Negation (Philosophie)


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Kategorie:Philosophieartikel

Die Negation (lateinisch negatio : Verneinung ) eigentlich: die Verneinung - bezeichnet

Inhaltsverzeichnis

Zur "dialektischen Negation" in der materialistischen Dialektik

Streng von der logischen ist die dialektische Negation zu unterscheiden. Handelt es sich bei der logischen Negation ausschließlich um eine gedankliche Operation, so ist die dialektische Negation in erster Linie ein objektiv-realer Prozess beziehungsweise das Resultat eines solchen im Bereich der Natur, der Gesellschaft oder auch des Denkens. Während der Vollzug einer logischen Negation zum logischen, kontradiktorischen Gegensatz einer Aussage führt, bedeutet die dialektische Negation den auf Grund des Wirkens innerer dialektischer Widersprüche erfolgenden realen Umschlag einer gegebenen Qualität einer Erscheinung in ihren dialektischen Gegensatz, der - als bestimmte Qualität - selbst positive Bestimmungen aufweist. (Hinweis: zum Verständnis sollte das Stichwort "Qualität" nachgelesen werden).

Zum Wesen der dialektischen Negation auch bei Spinoza

Die dialektische Negation ist somit nicht bloße Negation eines gegebenen Zustandes, sondern die Negation als Moment des Zusammenhangs, als Moment der Entwicklung bei Erhaltung des Positiven. In diesem Sinne wird der Begriff "Negation" bereits von Spinoza verwendet. Nach ihm ist jede Bestimmung zugleich eine Verneinung: omnis determinatio est negatio. Seine umfassende Darstellung erhält der Begriff der dialektischen Negation durch Hegel, der ihn in der doppelten Bedeutung des Begriffs "Aufheben" fasst:

  "Aufheben hat in der Sprache den doppelten Sinn, daß es so viel als aufbewahren,     
    erhalten bedeutet und  zugleich so viel als aufhören lassen, ein Ende  machen....
    So ist das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes"
 

Zum Wesen der Negation bei Hegel

Die Negation einer Position, einer bestimmten Qualität enthält demzufolge nicht nur das Moment des Hinausgehens über die Grenze dieser Qualität, des Übergangs derselben in eine andere, sondern bewahrt zugleich das als positiv in der alten Qualität Gesetzte in sich auf:

"Was sich aufhebt, wird dadurch nicht zu Nichts...., ein Aufgehobenes .... ist das Nichtseiende, aber als Resultat, das von einem Sein ausgegangen ist. Es hat daher die Bestimmtheit, aus der es herkommt, noch an sich(Hegel, in: Logik, I, 94).

Bei Hegel ist die dialektische Negation jedoch nur ein Moment der Entwicklung des Begriffs, der absoluten Idee.

Die Negation als Moment des Entwicklungsprozesses

In der materialistischen Dialektik wird die dialektische Negation als ein wesentliches Moment jedes Entwicklungsprozesses in der Natur, der Gesellschaft und im Denken betrachtet. Der Umfang der dialektischen Bestimmungen, den Hegel am Begriff der Negation aufdeckte, bleibt in der materialistischen Interpretation erhalten. Die dialektische Negation einer objektiv existierenden Qualität ist nicht nur Veränderung, Um- oder Verwandlung derselben, sondern zugleich die Entstehung einer neuen Qualität aus der alten.

Diese Negation als wesentliches Moment der Entwicklung ist das Resultat des Wirkens innerer Widersprüche einer Erscheinung, die der betreffenden Qualität zugehörig sind. Als aufgehobene konkrete Qualität ist die dialektische Negation ebensosehr konkrete Position: Negation als ein bestimmtes Etwas, das einem bestimmten, gegebenen Inhalt über innere Widersprüche zur Ersetzung des alten Inhalts zu einem weiterentwickeltem, höher entwickeltem Inhalt führt.

Anschauliches Beispiel:

Die aus dem Samenkorn entwickelte Pflanze steht für die dialektische Negation des Korns. Sie bedeutet nicht nur die Auflösung der Qualitäten des Korns, sondern bewahrt zugleich alle seine für die weitere Entwicklung der Art wesentlichen und notwendigen Eigenschaften - vor allem die Erbeigenschaften - in sich auf und ermöglicht dadurch mit anderen Momenten die weitere Entwicklung.

Auch die gesellschaftliche Umwandlung und Weiterentwicklung ist als dialektischer Prozess der Negation möglich. Dabei werden allerdings nicht bloß die bisherigen Verhältnisse negiert, sondern im Prozess des Übergangs werden die positiven Eigenschaften bewahrt und aufgenommen (das heißt die Schätze der Volkskultur, des Wissens, der Wissenschaften, der Technik und anderes). In der doppelten Bedeutung des Wortes "Aufheben" ist eine dialektische Negation zugleich Ausdruck der dialektischen Einheit von Kontinuität und Diskontinuität in Entwicklungsprozessen.

Zu den Bedingungen des realen Entwicklungsprozesses als Negation

Eine dialektische Negation als Bestandteil eines realen Entwicklungsprozesses hängt in ihrer konkreten Ausgestaltung in erster Linie von den inneren Bedingungen, der Struktur des bestreffenden Objektes ab. Sie kann nur positiv dann erfolgen, wenn die inneren Bedingungen des Objektes so ausgebildet sind, dass die äußeren Einwirkungen, denen es ausgesetzt ist, von ihm verarbeitet werden können und sich in einer neuen Verhaltensweise des Objektes äußern.

Ist dies nicht gegeben, das heißt sind die äußeren Einwirkungen der Art, dass sie sich nicht über die inneren Bedingungen in einem entsprechenden Entwicklungsprozess des Objektes niederschlagen, sondern zu seiner Zerstörung führen, so liegt der Fall der "unbedingten Verneinung" vor, die schon keine dialektische Negation mehr ist, sondern eine reine metaphysische.

Die metaphysische Auffassung der Negation zeichnet sich dadurch aus, dass alle objektiv-realen Negationen materieller dynamischer Systeme als metaphysische verstanden werden. Es werden die negativen Momente der Negation verabsolutiert, die möglichen destruktiven Momente als gegeben hingestellt und zeigt keine Fähigkeiten, die Negation als Moment der Entwicklung zu begreifen.

See also: Negation (Philosophie), Absolute Idee, Baruch Spinoza, Hegel, Kontinuität und Diskontinuität, Latein, Omnis determinatio est negatio, Qualität (Philosophie)