Michail Borissowitsch Chodorkowski
Michail Borissowitsch Chodorkowski (russisch Михаил Борисович Ходорковский, wiss. Transliteration Michail Borisovič Chodorkovskij; * 26. Juni 1963 in Moskau) ist der ehemalige Chef des russischen Ölkonzerns Jukos. Er gilt mit einem geschätzten Privatvermögen von 2,2 Milliarden US-Dollar (Stand: 2005) als einer der reichsten Männer Russlands.
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Leben
Chodorkowski wurde am 25. Oktober 2003 überraschend in Nowosibirsk verhaftet und in die Moskauer Lubjanka überstellt. Bald darauf trat er von seiner Position zurück. Als Grund für die Verhaftung wird Korruption angegeben; es ist aber nicht auszuschließen, dass es sich um eine politisch motivierte Verhaftung handelt, da Chodorkowski die russische Opposition massiv finanziell unterstützt hat, namentlich die Partei Jabloko und die Union rechter Kräfte. Zudem spekulierte die Presse bereits über eine Kandidatur Chodorkowskis für die Präsidentschaft.
Ferner führte er Verkaufsverhandlungen mit der amerikanischen Ölfirma Exxon. Diese scheiterten aber, wohl weil Chodorkowski nicht, wie von Exxon erwartet, die Mehrheit seiner Anteile verkaufen wollte. Kurz danach wurde er verhaftet. In der Presse wurde spekuliert, dass er mit dem Verkauf eines Teils seiner Anteile an eine ausländische Firma Jukos der Kontrolle der Regierung unter Wladimir Putin entzogen hätte und dass dies der Grund seiner Verhaftung gewesen sei. In dem folgenden Prozess, dessen Urteilsbegründung am 16. Mai 2005 begann, sind Chodorkowskis Partner Platon Lebedew und Andrei Krainow mitangeklagt. Die Moskauer Richter sprachen Chodorkowski am 16. Mai 2005 des Betrugs, der Steuerhinterziehung und der Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig. Er wurde in neun Anklagepunkten zu insgesamt neun Jahren Haft verurteilt. Auch sein Geschäftspartner Platon Lebedjew hat neun Jahre erhalten. Die beiden Geschäftsleute müssen zudem 17 Milliarden Rubel (umgerechnet 483 Millionen Euro) Steuern und Strafen zahlen. Der dritte Angeklagte, Andrej Krainow, wurde zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt.
Doch Putin hätte mit der Verurteilung Chodorkowskis keine größere Kontrolle über Jukos erreichen können. Denn der Menatep-Gesellschaftervertrag verlangte die Abgabe von Chodorkowskis Rechten im Falle seines Todes, einer Entführung, Haftstrafe oder beim Verlust eines wichtigen Jukos-Teilbetriebs an die anderen Eigner. Der nächstgrößte Anteilsinhaber und Hauptaktionär war aber Leonid Newslin, der in Russland steckbrieflich gesucht wurde und sich deshalb nach Israel abgesetzt hatte.
Deshalb verhinderte allein die im Ausland stark kritisierte Zerschlagung des Konzerns durch die Versteigerung seines Hauptteils die Übergabe von Jukos an einen im Ausland ansässigen Haupteigner. Dieser erhielt zwar nach der Versteigerung die Anteile, doch diese waren nicht mehr viel wert.
Berichterstattung zum Fall Chodorkowski
In der westlichen Berichterstattung zum Fall Chodorkowski werden häufig die Verfahrensmängel und die politische Einflussnahme hervorgehoben. Chodorkowski erscheint als unschuldiges Opfer einer neu erstarkenden Staatswirtschaft. Dabei wird auf die Hintergründe, die zur Anhäufung eines Vermögens von über 15 Milliarden Euro durch Chodorkowski innerhalb weniger Jahre führten, nur selten eingegangen.
So wusste Chodorkowski sein Amt als stellvertretender Öl- und Energieminister unter Boris Jelzin, das er von 1990 bis 1993 bekleidete, durchaus für seine persönlichen Zwecke zu nutzen. Er verschaffte der von ihm mitgegründeten Bank MENATEP den Auftrag, Regierungsgelder für verschiedene Investitionsprogramme zu verwalten, unter anderem für den Wiederaufbau Tschetscheniens. Alleine aus diesen Quellen verschwanden umgerechnet 4,4 Milliarden Dollar. Auch der Erwerb von Jukos über dieselbe Bank MENATEP stand unter fragwürdigen Vorzeichen. So wurde die Versteigerung der Jukos-Anteile von MENATEP durchgeführt, die gleichzeitig die einzige Bieterin war. Ein zweites interessiertes Konsortium wurde aus Formgründen nicht für den Bieterwettbewerb zugelassen. So gelang die Ersteigerung zu einem Preis von nur 159 Millionen Dollar, obwohl bereit damals bekannt war, über welche riesigen Ölvorkommen der Konzern verfügte. Wenige Monate später war der Wert des Unternehmens bereits auf mehrere Milliarden Dollar angewachsen.
Biografie
- 1988 – Abschluss in Volkswirtschaft am Moskauer Plechanow-Institut
- Chodorkowski wollte eigentlich in die Rüstungsindustrie eintreten, aber wegen seiner jüdischen Herkunft konnte er sich diesen Wunsch nicht erfüllen. Er wird stattdessen Funktionär in der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol. Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow erlaubte dieser Organisation als erste kapitalistische Experimente.
- 1988 – (Mit-)Gründung und Übernahme der Leitung einer der ersten Privatbanken Russlands, der MENATEP-Bank
- 1992 – Mitglied im Beraterstab des russischen Premierministers
- 1993 – Mitfinanzierung und Organisation des Wahlkampfes für Präsident Boris Jelzin
- 1995 – Chodorkowski verlässt den Vorsitz der Bank und tritt an die Spitze der Investment-Firma ROSPROM
- (1995 – Der russische Staat trennt sich in einer fragwürdigen Privatisierungsaktion von seinen Anteilen an Jukos, die MENATEP-Bank erwirbt dabei die Mehrheit der Anteile)
- 1997 – Chodorkowski wird Vorstandsvorsitzender von Jukos
- August 1998 – Russische Finanzkrise, die MENATEP-Bank meldet Insolvenz an und Jukos-Aktien stürzen radikal ab, wodurch westliche Investoren und Kreditgeber ihr Geld verlieren
- 2002 – Chodorkowski, der die Krise von 1998 überstanden hat, sorgt für größere Transparenz bei Jukos und legt die Anteilseigner offen. Er führt westliche Standards bei der Buchführung ein und erklärt „Ehrlichkeit, Offenheit und Verantwortung“ zum Leitmotiv. Durch diese Reformen reduziert er die Produktionskosten um zwei Drittel und erreicht damit eine niedrigere Kosten-pro-Barrel-Quote als alle anderen russischen Ölfirmen. Bald darauf gilt er als reichster Mann Russlands, und sein Vermögen wird zeitweise sogar auf bis zu acht Milliarden Dollar geschätzt.
- Juli 2003 – Verhaftung des MENATEP-Chefs Lebedew und Durchsuchung der Büros in der Jukos-Zentrale
- Oktober 2003 – Festnahme wegen Steuerhinterziehung und Betrugs
- 16. Mai 2005 - Verurteilung in neun Anklagepunkten zu insgesamt neun Jahren Haftstrafe
Siehe auch
Chodorkowski, Michail Borissowitsch Chodorkowski, Michail Borissowitsch Chodorkowski, Michail
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chodorkowski, Michail Borissowitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Chodorkovskij, Michail Borisovič |
| KURZBESCHREIBUNG | Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 26. Juni 1963 |
| GEBURTSORT | Moskau |
| STERBEDATUM | |
| STERBEORT | |
