Negation

Eine Negation (v. lat.: negare = verneinen) bezeichnet

Inhaltsverzeichnis

Ethik

In der Ethik bedeutet Negation die Ablehnung eines moralischen Wertes.

Philosophie

In der Philosophie bedeutet Negation die Aufhebung von etwas durch etwas Entgegengesetztes. (Beispiel: der Tod als Negation des Lebens.) Durch die Negation entsteht eine andere Qualität. Durch die Negation der Negation entsteht wieder eine neue Qualität, die sich möglicherweise stark vom Ausgangszustand unterscheidet. Bei dieser Art der Negation spielt die Zeit eine große Rolle. Sie ist eine Darstellung jeder Entwicklung. Bei der Empfängnis wird der Tod negiert, Leben entsteht. Das Lebewesen entwickelt sich, wird geboren und stirbt endlich. Dabei ist aber nicht der Ausgangszustand wieder erreicht. In der Zwischenzeit hat das Lebewesen sich bewegt, gehandelt, eventuell Nachwuchs erzeugt, die Umwelt verändert und gegebenenfalls seine Gene weitergegeben.

Linguistik

In der Sprachwissenschaft bedeutet Negation die Verneinung; sowie das Wort, das eine Verneinung ausdrückt, siehe auch: Doppelte Verneinung. Für die Negation kommt es auf den Inhalt der Aussage an. Sprachlich kann der Inhalt unterschiedlich realisiert werden (siehe auch Sprechakt.) Eine Negation wird nicht notwendigerweise durch das Wort "Nein" bezeichnet. Die Oberflächenstruktur und die Tiefenstruktur der Negation kann sich dabei unterscheiden. Die gleiche Aussage "Nein!" kann sprachlich unterschiedlich realisiert werden und hängt von Bedingungen und vom Dialekt ab. So bedeutet "nein" als Antwort auf die Frage "Du kommst heute wohl nicht mit?" eine Bestätigung des Nichtmitkommens, also logisches "Ja". Um logisches "Nein" auszudrücken, muss die Antwort "Doch!" lauten. Eine andere Möglichkeit wäre, in einem ganzen Satz zu antworten: "Nein, ich komme nicht mit!" oder "Doch, ich komme mit!". "*Ja, ich komme mit!" wird nur spitzfindig von Spaßvögeln angewendet. Das Gegenteil einer Negation, also eine bejahende Aussage, bezeichnet man als Affirmation.

Logik

In der formalen Logik bezeichnet die Negation eine logische Operation. Bei der Ausführung der Negation wird zu einer Aussage p eine Aussage mit entgegengesetztem Wahrheitswert gebildet, so dass in der zweiwertigen Logik gilt:

wenn die Aussage p wahr ist, so ist - wenn \sim p das Negat von p bedeutet - die Aussage \sim p falsch, und umgekehrt.

Die logische Negation der Aussage p führt zur Konstruktion des logischen Gegensatzes von p. Werden beide Aussagen konjunktiv miteinander verknüpft:

( p \wedge \sim p)

so ergibt sich der Wahrheitswert 0, bei der Disjunktion der Wahrheitswert 1.

Die Negation ist ein Spezialfall der Subjunktion: Sei f (lies: falsch oder falsum) per definitionem nicht herleitbar. Dann ist A \rightarrow f nichts anders als \simA.

In einer dialogischen, intuitionistischen und in der mehrwertigen Logik hat die Negation "Effekte".

Beispiel: Mehrwertige Logik mit den Wahrheitswerten: sicher, möglich, unmöglich


Schreibweise für die Negation:

Sprechweise dafür:

nicht a

Kunst

In der Kunst gibt es verschiedene Aspekte der Negation. So wird eine Kunstrichtung durch eine andere abgelöst und damit negiert. Neue Methoden treten an die Stelle der alten. "L'art pour l'art" verneinte die Zweckgebundenheit von Kunst.

Während vor der Erfindung der Fotografie lange Zeit eine detailgetreue realistische Darstellung das Ziel in der Malerei war, verlegte sich die Malerei danach auf abstrakte, impressionistische, expressionistische, kubistische und andere Darstellungen einer Wirklichkeit, die nicht von der Kamera gesehen wurde. Oftmals hatten diese Kunstrichtungen auch Programme, die vieles bisherige, dagewesene zurückwiesen.

Der Dadaismus verneinte die gesamte bis dahin gültige Kunst und verspottete sie. Im Dadaistischen Manifest heißt es: "Das Wort Dada symbolisiert das primitivste Verhältnis zur umgebenden Wirklichkeit, mit dem Dadaismus tritt eine neue Realität in ihre Rechte. Das Leben erscheint als ein simultanes Gewirr von Geräuschen, Farben und geistigen Rhythmen, das in die dadaistische Kunst unbeirrt mit allen sensationellen Schreien und Fiebern seiner verwegenen Alltagspsyche und in seiner gesamten brutalen Realität übernommen wird."

Kunst versucht die Wirklichkeit zu beschreiben oder versucht, sie zu negieren, wie die situationistische Künstlerbewegung der 60er, die die Arbeit, den Kapitalismus und schliesslich die Kunst selbst durch Überführung in den Alltag negieren, also aufheben wollte.

In Form der virtuellen Realität versucht sie, die Wirklichkeit zu ersetzen oder sich ihr anzunähern, Raum und Zeit zu überwinden. Auch Negativmaterial und Falschfarben negieren die gewohnte Welt im visuellen Bereich.

In der Musik spielen die Pause und die Stille - die Negation des Tones - eine große Rolle. Negation als Zerstörung: Jimi Hendrix zerfetzte musikalisch die amerikanische Nationalhymne und zündete seine Gitarre an. Die Punk-Bewegung negierte mit ihrer Rebellion alle Sitten und Werte der gutbürgerlichen Gesellschaft.

Ethnologie

Im Fest und im Ritual ist der Alltag aufgehoben (negiert).

Siehe auch

See also: Negation, Abstrakt, Affirmation, Alltag, Aussagenlogik, C-Plusplus, C (Programmiersprache), Dadaismus, Dialogische Logik, Disjunktion