Nationalrat (Österreich)

thumb|250px|Österreichisches Parlament

Der Nationalrat ist die Abgeordnetenkammer des österreichischen Parlaments. Der Name leitet sich vom Reichsrat für Cisleithanien aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie ab.

Der Nationalrat besteht aus 183 Abgeordneten. Den Vorsitz hat einer der 3 Nationalratspräsidenten. Als Erster Nationalratspräsident fungiert in der derzeitigen Gesetzgebungsperiode Dr. Andreas Khol (ÖVP), als Zweite Nationalratspräsidentin Mag.Barbara Prammer (SPÖ), als Dritter Präsident DI Thomas Prinzhorn (FPÖ).

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben

Der Nationalrat beschließt einfache Bundesgesetze mit einfacher Mehrheit bei Anwesenheit von mindestens einem Drittel der Abgeordneten. Auf gleiche Weise kann er sich auflösen oder der Bundesregierung bzw. einzelnen Ministern das Misstrauen aussprechen. Für Bundesverfassungsgesetze ist eine Zweidrittelmehrheit bei Anwesenheit mindestens der Hälfte der Abgeordneten notwendig.

Derzeitige Sitzverteilung

Die Sitzaufteilung gemäß der Nationalratswahl vom 24. Nov. 2002 ist wie folgt:

Partei 2002 (1999)
ÖVP 79 (52)
SPÖ 69 (65)
FPÖ/BZÖ1 18 (52/0)
Grüne 17 (14)
Quelle: Österreichischer Nationalrat - Sitzplan im Plenarsitzungssaal

1 Am 4. April 2005 kam es zur Abspaltung einer neuen Gruppierung, des "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ), von der FPÖ. Der Großteil der vorherigen FPÖ-Nationalratsabgeordneten wechselte zum BZÖ. Zurzeit bilden diese beiden Parteien jedoch noch einen gemeinsamen Parlamentsklub (Freiheitlicher Klub).

Nationalratswahlergebnisse in der Zweiten Republik

Im folgenden die Nationalratswahlergebnisse seit 1945 in Prozent der gültigen Stimmen und Anzahl der Mandate

Jahr SPÖ ÖVP FPÖ1 Grüne2 LIF KPÖ3 Sonstige
1945 44,6 76 49,8 85             5,4 4 0,2 0
1949 38,7 67 44,0 77 11,7 16         5,1 5 0,5 0
1953 42,1 74 41,3 73 10,9 14         5,3 4 0,4 0
1956 43,0 74 46,0 82 6,5 6         4,4 3 0,1 0
1959 44,8 78 44,2 79 7,7 8         3,3 0 0,1 0
1962 44,0 76 45,4 81 7,0 8         3,0 0 0,5 0
1966 42,56 74 48,35 85 5,35 6         0,41 0 3,33 0
1970 48,4 81 44,7 78 5,5 6         1,0 0 0,4 0
Umstellung auf 183 Mandate
1971 50,0 93 43,1 80 5,5 10         1,4 0 0,0 0
1975 50,4 93 42,9 80 5,4 10         1,2 0 0,0 0
1979 51,0 95 41,9 77 6,1 11         1,0 0 0,0 0
1983 47,6 90 43,2 81 5,0 12 3,4 0     0,7 0 0,1 0
1986 43,1 80 41,3 77 9,7 18 4,8 8     0,7 0 0,3 0
1990 42,8 80 32,1 60 16,6 33 4,8 10     0,6 0 3,3 0
1994 34,9 65 27,7 52 22,5 42 7,3 13 6,0 11 0,3 0 1,4 0
1995 38,1 71 28,3 52 22,0 41 4,8 9 5,5 10 0,3 0 1,1 0
1999 33,2 65 26,9 52 26,9 52 7,4 14 3,7 0 0,5 0 1,5 0
2002 36,51 69 42,30 79 10,01 18 9,47 17 0,98 0 0,56 0 0,17 0

1 1949 als VdU (Wahlpartei der Unabhängigen)

2 1983 ALÖ (Alternative Liste Österreichs) und VGÖ (Vereinte Grüne Österreichs)

3 1953 VO (Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition) 1956 - 1966 KuL/KLS (Kommunisten und Linkssozialisten)

Historisches

Nach der Revolution von 1918 bildeten zunächst die deutschen Abgeordneten des alten Reichsrats das Parlament von Deutsch-Österreich. Zuerst nahmen auch sudetendeutsche Parlamentarier aus Böhmen, Mähren und Schlesien an den Sitzungen teil. Nach dem Friedensvertrag von St. Germain war die Zuständigkeit des Parlaments ab Mitte 1919 auf die Republik Österreich in ihren heutigen Grenzen beschränkt und es erfolgten Neuwahlen. Der Nationalrat hatte bereits in der Ersten Republik mit der neuen Verfassung 1920 183 Abgeordnete. 1925 wurde die Anzahl aber auf 165 reduziert. Das dauerte bis zur Ausschaltung des Parlaments 1933. Erst 1971 in der Zweiten Republik wurde die Anzahl wieder auf 183 erhöht.

Siehe auch

Weblinks

See also: Nationalrat (Österreich), 1918, 1919, 1920, 1925, 1933, 1945, 1949, 1953, 1956