Mistral (Wind)
Der Mistral ist ein starker bis sehr starker Wind, der aus nord- bis nordwestlicher Richtung über Frankreich in den Mittelmeerraum weht. Typisch ist ein wolkenloser dunkelblauer Himmel, gute Fernsicht, nachts ein beeindruckender Sternhimmel, und ein unter Umständen erheblicher Abfall der Temperatur. Er kann tagelang wehen und tritt so häufig auf, dass die Bäume im Rhonetal oft in Windrichtung nach Süden hin gebogen sind.
Er entsteht durch in den Mittelmeerraum einströmende Polarluft. Die Alpen, Cevennen und Pyrenäen bilden eine Blockade, so dass zwischen diesen Gebirgen die kalte Polarluft ins Rhônetal und dann in den Golfe du Lion geleitet wird. Durch diese Kanalisierung entstehen dort hohe Windgeschwindigkeiten zwischen 12 und 25 Knoten.
Die typische Mistralwetterlage wird geprägt von hohem Luftdruck über der Biscaya und einem Tiefdruckgebiet über Italien. Diese Lage stellt sich häufig in Verbindung mit Kaltlufteinbrüchen aus Norden ein, deren Hauptstoßrichtung über Großbritannien bis in den nordwestlichen Mittelmeerraum verläuft. Dort trifft die Kaltluft auf wärmere Mittelmeerluft. Dies bietet günstige Voraussetzungen für die Entstehung eines Tiefdruckwirbels nicht weit weg von Genua.
Andere Quellen bezeichnen den Mistral als einen Fallwind aus den Bergen des Zentralmassivs, der trotz trockenadiabatischer Erwärmung als kalt empfunden wird, da er in die wärmere Mittelmeerluft strömt.
Die Definition von Mistral bei den Provencalen ist uneinheitlich. Für die einen ist Mistral ein nur im Rhonetal wehender N-NW-Wind. Demnach kann es weiter östlich, z.B. an der Côte d’Azur, eigentlich keinen Mistral geben. Die anderen reden aber bei (kalten) N-Winden an der Côte d'Azur auch von Mistral.
Den sehr starken Mistral nennt man auch Aurassos und einen sehr kalten Mistral Cisampo. Am Unterlauf des Ebro wird der Mistral Cierzo genannt.
Siehe auch: Winde und Windsysteme, Mistral (Begriffsklärung)
