Neurolues

Als Neurolues wird eine Reihe von charakteristischen psychiatrischen oder neurologischen Symptomen bezeichnet, die bei unbehandelter bzw. nicht ausgeheilter Syphilis-Erkrankung des Menschen mit einer Latenzzeit von Jahren bis Jahrzehnten auftreten können.

Die Neurolues ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine mögliche Ausprägung des so genannten Tertiärstadiums (Stadium III, auch als "Spätstadium" bezeichnet) der Syphilis (Lues).

Bei der Neurolues kommt es zu progredientem Abbau von Nervengewebe (Degeneration, Atrophie) im Gehirn und/oder Rückenmark. Mögliche Folgen des Gewebsuntergangs im Gehirn sind Wesensveränderungen bis hin zur Demenz, Wahnideen (klassisch: "Größenwahn", d.h. Größenideen), mitunter Raptus-artige Anfälle und häufig Halluzinationen. Eine syphilitische Schädigung des Rückenmarks bewirkt oft Gangstörungen (Ataxie).

Ältere Bezeichnungen für diese Symptome bzw. Symptomenkomplexe waren Progressive Paralyse (bei Hirnschädigung) oder Tabes dorsalis (bei Ausfall von Funktionen des Rückenmarks).

Die Neurolues ist in den westlichen Industrienationen seit dem Aufkommen wirksamer Antibiotika selten geworden, da die allermeisten Syphilis-Erkrankungen bereits in früheren Stadien geheilt werden. In Entwicklungs- und Schwellenländern mit ungenügender Gesundheitsversorgung ist dieses Stadium häufiger anzutreffen.

Die Syphilis-Erkrankung an sich kann als Ursache der Neurolues-Symptome auch noch in diesem Spätstadium ausgeheilt werden. Limitierende Faktoren für den Erfolg einer solchen Therapie sind allerdings die Blut-Hirn-Schranke, die nur von wenigen Antibiotika ausreichend durchdrungen wird, und die Tatsache, dass bereits untergegangenes Nervengewebe vom menschlichen Organismus nicht mehr ersetzt werden kann.

See also: Neurolues, Antibiotika, Ataxie, Atrophie, Blut-Hirn-Schranke, Degeneration, Demenz, Gehirn, Größenwahn, Halluzination