Nachtwächterstaat

Nachtwächterstaat ist die von Ferdinand Lassalle geprägte polemische Bezeichnung für denjenigen Staat, der nach Meinung des Manchesterliberalismus nur noch für innere und äußere Sicherheit - für den Nachtwächter - zuständig sei. Der freie Markt wird nicht durch Sozialpolitik oder Wirtschaftspolitik beeinflusst, der Staat nimmt die Rolle eines reinen Rechtshüters ein. Diese reine Form des wirtschaftlichen Liberalismus wird auch das Laissez-faire genannt.

Bewertung

Nachwächterstaaten wird vorgeworfen, dass sie zur Ausbeutung und Verelendung der Arbeiter und zu Wirtschaftskrisen führten. Ohne ein marktwirtschaftliches Kräftegleichgewicht von kleinen, mittleren und großen Unternehmen, durch entsprechende staatliche Rahmenbedingungen komme es zu Marktverzerrungen durch Unternehmenskonzentrationen. Ein freier Wettbewerb sei nicht mehr möglich, kleine und mittlere Unternehmen würden insolvent. Da sich aber für kleine und mittlere Unternehmen noch keine größeren Rationalisierungen lohnen würden, hielten sie die meisten Arbeitsplätze. Ohne sie steige die Arbeitslosigkeit, die Schere zwischen Arm und Reich gehe auseinander und die Binnennachfrage breche ein.

Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise stellte John Maynard Keynes (*1883, †1946) vor allem dieses wirtschaftliche Laissez-faire infrage. Er war der Meinung, dass der Staat bei konjunkturellen Einbrüchen aktiv eingreifen müsse, um fehlende private Nachfrage durch staatliche Nachfrage zu ersetzen. Allerdings besteht hierüber das Risiko einer marktschädigenden Marktverzerrung zugunsten der Unternehmen, die von der staatlichen Nachfrage profitieren und führt auch ohne Kreditfinanzierung zu zukünftigen finanziellen Steuerbelastungen kleiner Unternehmen.

Heute stehen die meisten Ökonomen Eingriffen, die über die Fälle von Marktversagen hinausgehen, überwiegend kritisch gegenüber.

Siehe auch:


Kategorie:Politischer Begriff

See also: Nachtwächterstaat, 1883, 1946, Ferdinand Lassalle, Freie Marktwirtschaft, Innere Sicherheit, John Maynard Keynes, Kapitalismus, Laissez-faire, Liberalismus