Mülhausen (Elsass)

Bild nicht gefunden
Europaturm (Tour de l´Europe)
Bild nicht gefunden
Lage von Mülhausen

Mülhausen (Mulhouse auf französisch und Milhüse auf elsässisch) ist eine Stadt im Osten Frankreichs. Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (frz. Sous-préfecture) des Arrondissements Mulhouse im Département Haut-Rhin in der Region Elsass. Das Arrondissement gliedert sich in neun Kantone, im Einzelnen siehe dort. Es ist die größte Stadt von Haut-Rhin und nach Straßburg die zweitgrößte des Elsass. Sie wird von zwei Wasserläufen, den Rheinzuflüssen Doller und Ill, durchquert.

Mülhausen liegt geographisch günstig an den Grenzen dreier Länder (Frankreich, Deutschland und der Schweiz). Die Stadt liegt ca. 20 Minuten von Thann entfernt, dem südlichen Tor zur elsässischen Weinstraße. Somit ist Mülhausen das Tor zum Sundgau im äußersten Süden des Elsass. Mit den Nachbarn Freiburg im Breisgau, Basel, Belfort, Montbéliard und Colmar liegt Mülhausen im Zentrum einer mehr als zwei Millionen Einwohner zählenden Region.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bild nicht gefunden
Reste der Stadtmauer und der Bollwerk-Turm (Tour du Bollwerk)
Bild nicht gefunden
Altes Rathaus aus dem 16. Jahrhundert (Hótel de Ville)

Die Stadt Mülhausen wurde im Jahr 803 erstmals urkundlich erwähnt. Errichtet wurde sie auf einem oft durch Hochwasser heimgesuchten Gelände. Der Bau einer Mühle gab dem Ort seinen Namen. Ein Mühlrad ziert daher auch das Stadtwappen. Durch den Status als freie Reichsstadt sowie ein Bündnis mit den Schweizer Kantonen (1515) und dem französischen Königreich blieb Mülhausen als zugewandter Ort nahezu unabhängig. Mülhausen war Mitglied im Elsässischen Zehnstädtebund (Dekapolis). Es war als unabhängige Republik bis zur Annexion durch Frankreich am 4. Januar 1798 Mitglied der Eidgenossenschaft.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts gewannen chemische und mechanische Industrien an Bedeutung. Im Jahr 1746 begann mit der Gründung einer Textildruckmanufaktur die industrielle Entwicklung der Stadt. Mülhausen entwickelte sich zu einer erfolgreichen Industriestadt und gilt als Manchester Frankreichs. Mülhausen unterhält bevorzugte Beziehungen mit Louisiana, von wo es Baumwolle importiert.

Mit Bezug auf die Größe der Stadt ist das historische Zentrum sehr klein, da die Stadtentwicklung erst sehr spät einsetzte.

Nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 wurde Mülhausen und das gesamte Elsass in das Deutsche Reich integriert.

Stadtteile / Sehenswürdigkeiten

Bild nicht gefunden
Stephanskirche (Temple Saint-Etienne)
Bild nicht gefunden
Altstadt

Mülhausen besteht aus einer Unter- und einer Oberstadt .

Die Unterstadt war früher das Viertel der Händler und der Handwerker. Sie entwickelte sich um den Place de la Réunion (Platz der Wiedervereinigung). Nur noch sehr wenig Häuser aus dem Mittelalter und Reste der ehemaligen Stadtmauer sind in Mülhausen zu finden. Heute ist die Unterstadt um den Platz der Widedervereinigung und dem Dom Fußgängerzone.

Die Oberstadt entstand im 13. Jahrhundert. Verschiedene Mönchsorden siedelten sich dort an, insbesondere die Franziskaner, Augustiner, Klarissen und die Malteser.

Das Neue Viertel ist das früheste Beispiel einer geplanten Urbanisierung, die in Mülhausen ab 1826 nach der Zerstörung der Stadtmauern erfolgte (wie in zahlreichen französischen Städten). Es konzentriert sich um den Platz der Republik. Sein Netzwerk an Straßen mit dreieckigen Wohnflächen ist ein hervorragendes Beispiel gelungener Stadtplanung der Architekten G. Stolz und Félix Fries. Dieses Viertel wurde von den reichen Familien der industriellen Arbeitgeber bewohnt, die meistens liberaler und republikanischer Gesinnung waren.

Das Rebberg Viertel zeichnet sich durch vornehme Villen aus, die den säulenartigen Residenzen der Baumwollzüchter in Louisiana ähneln und von diesen inspiriert wurden. Man findet dort aber auch Häuser englischer Inspiration: die Reihenhäuschen, gebaut als Resultat der großen Verbundenheit mit Manchester, als die Unternehmerfamilien ihre Söhne zum Studium dorthin schickten. Der Rebberg war früher der Weinberg der Stadt Mülhausen (Daher der Name Rebberg).

In Mülhausen entstand ab 1853 die erste Arbeitersiedlung Frankreichs. Sie war das Ergebnis eines raschen Bevölkerungsanstiegs in den Jahren 1800 bis 1850 von etwa 5.000 auf 30.000 Bewohner. Es entstanden insgesamt 1.240 Gebäude für ungefähr 10.000 Bewohner.

Das Rathaus wurde 1553 im rheinischen Renaissance-Stil gebaut. Montaigne bezeichnet es 1580 als "großartigen Palast, der ganz vergoldet wäre". Im Inneren finden sich verblüffend naturgetreue Gemälde, die in Allegorien die Laster und Tugenden darstellen. Die Fresken im Rathaussaal bezeichnen die Wappen der Schweizer Kantone, mit denen die Stadt verbunden war.

Wirtschaft

Bild nicht gefunden
Gebäude der Industriellen Gesellschaft (Societe industrielle)

Mülhausen gilt als Wegbereiter der industriellen Revolution in Frankreich. Zunächst entwickelte sich die Textilindustrie, später kamen die Bereiche Chemie und Mechanik hinzu. In der Stadt gibt es rund 6.470 Unternehmen, u.a.:

Kultur

Mit dem Schauspielhaus La Filature besitzt Mülhausen eine staatliche Bühne für Musik, Tanz und Theater. Sie beherbergt das Mülhauser Sinfonieorchester, das Ballett und die Rheinoper, sowie die Mediathek der Stadt Mülhausen und ein Multimedia-Zentrum.

Forschung und Bildung

Die Universität von Mülhausen (Universität des Oberelsass) ist Teil der "Europäischen Konföderation der Universitäten am Oberrhein" (EUCOR) mit den Universitäten Straßburg, Basel, Freiburg und Karlsruhe. Unter dem Dach der Unviersität befinden sich die Hochschulen für Chemie (ENSCMU), Textilindustrie (ENSITM) sowie angewandte Wissenschaften (ESSAIM), in denen Ingenieure ausgebildet werden.

Verkehr

Mülhausen teilt sich mit Basel und Freiburg einen großen internationalen Flughafen, den EuroAirport. Mühlhausen verfügt über einen großen Hauptbahnhof südlich des Stadtzentrums. Wichtige Bahnverbindung sind nach Westen Belfort, nach Norden Straßburg und nach Süd-Osten in der Schweiz Basel. Eine direkte Verbindung nach Freiburg im Breisgau gibt es für den Personenverkehr nicht mehr, die Auslastung der Strecke war zu gering. Gerade diese Strecke war jedoch eine historische, da es sich um eine der ersten Schienenverbindungen Europas handelt

Bürgermeister von Mülhausen

Der Saal des Rates des Rathauses enthält auf seiner Hauptmauer eine Auflistung aller Bürgermeister seit 1349. In neuerer Zeit waren Bürgermeister:

Verwaltung

Die alte Gemeinde von Bourtzwiller ist im Jahre 1947 nach Mülhausen eingemeindet worden.

Eine die Gemeinden betreffende Zusammenarbeit im Ballungsraum von Mülhausen wird entwickelt. Die Stadt hat im Jahre 1997 einen Gemeindeverband vorgestellt, woraus seit 2001 der Gemeindeverband Südliches Mülhausen Elsass (CAMSA) mit 5 Mitgliedern entstand: Didenheim, Lutterbach, Morschwiller-le-Bas, Mülhausen und Zillisheim. Am 1.Januar 2004 wurden 11 neue Kommunen integriert. Der wirkliche Ballungsraum ist aber weitaus ausgedehnter.

Mülhausen wird in 4 Kantone geteilt:

Städtepartnerschaften

Walsall (Großbritannien) 1953
Antwerpen (Belgien) 1956
Kassel (Deutschland) 1965
Chemnitz (Deutschland) 1981
Bergamo (Italien) 1989
Givatayim (Israel) 1991
Timişoara (Rumänien) 1991
El Khroub (Algerien) 1999
Sofara (Mali) 2003

Bedeutende Persönlichkeiten

thumb|Alfred Dreyfus geboren in Mülhausen

Sehenswürdigkeiten

thumb|Musée National De L'Automobile

Weblinks


siehe auch: Arrondissement Mulhouse, Kommunen im Département Haut-Rhin

See also: Mülhausen (Elsass), 1515, 1553, 1580, 1728, 1746, 1798, 1826, 1859, 1866