Miskitoküste

Miskitoküste (nach den Misquito Indios genannt, deutsch auch Miskito-Indianer, spanisch jedoch: Costa de los Mosquitos = Moskitoküste) bezeichnet die Karibikküste Nicaraguas während der Kolonialzeit, in der weite Bereiche von Großbritannien beherrscht wurden.

Obwohl der Name im Zusammenhang mit der ganzen Ostküste Nicaraguas verwendet wurde - sogar zeitweilig für Mosquitia in Honduras - reichte sie nur im Westen bis zum Río Negro oder Río Tinto. Die Miskitoküste bestand nur aus einem schmalen Streifen entlang der Karibikküste von 11° 45’ bis 14° 10’ N. Sie erstreckte sich auf einer durchschnittlichen Breite von ca. 70 km und ca. 360 km Länge von Nord nach Süd. Sie wird im Norden begrenzt vom Río Wawa, im Westen vom Ostrand des nicaraguanischen Hochlands, im Süden vom Río Rama.

Die Miskitoküste ist nach der Mehrheit ihrer Einwohner, den Miskito-Indígena, benannt. Neben den Miskitos leben auch die kleinen Stämme der Sumos und Rama an der Miskitoküste. Sie sind von kleiner Statur und haben eine dunklere, ins rotbraune gehende Haut. Wegen ihrer Hautfarbe wurde angenommen, sie seien Nachfahren von bei Schiffshavarien geflüchteten schwarzen Sklaven und Indígenas. Sie sprechen eine Chibcha-Sprache und bewegen sich in ihren Booten auf den Flüssen des Regenwaldes entlang der ausgedehnte Karibikküste auch jenseits der Grenze nach Honduras.

Die Piratensiedlung und spätere Hafenstadt an der Karibikküste wurde 1601 nach dem holländischen Freibeuter Bleeveldt Bluefields genannt. Als größte Siedlung entlang der Miskito-Küste mit einem guten Hafen diente sie als Hauptstadt.

1604 fielen spanische Konquistadoren in den Norden und Osten Nicaraguas ein, in die Gebiete der Xicaque und der Vorfahren der Miskito-Indianer. Die ersten englischen Siedler ließen sich 1630 an der Miskitoküste nieder, als Agenten der englisch geleiteten Providence Company - bei der der Earl of Warwick Vorsitzender und John Pym Schatzmeister war - 2 kleine Sandbänke besetzten und freundliche Beziehungen zu den Indígenas pflegten.

Zwischen 1655 und 1850 beanspruchte Großbritannien ein Protektorat über die in „Mosquitia“ verbalhornte Miskitoküste für sich. Der britische Gouverneur von Jamaika krönte 1687 den ersten Miskito-König. Die Briten übten jedoch keine zentrale staatliche Gewalt aus. Die Dorfgemeinschaften der Miskito blieben selbständig, wurden von den Briten nicht deportiert und zeitweilig wurden andere Indígena-Gruppen zwischen Yucatán und Panamá den Miskito tributpflichtig. Ab 1740 wehte die britische Flagge über Bluefields.

Die Mährische Kirche („Herrnhuter Brüdergemeine“) begann 1847 ihre Missionsarbeit in Bluefields. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte die pietistische Brüdergemeinde aus dem böhmischen Herrnhuth fast alle Indígenas und afro-amerikanischen Creoles an der Karibikküste christianisiert.

Neben dem spanischen Vizekönigreich, dessen Ansprüche später die Zentralamerikanischen Republiken übernahmen, erhoben auch die USA Anspruch auf die Küste. Ihre Forderungen beruhten nicht zuletzt auf der Furcht vor einer bevorzugten Position, die Großbritannien in Bezug auf den geplanten, interozeanischen Nicaragua-Kanal hätte einnehmen können. 1848 erweckte die Inbesitznahme von Greytown, des heutige San Juan del Norte, durch Miskito-Indígenas mit britischer Hilfe das Risiko eines Krieges.

Im Clayton-Bulwer-Vertrag von 1850 verpflichteten sich beide Mächte, keinen Teil Zentralamerikas zu kolonisieren oder zu besetzen und räumten sich gegenseitig das ausschließliche Recht zum Bau des Nicaragua-Kanals ein. 1859 trat Großbritannien sein Protektorat an Honduras ab.

Dies rief unter den Indígenas große Unzufriedenheit hervor. Erst am 28. Januar 1860 unterstellten Nicaragua und Großbritannien die Miskitoküste vom Kap Gracias a Dios bis Greytown im Vertrag von Managua formell der Souveränität Nicaraguas und sicherten den Miskito innere Autonomie zu. Der Kazike akzeptierte den Wechsel der Verhältnisse, die seine Autorität auf örtliche Angelegenheiten beschränkte gegen eine jährliche Apanage von £ 1.000 bis 1870. Doch sein Nachfolger weigerte sich 1864 anlässlich des Todes, dies anzuerkennen.

Die Selbstbestimmung der Miskito innerhalb der nicaraguanischen Republik wurde 1881 in einem Schiedsspruch durch den König Franz Joseph I. erneut bekräftigt. Handel und Ausbeutung der Bodenschätze sollten der Miskitoregierung unterstehen. Nordamerikanische Firmen begannen 1882 an der Miskitoküste ausgedehnte Bananenplantagen anzulegen. Bis zur Jahrhundertwende gelang es ihnen, die Kontrolle über beinahe den gesamten Handel des Gebiets zu erlangen.

Aber nach 14 Jahren vollständiger Autonomie wurde diese durch ihren damaligen Präsidenten, General José Santos Zelaya, wieder aufgehoben. Mit dem „Dekret der Wiedereingliederung“ der Miskitoküste ließ er 1894 die Miskitoküste durch den General Cabezas militärisch besetzen. Aus der Miskito-Küste wurde das nicaraguanische Departamento Zelaya. Inzwischen wurde die Autonomie wieder hergestellt. An der ehemaligen Miskitoküste existieren heute die Autonomiegebiete Átlantico Norte und Átlantico Sur.

Literatur

"Der Streit um die Mosquito-Küste" von J. Richter, in "Zeitschrift für Gesellschaft die Erdkunde", Nr. 30 (Berlin, 1895).

Siehe auch:

See also: Miskitoküste, 1601, 1604, 1630, 1687, 1740, 1847, 1848, 1859, 1860