Neue Musik

Als Neue Musik werden unterschiedliche Musik- und Kompositionsrichtungen des 20. und 21. Jahrhunderts bezeichnet. Sie ist als Gegenbewegung zur romantischen Tradition des 19. Jahrhunderts innerhalb der europäischen Konzertmusik entstanden. P. Bekker gilt im deutschsprachigen Raum als Schöpfer des Terminus, der ihn 1919 in einem Vortrag mit dem Titel Neue Musik prägte, in dem er neue Tendenzen des seinerzeit gegenwärtigen Musikschaffens portraitierte. In der Folge festigte sich der Begriff durch seinen Gebrauch in der journalistischen Tagesarbeit, in der (musik)wissenschaftlichen Diskussion sowie durch die Akzeptanz auf Seiten der schöpferischen Kräfte, den Komponisten und Interpreten, und nicht zuletzt der Rezipienten. Synonyme Bezeichnungen dieser Musikrichtung, die ihrerseits zuweilen bestimmte Aspekte oder Erscheinungsformen akzentuieren, sind unter anderem zeitgenössische Musik, avantgardistische Musik, Gegenwartsmusik, experimentelle Musik.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Der Übergang zur Neuen Musik wird ab etwa 1900 mit Claude Debussy, dem führenden Vertreter des Impressionismus, angesetzt.

Die folgenreichste Stilrichtung der Neuen Musik im deutschsprachigen Raum und vielleicht auch außerhalb war die Zweite Wiener Schule. Ihre wichtigsten Vertreter:

Wichtige Stilelemente der Zweiten Wiener Schule sind die Atonalität und die Zwölftontechnik (Dodekaphonie).

Weitere Strömungen der Neuen Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind u.a.:

Während der Zeit des Nationalsozialismus werden die meisten Formen der Neuen Musik, ebenso wie beispielsweise die Jazzmusik, als „entartet“ eingestuft und verboten oder unterdrückt. Die Ausstellung "Entartete Musik" anlässlich der Reichsmusiktage 1938 in Düsseldorf prangerte das Schaffen von Komponisten wie Paul Hindemith, Arnold Schönberg, Alban Berg und Kurt Weill an, die darauf ins Exil gingen. Gefördert wurde stattdessen im Sinne der NS-Kulturpolitik die harmlose Unterhaltungs- und Gebrauchsmusik wie Operette, Tanz- und Marschmusik, die in die Propaganda einbezogen wurden. Von den Nazis wurden zahlreiche Komponisten, häufig wegen ihrer jüdischen Herkunft, verfolgt oder ermordet (In der Zeit des Nationalsozialismus verfolgte Komponisten).

(Eine besonders wichtige Quelle über die Rolle Musik in der Nazizeit bot die Rekonstruktion der Ausstellung Entartete Musik dar, die ab 1988 zunächst in Frankfurt kommentiert lief - eine Ausstellung über ein lange Zeit verdrängtes Thema, das großes Aufsehen auch im Ausland errang.)

In der Sowjetunion gab es nach der Revolution in allen kulturellen Gebieten zahlreiche Experimente. Mit Aufkommen des Stalinismus wurde eine Richtung, die ab 1932 Sozialistischer Realismus genannt wurde, in allen künstlerischen Bereichen zur Doktrin. Nach 1956 setzte eine Liberalisierung ein, eine Avantgarde wie in anderen europäischen Ländern konnte aber nicht entstehen.

Die Nazizeit war im deutschsprachigen Raum ein großer Einschnitt, was die Entwicklung der Musik anbelangt auch weil meistens die kreativsten Komponisten ins Exil gehen mußten. In vielen anderen Ländern gab es völlig andere Entwicklungen - so etwa in England, wo es eine ganz andere Kontinuität in der musikgeschichtlichen Entwicklung gibt. Ein Komponist wie Benjamin Britten war gleichzeitig Traditionsbewahrer und Erneuerer.

Nach Kriegsende werden die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik, die alle zwei Jahre vom Internationalen Musikinstitut Darmstadt veranstaltet werden, zu der in Deutschland einflussreichsten internationalen Veranstaltung Neuer Musik. Herrschend waren dort Kompositionstechniken der seriellen Musik. Leitfigur wird Anton von Webern. Olivier Messiaen, der in seinen Werken u.a. musikalische Techniken außereuropäischer Musikkulturen aber auch Methoden der seriellen Musik verwendet, ist Lehrer einiger der Komponisten, die dort am meisten Aufsehen erregen. Unter ihnen sind:

(Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch das Darmstädter Institut für Neue Musik und Musikerziehung, das über ein umfangreiches Archiv seltener Aufnahmen verfügt, besonders auch von früheren Veranstaltungen der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik. Die Aufnahmen stehen auf diversen Medien zur Verfügung; seit mindestens 1986 auch auf digitalen Medien.)

Einen weiteren Einschnitt bildet die Zeit um 1950; der Kritiker Karl Schumann resummiert, das Wirtschaftswunder habe auch zu einem Kulturwunder geführt. Ab den 50er Jahren treten verschiedene Entwicklungen ein, u.a.:

Die Gründung des Studio für Neue Musik in Würzburg durch Lotte Kliebert Ende der 60er Jahre führte dazu, dass Würzburg eine herausragende Rolle unter progressiven Komponisten (so im Perkussionsbereich) einnahm.

Vor allem ab den 70er Jahren setzt ein Trend zur Individualisierung ein. In der Musik unserer Zeit kann man daher von einem Stilpluralismus sprechen. In Ligetis Musik z.B. sind musikalische Einflüsse aus verschiedenen Kulturen und Zeiten zu beobachten.

Allgemein ist zu bemerken, dass eine feste Einteilung der Komponisten in Strömungen und „Schulen“ nicht zwingend sein kann, da sich viele zeitgenössischen Komponisten in ihrem Leben mit mehreren Stilistiken befasst haben (bestes Beispiel: Igor Stravinsky, der obwohl jahrzehntelang als Antipode Schönbergs gehandelt, im Alter zur seriellen Technik überging). Außerdem existiert neben der jeweiligen Avantgarde eine große Zahl von Komponisten, die neue Techniken mehr oder weniger partiell und selektiv in ihre von der Tradition bestimmte Kompositionsweise integrieren bzw. eine Synthese zwischen beiden Welten versuchen, was mit dem Stichwort Gemäßigte Moderne nicht ganz ausreichend, weil zu einseitig, beschrieben ist.

Weitere Komponisten

Foren der Neuen Musik

Wichtige Ensembles

Organisationen und Institutionen

Literatur

Weblinks

See also: Neue Musik, 19. Jahrhundert, 1900, 1938, 1950, 1968, 1986, 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Akustik