Neuronaler Schaltkreis nach Leary
Unter einem Neuronalen Schaltkreis nach Timothy Leary versteht man ein „Basisprogramm“ der menschlichen Psyche, das bestimmte Aspekte des Verhaltens steuert. Die Bezeichnung rührt von der Annahme her, dass diese Verhaltensmuster und Wahrnehmungsarten in bestimmten Regionen des Gehirns beheimatet seien, und somit letztlich auf Neuronalen Erregungskreisen basieren. Konzeptionell ist die Idee aber eher mit der Unterteilung der menschlichen Psyche in Es, Ich und Über-Ich vergleichbar, wie sie von Sigmund Freud vorgenommen wurde.
Thimothy Leary glaubte das der menschliche Geist am besten durch acht neuronale Erregungsschaltkreise dargestellt werden kann. Jede Etappe, jeder Schaltkreis repräsentiert eine höhere Stufe der Entwicklung als der vorhergehende. Vom ersten, dem am niedrigsten entwickelten, bis zum vierten Schaltkreis sind alle im linken Hirnlappen des Endhirn verankert. Diese vier Bewußtseinsebenen oder hier Schaltkreise genannt, sind mit dem Überleben von Organismen auf der Erde stark verknüpft. Fünfter bis achter Schaltkreis, welche Leary im rechten Hirnlappen vermutet, ist für die zukünftige Entwicklung des Menschen vorgesehen und bei der Mehrheit der Leute heutzutage noch nicht richtig Ausgeprägt. Vielmehr kann man davon ausgehen das sie sich in einer Art Winterschlaf befinden.
Schaltkreise
Nach Leary hat der Mensch mindestens acht prägende Schaltkreise, von denen normalerweise nur die ersten vier benutzt werden:
- (1) Der Bio-Überlebens Schaltkreis (Bio-survival Circuit) ist für die grundlegenden lebenserhaltenden Maßnahmen zuständig. Er entscheidet ob Objekte entweder als gefährlich oder als sicher eingestuft werden. Der Schaltkreis ist schon im Gehirn der am niedrigsten entwickelten wirbellosen Tiere verankert. Es ist der erste der im Gehirn des Säuglings aktiv wird - kurz nach der Geburt. Leary denkt, man kann ihn im Opiumrausch anregen.
- (2) Der gefühlsbezogene, territoriale Schaltkreis (Emotional Circuit) kümmert sich vorwiegend um die gröbsten Emotionen und unterscheidet nach unterwürfigem oder beherrschendem Verhalten. Er trat in der Evolution als erstes in Wirbeltieren (Vertebrata) auf. Am Menschen wird der Schaltkreis aktiv sobald das Kind laufen lernt. Leary verbindet diesen Schaltkreis mit Alkohol.
- (3) Der semantische Schaltkreis (Dexterity-Symbolism Circuit) ist mit logischem und symbolischem Denken verbunden. Er geht zurück bis zu dem Zeitpunkt als die ersten Hominiden begannen sich vom Rest der Primaten zu unterscheiden, als sie anfingen Werkzeuge zu benutzen und auf zwei Beinen zu gehen. Leary stellt diesen Schaltkreis mit der Wirkung von Koffein, Kokain und anderen Stimulanzien gleich.
- (4) Der sozio-sexuelle Schaltkreis (Social-Sexual Circuit) übernimmt das Betreiben von sozialen Netzwerken und das Ubermitteln von Kultur über die Zeiten. Das Entstehen erster sozialer Strukturen in der Gesellschaft ging mit diesem Schaltkreis einher. Leary verband niemals eine Droge damit. Spätere Autoren haben es jedoch mit Ecstasy gleichgesetzt.
- (5) Der neurosomatische Schaltkreis (Neurosomatic Circuit) ist der erste der in der rechten Gehirnhälfte angesiedelt ist. Bei den meisten Menschen ist er und alle weiteren jedoch inaktiv. Er erlaubt es einem, Dinge im multidimensionalen Raum zu erfahren - anstatt der Fähigkeit der meisten Menschen, nur 4-dimensionale Dinge nach Euklids Raumzeit wahrzunehmen. Er soll uns bei zukünftigen Unternehmungen, bei der Erforschung des Weltraum unterstützen. Es heißt, er ist als erstes mit der Entwicklung zur Freizeitgesellschaft im zwanzigsten Jahrhundert aufgetreten. Er ist mit Hedonismus und Erotik in Zusammenhang zu bringen. Leary verbindet den Schaltkreis mit Marijuana und Tantra oder einfach mit der Erfahrung des freien Falles zur richtigen Zeit.
- (6) Der metaprogrammierende oder bewustseinsabstrahierende Schaltkreis (Neuroelectric Circuit) steht in Verschmelzung mit dem Bewusstwerden des Geistes, dass er unabhängig von den Mustern und Prägungen der vorhergehenden Schaltkreise agiert. Nach Learys Einschätzung wird dieser Schaltkreis den Weg für telepatische Kommunikation frei machen. Es ist unmöglich den Schaltkreis für diejenigen, die nur mit der linken Hirnhälfte arbeiten und bei denen die fünf vorhergehenden Schaltkreise aktiv sind, zu erreichen. Die Entwicklung dieses Schaltkreises geht mit der um 500 n. Chr. entstandenen Seidenstraße einher. Peyote und Psilocybin charakterisieren diesen Schaltkreis laut Leary.
- (7) Der neurogenetische Schaltkreis (Neurogenetic Circuit) erlaubt Zugriff auf die genetischen Speicherfunktionen der DNA. Er ist verbunden mit den Erinnerungen der vergangenen Leben, dem Buch des Lebens und dem kollektiven Unterbewußtsein wie es C.G. Jung beschrieben hat. Außerdem eröffnet er wesentliche Züge von Unsterblichkeit im Menschen. Wahrscheinlich ist er unter hinduistischen und sufistischen Sekten am Ende des ersten Jahrtausends nach Christi entstanden. Der Schaltkreis wird durch LSD und Raja Yoga angeregt.
- (8) Der neuroatomare Schaltkreis (Neuro-atomic Circuit) eröffnet Zugang zum intergalaktischen, universalen Bewusstsein, welches Leben im Universium voran geht. Er lässt Menschen außerhalb von Raumzeit und dem Zwang von Relativität operieren. Der Schaltkreis steht mit Ketamin in Zusammenhang.
Die Idee solcher Schaltkreise wurde zum Beispiel von Robert Anton Wilson aufgegriffen, der sich in vielen seiner Bücher, unter anderem Quantum Psychology, auf dieses Konzept bezieht. Eine andere Beschreibung von seelischen Stufen findet sich bei Ken Wilber, Das Spektrum des Bewusstseins.
Eine grobe Korrelation der Stufen der Schaltkreise mit den Bewusstseinsstufen des Menschen kann festgestellt werden.
Literatur
- Timothy Leary: Neurologic. ISBN 3-922708-39-0
- R.A. Wilson: Der Neue Prometheus. Die Evolution unser Intelligenz. ISBN 3-499-18350-1
Siehe auch
Kategorie:Parawissenschaft
Kategorie:Psychologie
