Naturphilosophie
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Anfänge
Die Naturphilosophie des antiken Griechenland gilt als der Vorläufer der modernen Naturwissenschaften. Die ersten Naturphilosophen werden zu den Vorsokratikern gezählt. Wichtige klassische Naturphilosophen sind Thales, Aristoteles und Plinius der Ältere.
Die Naturphilosophen befassten sich mit Fragen nach dem Ursprung der Welt und suchten zu verstehen, nach welchen Prinzipien Vorgänge in der Natur ablaufen. Bei der Erklärung der Naturerscheinungen gingen die ionischen Philosophen von der Annahme eines einheitlichen materiellen Prinzips, eines gemeinsamen Urgrundes (arché) aus. Als dieses Arché betrachteten sie das Wasser (bei Thales), das Apeiron (bei Anaximander) oder die Luft (bei Anaximenes).
Viele antike Naturphilosophen verfassten ein Werk mit dem Titel "Über die Natur" (Peri physeos). Die Naturphilosophie befasste sich insbesondere mit Mathematik, Astronomie / Astrologie, Physik, Technik, Geographie, Medizin, Botanik und Zoologie.
Moderne Naturphilosophie
Auch die moderne Naturphilosophie untersucht, was die Natur ist, und hat dabei stets den Bezug zur Gesamtwirklichkeit im Blick. Sofern sie die Weltordnung bzw. das Weltall behandelt, heißt sie auch Kosmologie. Wichtige Naturphilosophen in der Renaissance- und Barockzeit sind Copernicus, Giordano Bruno, Johannes Kepler und Isaac Newton. Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, ein Denker des deutschen Idealismus, entwarf zuerst einen Parallelismus zwischen Natur und Geist, doch weiter behauptete er, dass die Naturphilosophie grundsätzlicher sei als die Transzendentalphilosophie. Dagegen galt für Johann Gottlieb Fichte die Natur als kein eigentlicher Gegenstand der Philosophie. Das Thema "Natur und Kunst" wurde eingehend von Friedrich Schiller bearbeitet.
In der Naturphilosophie gilt zunächst zu klären, was mit dem Begriff Natur gemeint wird. Teilweise wird „Natur" synonym mit „Wesen" verwendet. In diesem Sinne bedeutet Natur dann die Wesensart jedes Seienden, zielt jedoch vor allem auf das Dynamische, das innere Prinzip des Wirkens, etwa der Bewegung. Neben der Kosmologie ist das Leben ein weiterer Schwerpunkt naturphilosophischen Denkens. In diesem Verständnis meint Natur zunächst die auf die Geburt zurückgehende Eigenart des Lebendigen. (Der Begriff „Natur" stammt sprachlich vom lat. natura, dem das griech. physis entspricht). Aus diesem Grunde wird der Mensch oft nicht im Rahmen der Naturphilosophie, sondern in einem eigenen Teilgebiet der Philosophie, nämlich der Anthropologie, behandelt. Der Begriff Natur kann darüber hinaus das ursprünglich von Gott Geschaffene im Gegensatz zu dem durch die menschliche Kultur (und damit etwa durch die Technik) Hervorgebrachten meinen.
Begreift man den Menschen und den menschlichen Geist jedoch als Teil der Natur, so werden diese Unterscheidungen hinfällig. Gerade Wissenschaften an der Schnittstelle von "Geist" und "Natur" wie die Paläoanthropologie oder auch die Hirnforschung legen es nahe, die Naturphilosophie einer umfassenderen Realphilosophie unterzuordnen, die sich auch mit Phänomenen des Geistes und der Kultur auseinandersetzt.
Naturphilosophie und Naturwissenschaft
Von seiten vieler Naturwissenschaftler heißt es, die Naturphilosophie sei nicht (mehr) nötig bzw. sinnvoll, da die modernen Naturwissenschaften ihre Rolle übernommen hätten. Verschiedene Philosophen sind hingegen der Ansicht, dass die Wirklichkeit (das „Buch der Natur") nicht rein naturwissenschaftlich-mathematisch zu verstehen sei. Während sich das Materialobjekt von Naturwissenschaft und Naturphilosophie größtenteils deckt, zeigt das Formalobjekt deutlich die Unterschiede. Die Naturwissenschaften untersuchen nicht die Natur "als solche", sondern erforschen – vor allem mit Hilfe von Beobachtung und Experiment – die Gesetzmäßigkeiten der Naturvorgänge. Die Naturphilosophie dagegen arbeitet auf einer höheren Abstraktionsstufe, indem sie bis zum "innersten Wesen" sowie den Bedingungen der Möglichkeit des Natürlichen aufsteigt. Naturphilosophie bedeutet eine Rückführung auf allgemeinste Prinzipien und damit eine ausdrückliche Bindung an die Metaphysik. Eine solche metaphysische Betrachtung wird von der empirischen Naturwissenschaft abgelehnt, da sie zu nicht falsifizierbaren und damit unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten sinnlosen Behauptungen führe.
Abgrenzung
Die Philosophie der Natur ist nicht zu verwechseln mit Philosophie der Wissenschaften von der Natur, also der Philosophie der Naturwissenschaften. Man kann die Naturphilosophie in die Untersuchung der belebten und der unbelebten Natur unterteilen.
Literatur
- Rapp, Christof: Aristoteles. Zur Einführung, Hamburg 2004. ISBN 3-88506-346-8
- Egbert Scheunemann: Von der Natur des Denkens und der Sprache. Fragmente zur Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie und physikalisch-biologischen Wirklichkeit, Frankfurt/a.M. 2003, Peter Lang Verlag, ISBN 3-631-50790-9.
Weblinks
- Schelling: http://www.uni-kassel.de/~schmiedk/Schelling.htm
- Schiller: http://www.wissen-im-netz.info/literatur/schiller/prosa/aestherzieh/index.htm
- Mutschler: http://www.akademieforum.de/grenzfragen/open/Grundlagen/Mu_Naturphil/frame.htm H.-D. Mutschler: Was ist Naturphilosophie?
Siehe auch
Kategorie: Philosophie
Kategorie:Geschichte der Naturwissenschaft
