Nationalsozialismus

Hinweis: Dieser Artikel behandelt die Weltanschauung des historischen Nationalsozialismus. Zur Geschichte Deutschlands in der Zeit von 1933 bis 1945 siehe: Zeit des Nationalsozialismus.


Nationalsozialismus bezeichnet die Weltanschauung, die das Denken und Handeln der Machthaber in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus in den Jahren 1933-1945 bestimmte. Es war ihre eigene propagandistisch motivierte Bezeichnung, die später in der Bundesrepublik übernommen wurde; in der DDR wurde dafür die Bezeichnungen „Faschismus“ und „Hitlerfaschismus“ verwendet. Die Bezeichnung „Nationalsozialismus“ rührt daher, dass in dem 1920 erschienen Programm der NSDAP tatsächlich eine sozialistische Gesellschaftsordnung gefordert wurde. Die Partei der deutschen Nationalsozialisten war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Der Begriff Nazismus, in Deutschland eher selten verwendet, ist die wieder eingedeutschte Version des englischen Wortes nazism. In Deutschland wird häufig der Begriff Nazi für einen Anhänger des Nationalsozialismus verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Hauptmerkmale des Nationalsozialismus

Es ist strittig, inwieweit es eine geschlossene nationalsozialistische Ideologie gab. Überliefert ist dazu die Aussage Hans Franks aus den Nürnberger Prozessen, dass es „soviele Nationalsozialismen wie Nationalsozialisten“ gegeben habe. Die Frage muss aber letztlich offen bleiben, weil man lediglich vermuten kann, inwieweit der Nationalsozialismus als Ideologie seinen ‚Führer‘ überdauert hätte, um den herum, als dem absoluten, zentralen Mittelpunkt, das komplette politische System aufgebaut war.

Es lassen sich aber einige Hauptmerkmale benennen:

Zentrale Grundlagen nationalsozialistischen Handelns waren der Antikommunismus, Antisemitismus und die Ablehnung der Demokratie. Ähnlich wie der Faschismus in Italien, die deren Urheber Benito Mussolini als „Verschmelzung von Großkapital und Staat“ definierte, waren die Nationalsozialisten von deutschen, wie auch ausländischen Unternehmern im Glauben an ein Bollwerk gegen den Bolschewismus finanziell aufgebaut worden.

[[Bild:Anti-Semitismus 1933.jpg|thumb|Antisemitismus, 1. April ]]

Der Antisemitismus speiste sich aus verschiedenen, teilweise widersprüchlichen, Richtungen. So wurden Juden als Sündenböcke pauschal für Missstände, wie Massenarbeitslosigkeit, Verstädterung, Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte, Zersiedelung der Landschaft usw. verantwortlich gemacht. Sie wurden auch als Hintermänner von Marxismus und auch Kapitalismus dargestellt und als ‚zersetzend‘, einer „minderwertigen Rasse angehörend“ gebrandmarkt.

Der Begriff der Rasse war ein zentraler Begriff nationalsozialistischer Weltanschauung. Es wurde die „Überlegenheit einer arischen Rasse“ über andere Rassen postuliert, wobei „Arier“ fälschlicherweise mit Indogermane gleichgesetzt wurde. Diese sollten vor dem schädlichen Einfluss, den die Nationalsozialisten in der ‚Vermischung‘ mit anderen Rassen sahen, bewahrt werden.

Das eigentliche wichtige für die Nationalsozialisten war die „Reinheit des Blutes“. Damit rechtfertigten sie die so genannte Arisierung des Dritten Reiches, z.B. die in den Nürnberger Gesetzen erlassenen Heiratsverbote von Deutschen mit „überwiegend anderer Rasse zugehörigen“ Partnern.

Die Sterilisierung von geistig Behinderten, psychisch Kranken und von Schwerverbrechern sollte verhindern, dass sich ‚krankes‘ Erbgut weitervererben konnte.

Parallel wurde die Aufrüstung betrieben, zuerst geheim, dann offen. Sobald die Wehrmacht stark genug sein würde, wollten Hitler und andere hohe Nazi-Führer gezielt Angriffskriege einfädeln. Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln ‚niedergekämpft‘ werden. Das Endziel war die Eroberung und Ausbeutung des kontinentalen Festlands, Großbritanniens und der Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk–Uralgebirge–Kaukasus und die Besiedelung dieser Gebiete durch die ‚Herrenrasse‘. Die Herrschaft über die besetzten Gebiete sollte durch Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen gestärkt werden.

Machtergreifung des Nationalsozialismus

In Deutschland verpasste Hitler mit der NSDAP bei den Reichstagswahlen Anfang 1933 nur knapp die absolute Mehrheit, infolgedessen schloss er vorerst einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP. Hitler wurde als Vorsitzender der stärksten Partei des Reichstags Reichskanzler. Obwohl die Nazis diesen Tag (30. Januar 1933) als Tag der "Machtergreifung" propagandierten, war es doch vorerst nur ein ganz normaler Regierungswechsel. Dann jedoch inszenierten die Nazis den "Reichstagsbrand" und gaben die Schuld dafür der KPD. Infolge dessen wurden die Grundrechte durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg nach §48 außer Kraft gesetzt. Dadurch konnten die Nazis ohne Probleme ihre politischen Gegner ausschalten. Die totale Macht erlangten die Nazis aber erst durch das Ermächtigungsgesetz, für das sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigten, die sie durch das Verbot der KPD und einen Pakt mit dem Zentrum erlangten. Außerdem zählten sie die Stimmen der unentschuldigt abwesenden Abgeordneten, die größtenteils in Konzentrationslagern festgehalten oder durch andere Maßnahmen der SA/SS von der Abstimmung ferngehalten wurden. Durch dieses Gesetz nahm der Reichstag sich selbst die Macht, indem er die Trennung von Exekutive und Legislative aufhob und sich damit selbst überflüssig machte

Grundlagen und Weiterentwicklungen

Ideologische Grundlage des Nationalsozialismus ist die Anfechtung des allgemeinen menschlichen Grundwertes, nach welchem der Mensch seinen Wert als solcher besitzt, das heißt ohne alle Leistung. Die Grundwerte des NS sind darum weder neu noch auf eine bestimmte historische Zeit beschränkt. Sie sind die der Leistungsgesellschaft, nur eben radikal und total. Die Inszenierung der Arbeit, des Körpers, der Technik, das Absinken der Künste auf die Beschwörung des Willens ist genauso Ausdruck dieser Sicht des Menschen wie das System der Arbeitslager und die Vernichtung sogenannten „unwerten Lebens“. (Siehe auch Asoziale) Der Versailler Vertrag und die Folgen der Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre machten der Leistungsideologie und dem Gefühl um seine Leistung betrogen zu sein die Tore weit auf. Anders aber zeigt das Beispiel des Antisemitismus, gegründet auf dem Mythos die jüdische Kultur lebe auf Kosten der deutschen, die geringe Bindung der Leistungswerte zur Wirklichkeit. Wesentliche Elemente der NS-Ideologie wurden von Adolf Hitler in seinem Buch Mein Kampf niedergeschrieben. Das Buch galt als Grundlage aller anderen Schriften des Nationalsozialismus. Als bedeutender Ideologe wird daneben Alfred Rosenberg angesehen, der mit seinem Buch "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" eine sehr weite Verbreitung seiner Gedanken erreichen konnte. Der "Mythus" Rosenbergs wurde zusammen mit Hitlers "Mein Kampf" in den Grundstein der riesigen Kongresshalle in Nürnberg eingemauert, um die Grundlagen des Nationalsozialismus für die Zukunft zu bewahren. Gleichwohl wurde Rosenbergs Buch sogar von führenden NS-Politikern nicht sehr ernst genommen. Besonders Goebbels soll über Rosenberg immer wieder gespottet haben.

Eine eigene Weiterentwicklung der nationalsozialistischen Ideologie nahm Heinrich Himmler vor. Die bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden in den SS-Einrichtungen wie den "Ordensburgen" (die Himmler als Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit deutlichen östlichen Einflüssen, die sich in der SS entwickelten, haben das Kriegsende überdauert und leben - meist als unpolitische religionsähnliche Lehren - bis heute fort. Himmler nahm auch eine Europäisierung vor. Bekannt sind vor allem die Freiwilligen-Einheiten der "Europäischen SS" aus vielen Ländern, jedoch gab es auch Konzepte für einen europäischen Wirtschaftsraum.

Häufig nahm der Nationalsozialismus religiöse Züge an. Auf den Reichsparteitagen wurde der Nationalsozialismus geradezu zelebriert, was durch den Film "Triumph des Willens" der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur christlichen Religion war daher auch zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit einem "Deutschen Christentum" die Religion für den Nationalsozialismus einzuspannen. Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die Himmlersche Bezugnahme auf Buddha und vorbuddhistische indische Schriften. Die Haltung der Religionen und derer Vertreter während des NS-Regimes muss differenziert gesehen werden (siehe hierzu Religion während des Nationalsozialismus).

Hinzu kam der "Blut und Boden-Mythos" und die Verherrlichung des Bauernstandes (der "Nährstand") sowie eine Art von Nostalgie. Viele Nationalsozialisten lehnten die Verstädterung und die zunehmende Industrialisierung ab und sehnten sich nach einem Land, das wie eh und je von Bauern bestellt wurde. Auch Heinrich Himmler hatte solche Gedanken, als er vorschlug, die eroberten Gebiete der Sowjetunion mit Bauern zu besiedeln, die zugleich Soldaten ("Wehrbauern") waren. Russen, Ukrainer und Polen sollten die Landarbeiter, das Hauspersonal, die Bauarbeiter oder die Hilfsarbeiter stellen.

Zitat

"Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie."
Theodor W. Adorno (Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit? 1959)

Literatur

siehe auch

Weblinks

!Nationalsozialismus Kategorie:Rassismus

See also: Nationalsozialismus, 1. April, 1920, 1933, 1945, 1959, Adolf Hitler, Alfred Rosenberg, Anmerkungen zu Hitler, Antibolschewismus