Nacktmull

Nacktmull
Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte
(Hystricognatha)
Familie: Sandgräber (Bathyergidae)
Gattung Nacktmulle (Heterocephalus)
Art Nacktmull (H. glaber)
Wissenschaftlicher Name
Heterocephalus glaber
Rüppell 1842

Der Nacktmull (Heterocephalus glaber) ist eine Art der Sandgräber (Bathyergidae) innerhalb der Nagetiere. Sie leben in riesigen unterirdischen Bauten in den Halbwüsten Ostafrikas, speziell im Süden Äthiopiens, in Kenia und Somalia.

Merkmale

Sie verdanken ihren Namen der Tatsache, dass beinahe ihr gesamter Körper mit Ausnahme von einigen Fühlhaaren (Vibrissen) vollkommen haarlos ist. Dies wird als Anpassung an ihre Lebensweise in großen Kolonien gewertet. Durch ihre Haarlosigkeit können sich Parasiten auf ihren Körpern schlechter ansiedeln und verbreiten. Als weitere Merkmale besitzen die Tiere riesige Nagezähne, die sie wie Baggerschaufeln einsetzen können, sowie winzige Augen und Ohren ohne Ohrmuscheln. Mit ihren Nagezähnen können sie sich angeblich sogar durch Beton graben.

Lebensweise

Nacktmulle leben in Kolonien von 20 bis 300 einzelnen Tieren. Die Organisation dieser Kolonien weist einige Besonderheiten auf, die sonst nur bei Insekten beobachtet und in ihrer Gesamtheit als Eusozialität bezeichnet werden. Charakteristisch ist eine strenge, hochspezialisierte Arbeitsteilung, die, wie bei den Bienen, an das Lebensalter des einzelnen Individuums gebunden ist. Junge Nacktmulle kümmern sich um ihre jüngeren Geschwister. Werden sie älter, betätigen sie sich als Gräber und sind für den Ausbau des Gangsystems zuständig. Sie arbeiten gemeinsam wie am Fließband. Ältere Tiere halten sich an den Ausgängen des Baues auf, die sie bewachen und nebenbei das antransportierte Material auswerfen (Volcanos). Jede Kolonie wird von einer einzigen Königin dominiert, die als einziges Weibchen fertil ist und ca. 60 Junge im Jahr wirft. Sie paart sich mit mehreren Männchen, die nicht mit ihr verwandt sind und aus anderen Kolonien stammen. Anders als bei den Graumullen, sind Nacktmull-Königinnen ausgesprochen aggressiv und attackieren häufig ihre infertilen Töchter und Söhne.

Die Gründe für die Infertilität der Nachkommenschaft sind bislang nicht ausreichend erforscht. Einige ältere Vermutungen gehen von einer hormonellen Unterdrückung durch die Königin aus, doch diese konnte nicht nachgewiesen werden. Eine andere Erklärung besagt, dass sich durch den Dauerstress, den die Töchter ertragen müssen, deren Eierstöcke nicht zur Reife gelangen und sie deshalb steril bleiben. Dies erklärt jedoch nicht, warum es in Nackmull-Kolonien nicht zu Paarungen unter den infertilen Arbeitern und Arbeiterinnen kommt.

Stirbt eine Nacktmull-Königin, werden von den verbliebenen, koloniefremden Männchen einige andere Weibchen befruchtet, die sich daraufhin gegenseitig bekämpfen. In aller Regel siegt das Weibchen, das am schnellsten Jungtiere gebären kann.

Die Nacktmulle sind nicht die einzigen eusozialen Säugetiere. Auch bei ihren Verwandten, den Graumullen, ist diese Tendenz gegeben. Bei diesen fehlt jedoch die Unterdrückung durch die Königin. Statt dessen weisen die Männchen eine Inzest-Schranke auf, welche verhindert, dass sie sich mit Weibchen paaren, mit denen sie verwandt sind. Diese Schranke kann experimentell nachgewiesen werden. Da diese Inzestschranke von den Männchen ausgeht, nicht von den Weibchen, besteht bei den Graumullen die Möglichkeit, dass mehrere Weibchen gleichzeitig Jungtiere aufziehen. Das kommt vor, wenn ein Arbeiter-Weibchen außerhalb des Baues auf ein koloniefremdes Männchen trifft, das seinen Annäherungsversuchen nachgibt. Die daraus entstehenden Jungtiere werden in der Kolonie normal aufgezogen, wobei die Königin keinen Unterschied zwischen dem eigenen Wurf und ihren Enkeln macht.

Die Ursachen für das soziale Verhalten sind nicht vollständig geklärt, die wahrscheinlichste Theorie sieht darin eine Anpassung an die fleckenhaft vorkommende Nahrung im Lebensraum der Tiere. Um in dem harten Boden der Halbwüsten Nahrung zu finden, müssen möglichst viele Tiere auf Nahrungssuche gehen und die gefundenen Nahrungsquellen teilen.

Weitere Tatsachen über diese Tiere:

Weblinks

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