Muslimbrüder

Die Muslimbrüder oder Muslimbruderschaft (al-ichwān al-muslimūn, الإخوان المسلمون) ist eine der einflussreichsten islamisch-fundamentalistischen Vereinigungen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Muslimbrüder wurden im Jahre 1928 von Hasan al-Banna in Reaktion auf den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches in Ägypten gegründet. Sie erlangten im Laufe der Jahre einen immer größeren Einfluss auf den (sunnitischen) Islam. Besonders nach dem Zusammenbruch des "Nasserismus" nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und durch den "Export" ägyptischer Lehrer und Techniker auf die arabische Halbinsel im Zuge des Ölbooms nach 1973 nahm der Einfluss der Muslimbrüder ständig zu. Eine Tochterorganisation der Muslimbrüder ist die Terrororganisation Hamas. Heute zählen sie neben dem sogenannten Wahhabismus zu den einflussreichsten Elementen des islamischen Fundamentalismus.

Der bayerische Verfassungsschutz stellt weiterhin fest:

In ihrem Ursprungsland Ägypten ist die MB verboten; sie wird jedoch inzwischen geduldet. Insbesondere in Wohlfahrtsorganisationen verfügt sie über großen Einfluss.
Offiziell haben sich die meisten Zweige von der Gewalt abgewandt. Die Selbstmordattentate ihrer palästinensischen Sektion Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) zeigen aber, dass in der MB Gewalt weiterhin als legitimes politisches Mittel betrachtet wird. (Verfassungsschutzbericht 2003, S.149)

Politik

Das Motto der Muslimbrüder ist: Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Leiter. Der Qur'an ist unser Gesetz. Dschihad ist unser Weg. Sterben auf dem Wege Allahs ist unsere größte Hoffnung.

1994 opponierten sie intensiv gegen den jordanisch-israelischen Friedensvertrag. In Jordanien sind sie die wichtigste Oppositionspartei. Im Sudan führten sie 1983 die Scharia ein, da sie eine der wichtigsten Parteien geworden waren.

In Algerien gewann die Tochterorganisation FIS 1991 die Wahlen, woraufhin diese annulliert wurden.

Muslimbruderschaft in Deutschland

Im Verfassungsschutzbericht wird die Muslimbruderschaft vorgestellt; sie gehört zum Referat «Sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern», unter das die Beobachtung von des Islamismus verdächtigten Organisationen fällt. Im Bundesverfassungsschutzbericht wird festgestellt, die MB sei in ihrer Geschichte seit ihrer Gründung 1928 «Keimzelle zahlreicher auch militanter islamistischer Organisationen» gewesen.(Verfassungsschutzbericht 2003, S. 184)

Der Verfassungsschutz des Freistaats Bayern, in dem mit dem Islamischen Zentrum München eine der ersten Moscheen in Deutschland liegt, stellt fest:

Die MB tritt in Deutschland nicht offen in Erscheinung. Personell ist sie mit der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) verflochten, die als deutsche Zentrale des ägyptischen Zweigs der MB gilt. Anhänger des syrischen Zweigs der MB gründeten Anfang der 80er Jahre die "Islamischen Avantgarden" mit organisatorischem Schwerpunkt im "Islamischen Zentrum" in Aachen. (Verfassungsschutzbericht 2003, S.149)

Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg äußert, dass die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen eine Gründung der Muslimbrüder sei.

Siehe auch: Hasan al-Hudaybi, Saiyid Qutb, Yusuf al-Qaradawi, Politischer Islam, Fundamentalismus, Islamisches Zentrum Aachen

Weblinks

See also: Muslimbrüder, 1928, 1967, 1973, 1983, 1991, 1994, Algerien, Allah, Arabische Halbinsel