Moken
Die Moken sind das größte in einer Reihe von südostasiatischen Völkern, die als Seenomaden auf Booten in der östlichen Andamanensee und dem südchinesischen Meer leben.
Zusammen mit anderen Völkern von Seenomaden in dieser Region, wie den Sakai (auch Maniq), werden sie oft als "Seezigeuner" (englisch: Sea Gypsies) bezeichnet. Auch der thailändische Name Chao Leh (auch Chao Ley) und der birmanische, Selung (auch Selon, Salon oder Salone), sind Sammelbezeichnungen für verschiedenen Ethnien. Die Moken teilten sich im Verlauf der Geschichte in zwei Gruppen, die Moken Pula (im Gebiet der burmesischen Inseln der Andamanensee) und die Moken Tamub (Koh Pratong und Küste von Takua Pa in der thailändischen Provinz Phang Nga).
Nahe Verwandte der Moken sind die in Thailand lebenden Moklen (auch Moglen; Takua Pa, Phuket und umgebende Inseln) und die Uruk Lawoi (Siray Inseln, Phuket und Küste von Rawai). Zusammen mit den Moken gehören die Moklen und die Uruk Lawoi zum Volk der Morgan.
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Sprache, Herkunft und Siedlungsraum
Die Sprache der Moken gehört zur austronesischen Sprachfamilie, ist also verwandt mit beispielsweise malaiischen und polynesischen Sprachen. Ethnologen vermuten, dass die Vorfahren der Moken Proto-Malaien waren, die, aus dem südchinesischen Raum kommend, etwa 2500 v. Chr. die malaiische Halbinsel und Borneo besiedelten. Auch heute noch leben dort etwa 70.000 direkte Nachfahren dieser frühen Bewohner der Region (Westmalaysia: Orang Asli = ursprüngliche Menschen, Borneo: Dajak). Nachdem die Vorfahren der Moken die Lebensweise von Seenomaden angenommen hatten erweiterten sie ihr Siedlungsgebiet im Westen über die Inseln der Andamanensee und im Osten bis zum Sulu-Archipel (heute Teil der Philippinen).
Mit der Zuwanderung weiterer Völker im gesamten südostasiatischen Raum, der Entstehung verschiedener Reiche, der Periode des Kolonialismus und der Entstehung der heutigen Staaten erfuhren die Seenomaden immer wieder Einschränkungen ihrer nomadischen Lebensweise. Der Siedlungsraum der Moken konzentrierte sich schließlich in der östlichen Andamanensee, vom heutigen Myanmar im Norden, über Thailand und Malaysia bis zu den indonesischen Inseln im Süden.
Zwar leben viele Moken auch heute noch halbnomadisch auf ihren Booten und den Inseln der Andamanensee, der Bewegungsfreiraum ist allerdings stark eingeschränkt. Vor allem in Thailand wurden sie in der Vergangenheit dazu gedrängt seßhaft zu werden. Dort leben Moken heute auf den Surin Inseln, Koh Lanta, Koh Phi Phi, Phuket und etwa 500 auf Koh Lipe, einer Insel im Nationalpark Tarutao in der südwestlichsten thailändischen Provinz Satun. Die traditionelle nomadische Lebensweise konnten vor allem jene Moken erhalten, die im Mergui Archipel im Süden Myanmars leben. Ihre Zahl wird auf mehrere Tausend geschätzt. Jedoch hat auch die Regierung Myanmars damit begonnen, die Seenomaden dazu zu drängen sich auf der Insel Pu Nala niederzulassen. Nur wenige Moken besitzen allerdings Pässe der Länder in denen sie leben, die Mehrzahl ist staatenlos.
Gesellschaft
Eine zentrale Rolle im Leben der "Seezigeuner" spielen naturgemäß ihre Boote, Kabang genannt. Sie waren, und sind es für die nomadisch lebenden immer noch, die "Häuser" der Moken; inklusive Küche, Schlafplatz und Wohnzimmer. In Gruppen von etwa sechs bis zehn Booten, von denen jedes eine Familie beherbergt, ziehen sie von Insel zu Insel. Etwa acht Monate des Jahres verbringen die Seenomaden auf dem Meer. Nur während der Zeit des Monsun, der, regional unterschiedlich, zwischen Juni und November auftritt, besiedeln sie für wenige Monate die Küsten von Inseln. Diese Zeit wird genutzt um die Boote zu reparieren und, wenn es erforderlich ist, neue zu bauen.
Traditionell zählen das Bauen der Boote, was in Gemeinschaftsarbeit erfolgt, das Fischen mit Netzen, Speeren und Fallen und das Tauchen nach Muscheln, Seegurken und anderen Meeresfrüchten zu den Aufgaben der Männer. Die Frauen sorgen für die Kinder und die Siedlungen an den Küsten der Inseln. Lebensgrundlage ist immer noch vor allem das Meer, also der Fischfang. Daneben nutzen sie auch eine Vielzahl von Pflanzen als Lebensmittel, Medizin, Baumaterial und zur Herstellung von Haushaltsgegenständen, Musikinstrumenten oder Werkzeugen. Fische und andere Meeresfrüchte werden vor allem für den Eigenbedarf gewonnen, Überschüsse dazu genutzt um sie auf Märkten zu verkaufen. Dafür werden Reis, Öl, Benzin für die zunehmend Verwendung findenden Motoren der Boote, Netze und Alltagsgegenstände gekauft. Daneben gewinnen auch Einkünfte aus dem, in dieser Region erst beginnenden, Tourismus zunehmend an Bedeutung.
Problematisch sind, wie fast überall wo staatliche Autoritäten die traditionelle Lebensweise indigener Völker zu reglementieren versuchen, die Lebensumstände jener, die dem Druck nachgaben und seßhaft wurden. Der Verlust der traditionellen Lebensweise geht oft einher mit dem Verlust der eigenen Kultur und der allmählichen Assimilation an die Mehrheitsvölker der Region. Versuche, die Kinder der Moken in das staatliche Schulsystem zu integrieren, schlugen bisher allerdings zum Großteil fehl. Die Kinder ziehen es meist vor mit den Erwachsenen zum Fischen aufs Meer zu fahren. Ein spezielles Problem ist der Umgang skrupelloser Geschäftsleute mit den "Seezigeunern", die zum Beispiel auf Phuket Touristen in Bussen oder mit Ausflugsbooten zu den Dörfern der Moken bringen als wären das Zoos für Menschen. Seit 1997 existiert das Andaman Pilot Projekt (siehe Weblinks) der UNESCO. Es soll den Moken helfen ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren und auf eine Weise an die veränderten Rahmenbedingungen (staatliche Reglemtierungen, Tourismus etc.) anzupassen, die ihre Kultur und ihr Wissen um das Meer und die örtliche Natur erhält. Ziel ist es, den Moken nicht nur wieder weitgehende Selbstbestimmung zu ermöglich, sondern auch ihr Wissen um die Natur in der Region für eine nachhaltige Entwicklung vor allem des Tourismus zu nutzen. Ein existentielles Problem für die Moken, wie für alle Seenomaden der Region, ist der allmähliche Entzug ihrer Lebensgrundlage, der Fischerei, durch die Konkurrenz der großen Fischereiflotten. Die Trawler (Schleppnetzfischer) verlegen ihre Fanggebiete von der Hochsee immer näher zu den Küsten, also in die traditionellen Fanggründe der Seenomaden, und machen es diesen immer schwerer noch ergiebige Fänge einzubringen.
Das Erdbeben im Indischen Ozean im Dezember 2004 zerstörte eine Reihe von Siedlungen der Moken auf den Inseln der Andamanensee, vor allem auf den Surin Inseln, Phuket und Koh Phi Phi. Da sie die Vorzeichen des Tsunami - das sich zurückziehende Meer - erkannten, konnten sie sich selbst und einige Touristen rechtzeitig in Sicherheit bringen und es war nur ein Todesopfer zu beklagen. Dank privater Spenden und der Unterstützung durch UNESCO und den höchsten Rat der buddhistischen Religionsgemeinschaft in Thailand (dem Sangkarat) konnten die auf das Festland geflüchteten Moken bereits im Januar 2005 wieder auf die Inseln zurückkehren und mit dem notwendigsten versorgt werden (Werkzeuge, Küchenutensilien u.ä.). Das Hauptproblem ist, die zerstörten Boote zu ersetzen.
Religion
Die Glaubenswelt der Moken ist animistisch, bestimmt vom Glauben an Naturgeister und die Geister der Ahnen. Schamanen stehen im Kontakt mit der Geisterwelt, treffen Weissagungen und sind vor allem auch die Heiler der Gemeinschaft. Das wichtigste Fest des Jahres ist das Ne-en Lobong in dessen Zentrum die Lobong stehen, Pfähle die die Geister der Ahnen beherbergen. Zu diesem Fest kommen Verwandte und Freunde aus weit entfernten Gebieten zusammen. Für drei Tage und Nächte ruht die Arbeit. Statt dessen wird gefastet und gesungen und Tänzer versetzen sich in Trance. Zum Abschluß wird manchmal ein kleines Boot, das Lajang, aufs Meer gebracht, das Unglück, Krankheit und böse Kräfte davontragen soll.
Weblinks
- Andaman Pilot Project: Way of Life Forschungen des Social Research Institute der Chulalongkorn University (Bangkok) mit der UNESCO (en, thai)
- UNESCO-CSI A place for indigenous people in protected areas, Surin Islands, Andaman Sea, Thailand, Bericht und weiterführende Links (en)
- UNESCO-CSI Environment and development in Coastal regions and in Small Islands, Bericht über die Moken (en)
