Gletscher

[[Bild:Gletscher.jpg|thumb|270px|Der Mendenhall-Gletscher in ]]

Ein Gletscher ist eine bis zu mehrere hundert Meter dicke Eismasse, die sich durch das Eigengewicht in langsamem Fluss talwärts bewegt.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Das Wort Gletscher ist entlehnt aus Westalpen-romanisch glatscharju „Gletscher, [eigentlich:] Eisbehälter“. Dieses wiederum ist abgeleitet aus dem lateinischen glacies („Eis“).

In den Ostalpen ist vom Oberinntal bis zum Zillertal (Zamsergrund) die Bezeichnung Ferner (vgl. Firn) üblich, östlich des Zillertals (Venedigergruppe, Hohe Tauern) die Bezeichnung Kees. Diese Bezeichnungen sind ca. 6000 Jahre alt und stammen folglich aus einer prä-indogermanischen Sprache.

Gletscherentstehung

Ein Gletscher entsteht durch die Ansammlung von Schnee, der nicht schmilzt, sondern sich immer weiter ansammelt. Frisch gefallener Neuschnee bildet eine Schicht aus nur leicht verdichteten Schneekristallen und mit Luft gefüllten Hohlräumen. Fällt erneut Schnee, so legt er sich über diese bereits existierende Schicht und drückt die mit Luft gefüllten Hohlräume so zusammen, dass sie kleiner werden. Dieses Eis ist halb durchsichtig blau oder grün gefärbt. Gletschereis hat eine Dichte von bis zu 0,9 g/cm³, während die Dichte von Pulverschnee nur 0,06 g/cm³ beträgt. Der Luftgehalt von Pulverschnee beträgt also 90%, der von Gletschereis nur noch 2%. Der Luftgehalt von Firn bzw. Firneis, die Zwischenstufen im Entstehungsprozess von Gletschereis, beträgt 60 respektive 30%. Es tritt daher im Verlauf der Gletschereisbildung eine sehr starke Verdichtung auf.

Je nach Entstehungsweise und Entwicklungsstadium unterscheidet man heute im Allgemeinen zwischen sechs Arten von Gletschern:

Nährgebiete und Zehrgebiete

[[bild:Pasterze_mit_Großglockner.jpg|270px|right|thumb|Pasterze mit ]] Auf einem Gletscher gibt es immer ein Nährgebiet und ein Zehrgebiet. Im Nährgebiet bleibt der Schnee auch während der warmen Jahreszeit erhalten, so dass er sich durch Temperaturwechsel und Druck im Lauf mehrerer Jahre zu Gletschereis umformt, was in den Alpen etwa zehn Jahre in Anspruch nimmt. Durch das Fließen des Eises gelangt es mit der Zeit in tiefere und für die Sonnenstrahlung exponiertere Regionen, in denen das Gletschereis zu schmelzen beginnt und in Form von Gletscherabflüssen, meist Sturzbächen, talwärts abfließt. Diese Region wird als Zehrgebiet bezeichnet.

Die Größe des Nähr- und Zehrgebietes variiert jedes Jahr in Abhängigkeit der Schneemenge im Winter und des sommerlichen Witterungsverlaufs. Dadurch wird der Gesamthaushalt des Gletschers bestimmt, sprich ob er sich vergrößert oder verkleinert.

Gletscher und Klima

Obwohl Gletscher nur einen geringen Teil der Erdoberfläche ausmachen, ist weitgehend unumstritten, dass sie das lokale wie weltweite Klima sehr stark beeinflussen. Dabei sind zwei physikalische Eigenschaften von Bedeutung:

Die Wirkung des vermehrten Eintrags von Schmelzwasser auf die Meeresströmungen, insbesondere auf das Golfstromsystem, ist derzeit Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Gletscher als Landschaftsformer

[[bild:Gletscherneu.jpg|thumb|290px|rechts|Eggishorn, großer Aletschgletscher um 1900 (CH,VS)]] Gletscher sind bedeutende Landschaftsformer; insbesondere während der Eiszeiten wurden viele Gebirge umgeformt und das abgetragene Gestein an anderer Stelle als Moränen wieder aufgehäuft. Gletscher stellen auch eine sichere Wasserversorgung vieler Flüsse in der niederschlagsarmen Sommerzeit dar.

In den Polargebieten münden viele Gletscher direkt ins Meer. Das von ihnen abbrechende Eis (Kalben des Gletschers) wird zu Eisbergen. Tafeleisberge haben einen anderen Entstehungsmechanismus.

10 % (15.000.000 km²) der Erdoberfläche werden zurzeit von Gletschereis bedeckt, während der letzten Eiszeit waren es 32 %. In Gletschern wird 75 % des Süßwassers gespeichert. Bei einem Abschmelzen des gesamten Gletschereises würde sich der Meeresspiegel weltweit um 70 m anheben. Das Eis in der Antarktis ist zum Teil über 40 Millionen Jahre alt. Ohne den schweren Eispanzer würden sich Teile der Antarktis aufgrund der Isostasie um bis zu 2.500 Meter anheben. Wird das Eis durch den Eigendruck stark komprimiert, verkleinern sich die Lufteinschlüsse in der Kristallstruktur. Dadurch werden alle Farben absorbiert, lediglich der blaue Anteil wird reflektiert: das Eis schimmert bläulich. Das letzte markante Gletscherwachstum fand während der „kleinen Eiszeit“ statt und endete vor etwa 150 Jahren. Seitdem verkleinert sich die Gletschermasse kontinuierlich, mit einem jedoch stark erhöhten Abschmelzen in den letzten Jahrzehnten.

Die Vorstellung, dass Gletscher die Landschaften dieser Erde wesentlich geformt haben, ist jedoch noch nicht sehr alt: Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein hielten die meisten Gelehrten daran fest, dass die Sintflut die Gestalt der Erde prägte.

Die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft schrieb jedoch 1817 einen Preis für ein Thesenpapier zu dem Thema aus "Ist es wahr, dass unsere höheren Alpen seit einer Reihe von Jahren verwildern?" Und spezifizierte weiterhin, dass " eine unpartheyische Zusammenstellung mehrjähriger Beobachtungen über das theilweise Vorrücken und Zurücktreten der Glescher in den Querthälern, über das Ansetzen und Verschwinden derselben auf den Höhen; Aufsuchung und Bestimmung der hie und da durch die vorgeschobenen Felstrümmer kenntlichen ehemaligen tiefern Grenzen verschiedener Gletscher" gesucht sei.

Ausgezeichnet wurde 1822 eine Arbeit von Ignaz Venetz, der auf Grund der Verteilung von Findlingen und Moränen schloss, dass einst weite Teile Europas vergletschert waren. Seine These fand jedoch nur Gehör bei Jean de Charpentier, der wiederum 1834 diese These in Luzern vortrug und dem es gelang, Louis Agassiz davon zu überzeugen. Dem rhetorisch begabten Agassiz, der in den nachfolgenden Jahren intensive Studien zur Gletscherkunde betrieb, gelang es schließlich diese Auffassung als allgemeine Lehrmeinung durchzusetzen.

Gletscher der Welt

Der größte europäische Festlandgletscher ist mit einer Fläche von etwa 500 km² der Jostedalsbreen in Norwegen. Er wird in Europa nur vom Vatnajökull auf der Insel Island übertroffen, der eine Fläche von 8.300 km² bedeckt.

Weitere Rekorde:

Der Kutiah Gletscher in Pakistan ist der schnellste Gletscher der Welt. Im Jahr 1953 wurde eine Fließgeschwindigkeit von 12 Kilometern in drei Monaten gemessen, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 112 Metern pro Tag. Die Fließgeschwindigkeit der Alpengletscher liegt in der Größenordnung von 30 - 150 m pro Jahr, Gletscher im Himalaya fließen mit 500 - 1.500 Meter im Jahr, also 2 bis 4 m am Tag, und in Grönland bewegen sie sich 3 - 10 Kilometer pro Jahr mit circa 10 bis 30 m am Tag. Sowohl der Umfang des Schmelzwasser als auch die Geschwindigkeit des Gletschers variieren im Jahresverlauf mit einem Maximum im jeweiligen Sommer.

Der äquatornäheste Gletscher, der ins Meer kalbt, heißt Ventisquero San Rafael, ist Teil des Campo de Hielo Norte und liegt in Chile. Er befindet sich nahe dem 45. südlichen Breitengrad, was projiziert auf die Nordhalbkugel etwa der Lage von Mailand entspräche..

Heute schmelzen viele Gletscher in den Gebirgen aufgrund der Klimaerwärmung. Sie sind ein Indikator für das Langzeitklima.

Literatur

Siehe auch

Weblinks

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See also: Gletscher, 1817, 1822, 1834, Akkumulation, Alaska, Albedo, Aletschgletscher