Mitarbeiterbefragung
Befragungen sind ein effektives Instrument zur Beschaffung von Steuerungsdaten in allen Bereichen des Managements. Die Auswertung des in einer Erhebung ermittelten Fremdbilds von Kunden, Lieferanten, Mitbewerbern oder Mitarbeitern ermöglicht die Verbesserung oder Korrektur der marktgerechten Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit, der Produktpalette sowie des strategischen Ressourceneinsatzes - auch im Bereich der "human resources".
Die detaillierte Kenntnis von Kundenmeinungen und aktuellen Stimmungsbildern von Geschäftspartnern stellt einen unschätzbaren Wert sowie einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dar. Die besondere Sensibilität dieses Instrumentes bedingt eine professionelle Konzeption und Durchführung: Selbst einmalige, kleine Fehler können zu einem erheblichem Akzeptanz- und Vertrauensverlust auf Seiten der Befragten führen. Ein Vertrauensverlust bedeutet im allgemeinen, dass die erhobenen Daten kaum mehr nutzbar sind und das Instrument der Befragung durch das "kollektive Gedächtnis" der Belegschaft auf lange Zeit disqualifiziert wurde.
Eine Mitarbeiterbefragung ist die vornehmliche Art, qualitative Daten von den Mitarbeitern eines Unternehmens zu erheben. Es handelt es sich um ein sensibles personalwirtschaftliches Instrument, welches zu unterschiedlichen Zielsetzungen eingesetzt werden kann. Typischerweise ist ein Personalcontroller in ein solches Projekt eingebunden, wenn nicht sogar als Projektleiter tätig. Den Projektablauf einer Mitarbeiterbefragung kann man grob in 9 Phasen einteilen:
- Phase 1 - Zielsetzung und Projektorganisation (Kick-off): Zielsetzung, Zielgruppenbestimmung, Projektorganisation Definition von Abstimmungs- und Berichtswegen
- Phase 2 - Konzeption: Umfeldanalyse, Medienwahl, Art und Umfang der Befragung, Kommunikationskonzept, systematische Entwicklung eines Fragenportfolios
- Phase 3 - Organisation: Logistik, Projektcontrolling
- Phase 4 - Durchführung: Befragungsdurchführung, Hotline, Rücklauf (-quote)
- Phase 5 - Auswertung: optisch und inhaltlich hochwertige Auswertung, Ergebnisanalyse
- Phase 6 - Ergebnispräsentation: zielgruppenorientierte Ergebnisdarstellung, Moderation von Ergebnisveranstaltungen, Durchführung von prozeßbegleitenden Kommunikationsmaßnahmen, Unterstützung bei der Festlegung von Maßnahmenpaketen
- Phase 7 - Follow-up-Prozess: Initiierung und Begleitung von Organisationsentwicklungsprozessen auf Basis der Befragungsergebnisse
- Phase 8 - Evaluation der Befragung: Erfolgskontrolle des Befragungsprozesses als Qualitätsmanagementinstrument
- Phase 9 - Institutionalisierung: regelmäßige, standardisierte Wiederholung des Befragungsprozesses (Feed-back-Modell)
Historisch betrachtet wurden die seinerzeit progressiven Befragungen der Mitarbeiterschaft zunächst nach der Methode des "Fieber messens" durchgeführt: Befragen - Ablesen - Bewerten - Ende. Heutzutage wird meist ein mehr oder weniger komplexer Folgeprozess initiiert, auf dem der Schwerpunkt des Projektes liegt. Die Befragung ist dann nur mehr Mittel zum Zweck; ihre Ergebnisse sind Basis für oft weitreichende Verbesserungsprozesse. Konsequent umgesetzt und ohne falsche Versprechungen kann sich so eine regelmäßig durchgeführte Mitarbeiterbefragung als Instrument für die Erhöhung der Wertschöpfung im Unternehmen auf allen Ebene etablieren. Die Belegschaft fühlt sich durch die Umsetzungen der Folgeprozesse ernst genommen. Das Unternehmen profitiert mehrfach: Einerseits durch eine Ablaufoptimierung und ergänzend durch die erhöhte Motivation der Mitarbeiter. Zudem verfügt das Personalcontrolling über valide und aktuelle qualitative Daten, deren Erhebung über andere Methoden kaum darstellbar wäre.
Literatur
- Guido Lisges, Fred Schübbe: Personalcontrolling. Haufe, Freiburg 2004, ISBN 3-448-06028-3 (siehe Kapitel 14)
- Ingwer Borg: Führungsinstrument Mitarbeiterbefragung. Verlag für angewandte Psychologie, 2000, ISBN 3-8784-4108-8
