Namakrieg

Der Begriff Namakrieg bezieht sich auf einen Aufstand der Nama und Orlam gegen die deutsche Schutztruppe in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika von 1904 - 1908. Dieser Aufstand wird gelegentlich als Teil des Hereroaufstandes gesehen, was sich vor allem daraus erklärt, dass sich der Namaaufstand zeitlich unmittelbar an den Hereroaufstand anschloss und die Schlacht am Waterberg vom August 1904 wohl auch der Auslöser des Namaaufstandes war: die dort auf deutscher Seite gegen die Herero kämpfenden Witbooi wurden Zeuge des brutalen Vorgehens der Schutztruppe gegen die flüchtenden Herero und befürchteten für sich ein ähnliches Schicksal. Die Witbooi versuchten deshalb zu fliehen, wurden entwaffnet und als Arbeitssklaven nach Deutsch-Ostafrika (Togo) verschifft. Dies wiederum war für den Witbooi-Häuptling Hendrik Witbooi der Grund, den mit den Deutschen bestehenden Schutzvertrag aufzukündigen und am 3. Oktober 1904 Deutschland offiziell den Krieg zu erklären. Es gab also einen zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang beider Aufstände, dennoch aber waren sie in keiner Weise aufeinander abgestimmt oder gar ein einheitliches, einem gemeinsamen Plan folgendes Ereignis.


Die den Aufstand beginnenden Witbooi gehören streng genommen nicht zu den Nama ,sondern zu den Orlam; allerdings sind letztere mit dem Nama-Volk verwandt und es war auch ein Nama-Stamm an dem Aufstand beteiligt: die Fransmann-Nama unter ihrem Häuptling Simon Koper. Die Witbooi hatten im Hereroaufstand Erfahrungen mit der deutschen Kriegsführung gesammelt und vermieden daher eine offene Feldschlacht mit den besser bewaffneten deutschen Soldaten. Statt dessen zogen sie sich in den Schutz der Karrasberge zurück und starteten von dort aus kleinere, aber überaus wirkungsvolle Angriffe gegen die Schutztruppe. Bei einem solchen Überfall wurde Hendrik Witbooi schwer verwundet und verstarb kurz danach am 29.10.1905. Sein Nachfolger Isaak Witbooi kapitulierte im Dezember 1905 vor der Übermacht der Schutztruppe. Der Krieg jedoch wurde unter der Führung des Fransmann-Häuptlings Simon Koper und des Nama-Herero-Mischlings Jacob Morenga fortgeführt. Morenga wurde im Mai 1906 verwundet, kann jedoch über den Oranje in den Schutz der Engländer entkommen und wurde dort verhaftet; Simon Koper kapitulierte mit seinem Stamm im März 1907 und wurde mit insgesamt ca. 2.000 Nama auf der Haifischinsel/Lüderitzbucht interniert. Die Lebensverhältnisse in diesem Internierungslager waren so katastrophal, dass nur ca. 450 Nama die Internierung überlebten. Im Juli 1907 erklärte die deutsche Kolonialmacht das offizielle Ende des Namakriegs. Allerdings konnten sowohl Morenga als auch Koper aus ihrem jeweiligen Gewahrsam fliehen und in die Karasberge zurückkehren, um mit den dort verbliebenen Stammesresten den Kampf gegen die Deutschen fortzusetzen. In einer zwischen Deutschen und Engländern abgestimmten Aktion konnten die Aufständischen in die Kalahari abgedrängt und dort gestellt werden. Jacob Morenga fiel am 19.September 1907, Simon Koper' in der letzten Schlacht des Namakrieges am 16.März 1908.


Der Namakrieg hat den Witbooi und Nama ca. 10.000 Opfer gekostet und deren Bevölkerungszahl nahezu halbiert.

See also: Namakrieg, Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Hendrik Witbooi, Herero, Hereroaufstand, Jacob Morenga, Kalahari, Lüderitzbucht, Nama