Bronchospasmen, Potenz- und Harnentleerungsstörungen auf. Die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt kann durch Metoprolol beeinträchtigt werden. Besonders bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung oder bei zusätzlichem Alkoholkonsum ist mit einer Veränderung des Reaktionsvermögens zu rechnen. Bei disponierten Personen kann die Empfindlichkeit gegen Allergene und die Schwere anaphylaktischer (allergischer) Reaktionen unter Betarezeptorenblockade gesteigert sein. MAO-Hemmer verhindern den Abbau von Metoprolol im Organismus und führen somit zu dessen Anreicherung. Darüber hinaus verstärkt Metoprolol die Wirkung blutzuckersenkender Medikamente wie Insulin und Sulfonylharnstoffe. Bei Anwendung von blutzuckersenkenden Substanzen kann Metoprolol die Warnzeichen einer Hypoglykämie, insbesondere Tremor und Tachykardie verschleiern. Metoprolol verstärkt des weiteren die Effekte anderer blutdrucksenkender Medikamente (Hinweis auf die schweren Blutdruckabfälle bei Anwendung von ß-Blockern zusammen mit Calciumantagonisten vom Verapamil- und Diltiazem-Typ). Auch wirkungsverstärkende Effekte mit anderen herzrhythmusbeeinflussenden Medikamenten sind bekannt. Betablocker können in einzelnen Fällen eine Psoriasis aktivieren. Bei disponierten Personen können unter Betablockertherapie Reaktionen auf Allergene schwerer verlaufen bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen (Anaphylaktischer Schock).
Gegenanzeigen
Metoprolol darf u.a. nicht bei schwerer Herzinsuffizienz (NYHA III und IV), AV-Block 2. oder 3. Grades, Bradykardie (Ruhepuls kleiner 50 Schläge pro Minute vor Behandlungsbeginn), Hypotonie (Blutdruck systolisch kleiner 90 mmHg) und bronchialer Hyperreagibilität (z.B. in Zusammenhang mit Asthma bronchiale) angewendet werden. Bei Patienten mit peripheren Durchblutungsstörungen ist eine Verstärkung der Beschwerden möglich.
Anwendung während der Schwangerschaft
Überdosierung
Das Ausmaß der Vergiftungserscheinungen ist von der zugeführten Substanzmenge abhängig und äußert sich in Form von schweren Blutdruckabfällen, sehr niedriger Herzfrequenz bis zum Herzstillstand mit entsprechenden Funktionsausfällen der Organe. Eine Überdosierung erfordert eine intensivmedizinische Behandlung und Überwachung.
Weitere Informationen
Nach längerer Anwendung darf die Metoprololeinnahme nicht abrupt unterbrochen oder das Medikament ganz abgesetzt werden. Die Dosis muss langsam immer weiter reduziert werden (Behandlung ausschleichen), um überschießende Kreislaufreaktionen zu vermeiden.
Metoprolol ist verschreibungspflichtig.
Literatur
Weblinks
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