Neophyt

Neophyten (griechisch: neo = neu; phyton = Pflanze) sind Pflanzen, die bewusst oder unbewusst vom Menschen in Ökosysteme eingeführt werden, in denen sie nicht bodenständig sind (sogenannte Hemerochorie). Im eigentlichen Sinn bezeichnet der Begriff nur Pflanzen, die sich über mehrere Generationen ohne direkte Mithilfe des Menschen vermehren und ausbreiten. thumb|260px|Drüsiges Springkraut - in Mitteleuropa zählt es zu den problematischen Neophyten

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Arten von Neophyten

Häufig werden Pflanzen fremden Ursprungs in Gärten oder Parks gepflanzt, wenn sie durch Eigenschaften wie Schönheit oder Resistenz gegen bestimmte Umweltfaktoren besonders geeignet sind. Auch in der Land- und Forstwirtschaft werden fremde Arten bewusst verwendet. Etwa die Hälfte der Neophyten wird dagegen unbewusst eingeschleppt. Bei eingeschleppten Tierarten spricht man entsprechend von Neozoen, bei Pilzen von Neomyceten und bei Organismen im Allgemeinen von Neobiota.

Pflanzen die vor 1492 eingeführt wurden, werden sie als Archäophyten bezeichnet.

Die meisten Neophyten können sich unter anderem aufgrund unterschiedlicher Klimaverhältnisse nicht eigenständig vermehren oder sie sterben bei zum Beispiel starkem Frost ab. Dabei handelt es sich um "unbeständige Neophyten" oder Adventivpflanzen.

Unter "eingebürgerten Neophyten" werden Pflanzen verstanden, die im fremden Ökosystem ohne menschliches Zutun verwildern und sich ausbreiten.

Probleme durch Neophyten

Dabei gilt in nur wenig isolierten Gebieten meist die so genannte "Zehnerregel": von 1.000 eingeführten Pflanzen treten 100 gelegentlich spontan auf, 10 entwickeln sich zu "eingebürgerten Neophyten", aber nur eine Art entwickelt sich zum Problemfall.

Zur Verdeutlichung hier das Beispiel eingeführter Blütenpflanzen in Großbritannien:

Anzahl "Neophyten" insgesamt: 12.507
Spontan in der "Natur" aufgetreten: 1.642
"Eingebürgerten Neophyten": 210
Allgemein problematisch: 34

Während die meisten Neophyten in der Natur entweder im Konkurrenzkampf chancenlos sind oder sich ohne Schaden in die Biotope eingliedern, können die oben genannten Problemfälle Biotope umgestalten und/oder indigene Arten verdrängen, sowie der Land- und Forstwirtschaft wirtschaftliche Schäden zufügen.

Das ist vor allem dann möglich, wenn Neophyten im neuen Lebensraum keine natürlichen Feinde haben und somit den indigenen Arten überlegen sind.

In Europa sind bisher noch keine einheimischen Pflanzen von Neophyten völlig verdrängt worden.

Die Anpflanzung von Neophyten in der freien Natur ist in Deutschland grundsätzlich verboten, um die Florenverfälschung zu verringern, was aber angesichts der Tatsache, dass die "freie Natur" oft direkt hinter dem Gartenzaun beginnt, nicht besonders effektiv ist. Außerdem ist ein solches Gesetz nur dann nicht völlig widersinnig, wenn damit nur problematische Neophyten gemeint sind, da nicht einheimische Pflanzen allein durch die Forstwirtschaft auf großen Flächen in der "freien Natur" angepflanzt werden.

Bekämpfung von Neophyten

Um die einheimische Flora zu erhalten (wobei der Begriff einheimisch problematisch ist, da die Natur stetig im Wandel begriffen ist und es keinen Urzustand gibt, den man erhalten könnte) oder um Schäden für die Landwirtschaft zu verringern, werden manche Neophyten bekämpft. Das kann durch Beseitigung der Pflanzen geschehen oder durch das Einführen von Schädlingen, welche die entsprechende Pflanze in ihrer Heimat befallen. Letztere können aber als Neozoen wiederum für neue Probleme sorgen.

Über die Einschätzung der Gefahren durch bestimmte Neophyten und entsprechende aktiv zu bekämpfen, gibt es unter Experten verschiedene Ansichten. Manche Experten halten eine solche Bekämpfung nicht nur für sinnlos, sondern in wenigen Fällen auch für kontraproduktiv, zum Beispiel bei der späten Traubenkirsche (Prunus serotina).

Beispiele

Neophyten in Deutschland (nicht problematisch)

Problematische Neophyten in Deutschland

Problematische Neophyten in Großbritannien und Irland

Forschungsgeschichte

Mit neu eingeführten Pflanzen beschäftigt sich seit dem 19. Jahrhundert die sogeannte Adventivfloristik, die sich in ihrer ersten Phase vor allem mit der gezielten Informationssammlung über bislang unbekannte Arten beschäftigte. In einer zweiten Phase versuchte man, diese Arten zu systematisieren. Diese Phase war wesentlich durch den Schweizer Botaniker Augustin Pyramus de Candolle geprägt. Bereits Charles Darwin hatte jedoch erkannt, dass der Artenrückgang auf ozeannischen Inseln auf biologische Invasoren zurückzuführen sei. Ähnliches befürchteten deutsche Botaniker in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Kanadische Wasserpest sich explosionsartig in Mitteleuropa verbreiteten und man darin eine Gefährdung der indegenen Wasserpflanzen sah. Mit den ökologischen Folgen und ihrer Ursachen beschäftigt man sich jedoch insbesondere seit den 1950er Jahren, wobei die Anzahl der veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten seit 1985 stark zugenommen hat. Neben der Habitatvernichtung sieht man heute in invasiven Arten die stärkste Bedrohung von Biodiversität.

Literatur

Weblinks

See also: Neophyt, Adventivfloristik, Adventivpflanze, Archäophyten, Augustin Pyramus de Candolle, Biodiversität, Biotop, Botanik, Charles Darwin, Deutschland