Mondfinsternis

Eine Mondfinsternis entsteht, wenn der Mond durch den Schatten der Erde wandert. Da die Erdbahn (Ekliptik) und die Mondbahn leicht gegeneinander geneigt sind, zieht der Mond meistens knapp über oder unter dem Erdschatten vorbei.

Zu einer Mondfinsternis kommt es, wenn

Sonnen- und Mondfinsternisse

Nur an den Punkten 1 und 4 kann eine Mondfinsternis entstehen, bei 2 und 3 eine Sonnenfinsternis. An allen anderen Positionen zieht der Mond über oder unter der Ekliptik vorbei.

Entfernungen und Größenverhältnisse sind nicht maßstabsgerecht, der Winkel
der Mondbahn zur Ekliptik ist zur Veranschaulichung vergrößert dargestellt.

Im Unterschied zur Sonnenfinsternis ist eine Mondfinsternis von jedem Ort der Nachtseite der Erde aus zu sehen und sieht auch überall gleich aus; eine totale Mondfinsternis ist also für jeden Betrachter total. Deswegen kann man eine Mondfinsternis häufiger beobachten als eine Sonnenfinsternis, obwohl Sonnenfinsternisse etwas häufiger als Mondfinsternisse vorkommen.

Da der Erdschatten immer kreisförmig ist, schlossen daraus bereits die Griechen der Antike, dass die Erde eine Kugel sein müsse.

Inhaltsverzeichnis

Arten von Mondfinsternissen

right|thumb|Totale Mondfinsternis 4. Mai 2004

Man unterscheidet streng genommen vier Arten von Mondfinsternissen:

Die Größe (oder Magnitude) einer Mondfinsternis bezeichnet die Eindringtiefe des Mondes (genauer, seines dem Zentrum am nächsten gelegenen Randes in der Projektion) in den Erdschatten, und zwar in Einheiten von Monddurchmessern (3475 Kilometer). Bei einer partiellen Mondfinsternis der umbralen (auf den Kernschatten bezogenen) Größe 0,6 liegt der "innere Rand" also etwa 2085 Kilometer innerhalb des Kernschattens, 1390 km verbleiben im Halbschatten. Finsternisse mit Größen über 1 sind total. Analog ist bei einer Halbschattenfinsternis der penumbralen Größe 0,5 der Mond zur Hälfte in den Halbschatten der Erde eingedrungen. Da die Breite des Halbschattens (vom äußeren Rand bis zum Rand des Kernschattens) zufällig etwa einem Monddurchmesser entspricht, ist eine Halbschattenfinsternis größer als 1 zumeist auch eine partielle Mondfinsternis. Eine zentrale Finsternis, bei der der Mond (fast) genau durch das Zentrum des Erdschattens läuft, hat ungefähr eine umbrale Größe von 1,8 bis 1,85; der Maximalwert variiert mit dem Abstand des Mondes von der Erde sowie mit dem Abstand Erde-Sonne.

Totale Mondfinsternisse lassen sich neben der Eindringtiefe auch durch die Helligkeit und Färbung des Kernschattens infolge des von der Erdatmosphäre gebrochenen Lichtes charakterisieren. Diese variieren in Folge des unterschiedlichen Verschmutzungsgrades der Erdatmosphäre (insbesondere der Stratosphäre. Zum Beispiel kann nach heftigen Vulkanausbrüchen eine dunkle oder sehr dunkle Finsternis auftreten. André Danjon hat dabei die folgende Skala vorgeschlagen, die die Helligkeit durch einen Parameter L charakterisiert, und die nach ihm auch Danjon-Skala genannt wird:

L = 0 Sehr dunkle Finsternis; Mond fast unsichtbar, besonders in der Mitte der Totalität
L = 1 Dunkle Finsternis; graue oder bräunliche Färbung; Details der Mondoberfläche nur schwierig erkennbar
L = 2 Tiefrote oder rostrote Finsternis, mit einem sehr dunklen Zentrum, aber relativ hellen Rand des Kernschattens
L = 3 Ziegelrote Finsternis, gewöhnlich mit einem hellen oder gelblichen Rand des Kernschattens
L = 4 Sehr helle kuperrote oder orange Finsternis mit einem sehr hellen bläulichen Kernschattenrand.

Optische Effekte während einer Mondfinsternis

thumb|240px|Theoretische Lichtkurve einer Mondfinsternis in Abhängigkeit von der umbralen Magnitude. Zum Vergleich Literaturdaten mit Fehlerangabe. Auch wenn der Mond bei einer totalen Finsternis vollständig im Kernschatten der Erde liegt, ist er noch schwach sichtbar, meist in rötlichen oder bräunlichen Farben. Grund dafür ist der langwellige rote Anteil am Sonnenlicht, der durch die Atmosphäre der Erde gebrochen wird und den Mond beleuchtet, während das kurzwellige blaue Licht gestreut oder absorbiert wird. Vom Mond aus ist das Licht vergleichbar mit dem während eines Sonnenuntergangs; die Atmosphäre würde einem Astronauten hell rötlich bis orange leuchtend erscheinen.

thumb|240px|Theoretisches Helligkeitsprofil (obere Kurve) und negativer Gradient der log. Helligkeit (untere Kurve) des Kernschattens der Erde als Funktion der Tiefe im Kernschatten (in Bogenminuten, Mitte bei x = 41,65'). Bei einer hellen zentralen Finsternis nimmt die scheinbare visuelle Helligkeit des Mondes von etwa -12m,5 auf etwa +1m ab, also etwa um den Faktor 300000. Im Zentrum des Kernschattens beträgt die Abnahme der Intensität (also die Helligkeitsabnahme, die ein Astronaut auf der Mondoberfläche erleben würde) sogar etwa 1 bis 2 Millionen, rund einhundertmal mehr als bei einer totalen Sonnenfinsternis. Bei einer dunklen Finsternis kann die Mondhelligkeit bis auf etwa +5m abfallen, entsprechend einem Faktor von 10 Millionen. Um etwa den gleichen Faktor nimmt auch die Intensität im Zentrum ab; die untere Grenze wird durch das Licht der Korona der Sonne bestimmt, die durch die Erde nur teilweise verdeckt wird.

Die Mondfinsternisse der vergangenen Jahre waren überwiegend hell, um L = 3, was auf eine verhältnismäßig saubere Stratosphäre schließen lässt. Nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahre 1991 wurden teilweise sehr dunkle Finsternisse beobachtet. Somit ermöglicht die Farbe und Helligkeit des verfinsterten Mondes Rückschlüsse auf die Reinheit der Erdatmosphäre. Heute ist diese Methode jedoch überholt, da Messungen von Satelliten oder Flugzeugen aus viel genauere Informationen über Verunreinigungen der Luft liefern als die reine optische Abschattung dies erlaubt.


Mondfinsternis-Termine

Folgende Mondfinsternisse sind in Europa zu sehen, Zeitangaben in MEZ bzw. MESZ:

Datum Eintritt in Halbschatten Eintritt in Kernschatten Beginn der Totalität Maximum/Typ Ende der Totalität Austritt aus dem Kernschatten Austritt aus dem Halbschatten Größe
4. Mai 2004 19:51 20:48 21:52 22:30/total 23:08 00:12 01:09 1,309
28. Oktober 2004 02:06 03:14 04:23 05:04/total 05:44 06:53 08:03 1,314
14. März 2006 22:21 - - 0:47/Halbschatten-total - - 02:13 1,056
7. September 2006 18:42 20:05 - 20:51/partiell - 21:37 23:00 0,189
3. März 2007 21:16 22:30 23:43 00:20/total 00:57 02:11 03:25 1,237
21. Februar 2008 01:35 02:42 04:00 04:26/total 04:51 06:09 07:17 1,112
16. August 2008 20:23 21:35 - 23:10/partiell - 00:44 01:57 0,812
6. August 2009 01:01 - - 02:39/Halbschatten-partiell - - 04:17 0,428
31. Dezember 2009 18:15 19:51 - 20:22/partiell - 20:53 22:30 0,081

Längste totale Mondfinsternisse zwischen 1900 und 2100

Datum Dauer der totalen Phase
16. Juli 2999 1h47m01s
6. Juli 1603 1h46m20s
27. Juli 2018 1h43m34s
26. Juni 2029 1h42m32s
4. August 1906 1h41m48s
7. Juli 2047 1h41m29s
25. Juni 1964 1h41m25s
26. Juli 1953 1h41m22s
28. Juni 2001 1h41m16s
15. Juni 2011 1h40m52s
16. Juni 2076 1h40m49s
16. Juli 1935 1h40m16s
6. August 1971 1h40m04s


Die längste totale Mondfinsternis im Zeitraum zwischen 1000v.Chr. und 3000 fand am 31. Mai 318 mit einer Dauer der totalen Phase von 1h47m14s statt.

Weblinks

See also: Mondfinsternis, 1991, André Danjon, Antike, Astronaut, Atmosphäre, Brechung (Physik), Ekliptik, Erde, Farbe