Motette

Der Ausdruck Motette (lat. motetu ital. motetto. französ. u. engl. motet) bezeichnet in der Kirchenmusik einen mehrstimmigen Gesang, bei dem Instrumente die Singstimmen verstärken oder auch ersetzen konnten. Michael Praetorius beschreibt diese gemischte Aufführungspraxis in seinem Werk "Syntagma musicum".

Johann Gottfried Walther: "Motetto [...] ist eigentlich eine mit Fugen und Imitationibus stark ausgeschmückte, und über einen Biblischen Spruch bloß zum Singen ohne Instrumente (den Generalbaß ausgenommen) verfertigte musicalische Composition; doch können die Singstimmen auch mit allerhand Instrumenten besetzt und verstärkt werden". Musikalisches Lexikon 1732.

Die Motettentexte sind zumeist biblisch und oft in lateinischer Sprache.

Die Motette bildete sich im späten Mittelalter heraus ("motectus") und blieb bis heute als Form in Gebrauch, wobei Stil und innere Haltung sich selbstverständlich je nach Zeitalter wandelten.

Mit dem Aufkommen des Generalbasses um 1600 wurde der Begriff Motette auch auf begleitete Gesangsmusik ausgedehnt, sogar Werke für eine einzige instrumental begleitete Stimme (Voce sola) wurden so bezeichnet; dennoch blieb der A Cappella-Stil die Regel.

Formal sind Motetten ein- oder mehrteilig. In letzterem Fall können einzelne Teile auch kleiner besetzt sein. Jeder Teil kann aus verschiedenen direkt aneinander anschließenden Abschnitten verschiedenen Charakters bestehen, hat aber im allgemeinen eine durchkomponierte Anlage.

Die übliche Stimmenzahl lag stets bei 4 bis 8 Stimmen, doch wurden zu allen Zeiten auch erheblich komplexere Partituren erschaffen – bis hin zu Extremfällen wie dem berühmten "Spem in alium" für 40 Stimmen von Thomas Tallis. Bei der häufig genutzten vierstimmigen Variante enthielt die unterste Stimme, der "Tenor", meist biblischen Text. Darüber ordneten sich "Duplum/Motetus", "Triplum" und "Quadruplum" an. Im Laufe der Entwicklung wurde der gesungene Text zunehmend freier, vereinzelt wurde schließlich statt biblischer auch weltliche Literatur als Textgrundlage verwendet.

Die bedeutendsten Meister im älteren Motettenstil waren Palestrina und Orlando di Lasso. Die Motetten von Johann Sebastian Bach haben 5 bis 8 Stimmen; er verflocht auch den Choral in die Motette. Spätere bedeutende Motettenkomponisten waren Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Reger.

Inhaltsverzeichnis

Motette als musikalische Andacht

Leipziger Motette

Der Thomanerchor gestaltet wöchentlich zwei musikalische Andachten (freitags 18.00 Uhr, samstags 15.00 Uhr), die als "Motetten" bezeichnet werden.

Tübinger Motette

Die Tübinger Motette wurde 1945 von Walter Kiefner nach dem Vorbild der Leipziger Motette gegründet.

Es handelt sich um eine musikalische Andacht, die wöchentlich samstags um 20 Uhr stattfindet, und ist neben der Leipziger Motette eine der letzten Veranstaltungen dieser Art.

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Kategorie:Kirchenmusik

See also: Motette, 1600, A Cappella, Choral, Felix Mendelssohn Bartholdy, Formenlehre (Musik), Generalbass, Johann Gottfried Walther, Johann Sebastian Bach, Kirchenmusik