Mission (Christentum)
Die Mission ist seit der Wiederentdeckung als Wesensmerkmal des Christentums im 19. Jahrhundert in Innere und Äußere Mission unterteilt; erstere missioniert lokal, letztere in anderen Ländern.
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Grundlage der christlichen Mission
Die Begründung christlicher Mission leitet sich her vom vierfältigen Missionsauftrag des auferstandenen Jesus Christus (jeweils Neue Genfer Übersetzung):
- Der Missionsauftrag nach Matthäus 28 (auch Missionsbefehl genannt) lautet: Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.(Matthäus 28, 18-20)
- In Markus 16 heißt es: Geht in die ganze Welt und verkündet der ganzen Schöpfung das Evangelium! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. (Markus 16,15f)
- In den lukanischen Schriften finden wir den Missionsauftrag Jesu in Apostelgeschichte 1:Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen zu sein - in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und überall sonst auf der Welt, selbst in den entferntesten Gegenden der Erde. (Apostelgeschichte 1,8f)
- Nach Johannes lautet der Missionsbefehl des Auferstandenen: Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich jetzt euch! (Johannes 20,21)
Aus diesen vier Missionsaufträgen ergeben sich folgende Leitlinien christlicher Missionsarbeit: Alle Nationen der Erde haben ein Anrecht auf das Evangelium. Es muss ihnen deshalb in der Verkündigung angeboten werden (Matthäus). Die Annahme dieses Angebots kann nur persönlich geschehen. Wer der Predigt des Evangeliums glaubt, darf getauft und damit zum Jünger beziehungsweise zum Christen werden (Markus). Die Predigt des Evangeliums ist nicht in erster Linie Dogmatik und religiöse Lehre, sondern Zeugnis; mit anderen Worten: persönliche Erfahrungen mit dem auferstandenen Jesus Christus werden einladend weiter gegeben (Lukas). Beispiel und Vorbild christlicher Mission ist immer Jesus Christus selbst. Christliche Missionare werden ausgesandt wie Christus von Gott, dem Vater, ausgesandt worden ist (Johannes).
Christianisierung versus Evangelisation
Während in der frühen Christenheit innerhalb der genannten Leitlinien - als Märtyrer oft unter Einsatz des Lebens - evangelisiert wurde, entwickelte sich die christliche Mission nach der sogenannten Konstantinischen Wende zur staatlich verordneten und schließlich gewaltsam durchgeführten Christianisierung ganzer Völker. Bis in die Neuzeit wurde christliche Missionierung konterkariert durch die von den recht unchristlichen Eroberern bewirkte kulturelle Entwurzelung, wirtschaftliche Ausplünderung und militärische Unterwerfung. Erst im Zuge der Aufklärung und der religiösen Gegenbewegung des Pietismus wurden die Leitlinien neutestamentlicher Mission wieder entdeckt. Neben den staatskirchlichen Missionen entstanden freie - von einzelnen Christen getragene - Missionswerke, die ihre unabhängigen Missionare nach Afrika, Asien, Südamerika, aber auch nach Europa entsandten, um unabhängig von politischen Vorgaben das Evangelium zu verkündigen. Vorreiter dieser Evangelisationsarbeit sind Zinzendorf (Herrnhuter Brüdergemeine) und William Carey (Baptistenkirche).
Gegenwärtige Situation
Besondere Kennzeichen der gegenwärtigen christlichen Mission sind unter anderem die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den "alten" Kirchen des christlichen Abendlandes und den "jungen" Kirchen der traditionellen Missionsgebiete. Die Missionsgesellschaften der verschiedenen christlichen Kirchen verstehen ihre Arbeit in erster Linie als praktische Entwicklungshilfe; die Verkündigung des Evangeliums sehen sie eher als Auftrag der Christen vor Ort.
Inzwischen wächst auch in allen Kirchen die Einsicht, dass das sogenannte christliche Abendland Missionsgebiet ist. Dafür steht zum Beispiel die Tatsache, dass zur Zeit über 500 Missionare aus Afrika, Asien und Südamerika in Deutschland tätig sind.
Im ökumenischen Dialog im Rahmen der Weltmissionskonferenz hat sich der Missionsbegriff zur Missio Dei gewandelt, d.h. Gott selbst handelt in seiner Schöpfung, und die Christen beteiligen sich "nur" daran. Ganz in diesem Sinne ging es auf der Weltmissionskonferenz 2005 in Athen um die Frage, wie christliche Gemeinschaften, Kirchengemeinden vor Ort und ganz Kirchen, sich an der Heilung und Versöhnung beteiligen können, welche die Menschen und Gesellschaften um sie herum dringend benötigen. Beispiele dafür sind Heilungsgottesdienste oder die Wahrheits- und Versöhnungskommission (engl. Truth and Reconciliation Commission) in Südafrika.
Missionarisches Wirken in einer Zeit der Veränderung
Sowohl die Katholische als auch die Evangelische Kirche in Deutschland sehen sich in jüngster Zeit gesellschaftlichen - vor allem demographischen und steuerpolitischen - Veränderungen ausgesetzt, die zu einer Abnahme der Mitgliederzahlen und zu sinkenden Einnahmen führen. Bereits 1999 hat eine Synode der EKD in Leipzig Mission als künftige Kernaufgabe der Kirche benannt. Gerade in den sog. mittel- und ostdeutschen Ländern wiegt die ideologisch bedingte Entfremdung und Entfernung von der Kirche und dem christlichen Glauben schwer. Missionarisches Wirken kommt hier die Aufgabe zu, auf Menschen zuzugehen und mit ihnen über ihr Leben und über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Dies kann in einer Gesellschaft der Post-Moderne lediglich als "ein Angebot unter vielen" und unter Verzicht auf alle Mittel der Überzeugung und des Drucks geschehen.
Siehe auch
- Sachsenmission
- Missionierende Religion
- Missionar
- Jesuitische Mission
- Zeltmission, Evangelisation, Aufruf zur Entscheidung, Ruf zum Glauben
- Missionsgesellschaft, Missionskonferenz, Weltmissionskonferenz
- Zwangstaufe, Portal Bibel
Weblinks
- Geschichte der christlichen Mission
- Aktuelle Literatur zur christlichen Mission
- Kleine Zitate über die Rheinische Mission
- Missionsfeld Internet
- Internetseite der Weltmissionskonferenz 2005
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