Negative Einkommensteuer
Eine negative Einkommensteuer ist eine Einkommensteuer, bei der die einkommensstärkeren Haushalte Abgaben entrichten müssen, während die einkommensschwächeren Haushalte Transferzahlungen erhalten.
Die überwiegende Mehrheit der Experten ist sich über die Eignung der negativen Einkommensteuer einig. In einer Befragung von Wirtschaftswissenschaftlern, die in Unternehmungen, beim Staat und in Hochschulen tätig waren, stimmten 79 % der Befragten der These zu, dass die Regierung die Sozialhilfen nach Grundsätzen einer negativen Einkommensteuer umgestalten sollte (Quelle: Richard M. Alston, J. R. Kearl, and Michael B. Vaughn, Is There Consensus among Economists in the 1990s? American Economic Review, May 1992, 203-209).
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Beispiel
Beispielsweise könnte sich die Steuerschuld nach folgender Formel berechnen:
Bei einem Einkommen von 90.000 €/Jahr wären 25.000 €/Jahr Steuern zu entrichten, bei einem Einkommen von 15.000 €/Jahr läge die Steuerschuld bei 0 €/Jahr und bei einem Einkommen von 6.000 €/Jahr bekäme der Haushalt Transferzahlungen in Höhe von 3000 €/Jahr vom Staat.
Gegenüber dem Stand von August 2004 wäre in diesem Beispiel bei dem Einkommen von 90.000 €/Jahr eine Entlastung im Jahr von 5.000 €/Jahr gegeben, bei dem von 15.000 €/Jahr eine von 739 €/Jahr (Quelle: SPIEGEL-Online). Nimmt man den Sozialhilferegelsatz etwa von Berlin (2003) von 296 €/Monat als Grundlage (Haushaltsvorstand, alleinstehend), so kommt dieser ohne Mietzuschüsse oder sonstige Einmalleistungen bereits auf 3.552 €/Jahr .
Ungeklärt bleibt die Frage der Finanzierung und der Verteilungswirkung, da etwa in Deutschland ein wachsender Anteil des Steueraufkommens aus der Lohn- und Einkommensteuer finanziert wird. Als Alternative wird u. a. eine bedarfsorientierte Grundsicherung vorgeschlagen.
Geschichte
Die Idee der negativen Einkommensteuer wurde in den 1940er Jahren von Juliet Rhys-Williams geäußert.
In den 1960er Jahren wurde die Idee von Milton Friedman erneut in die Diskussion gebracht.
Der in den USA seit 1973 existierende Earned Income Tax Credit (EITC) ähnelt dagegen teilweise mehr einem Kombilohn. Zwar wird er von den Finanzbehörden ausgezahlt, wird aber gesondert berechnet. Zudem werden mit dem EITC sozialpolitische Ziele verfolgt. So erhält den Zuschuss nur, wer arbeitet. Der Zuschuss steigt mit steigendem Verdienst zunächst an, da er prozentual an das Einkommen gekoppelt ist. Bis zu einem Jahreseinkommen von 9.380$ beträgt er 40 Prozent. Bis zu einem Jahreseinkommen von 12.275$ bleibt der Zuschuss konstant und geht dann mit jedem hinzuverdienten Dollar zurück.
In Deutschland verfolgt die FDP ein Modell einer negativen Einkommensteuer. Bürger mit höherem Einkommen zahlen demnach Steuern; wer wenig oder nichts verdient, bekommt das sogenannte Bürgergeld als "negative Einkommensteuer" ausbezahlt.
Bewertung
Befürworter dieser Steuer halten sie für gerecht, da sie Geringverdiener entlastet, und für einfach. Insbesondere bleibt ein Anreiz bestehen, auch zu einem niedrigen Lohn zu arbeiten. Kritiker stoßen sich an der einseitigen Orientierung am Einkommen und befürchten, dass Trittbrettfahrer zu bloßen Leistungsempfängern würden, also das System ausnutzen würden.
Alternativen zur negativen Einkommensteuer sind beispielsweise Kombilohn und Grundeinkommen.
Weblinks
- Earnd Income Tax Credit - Die negative Einkommenssteuer in den USA
- Studie des IAB zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter
- Forschungsschwerpunkt Kombilohn und Negative Einkommensteuer des IAB]
- Transfergrenzenmodell von Prof.Pelzer und Ute Fischer mit Basisteuer I + Basisteuer II
