Neuthomismus
Der Neuthomismus ist der Kern der Neuscholastik. Er vertritt die Aufrechterhaltung und Erneuerung der Philosophie des Thomas von Aquin. Die Bewegung des Neuthomismus ist in Frankreich und Belgien am stärksten entwickelt.
Mitbegründet wurde diese Schule von Joseph Maréchal (1878-1944); zu den bekanntesten Vertretern des Neuthomismus der Gegenwart gehören Jacques Maritain, Étienne Gilson, André Marc, Erich Przywara, Johannes B. Lotz, Walter Brugger, Karl Rahner, Bernhard Lonergan und Emerich Coreth.
Der Neuthomismus nimmt nach Maréchal seinen Ausgang von der transzendentalen Methode Kants, um "Kant durch Kant zu überwinden" und eine Metaphysik im Sinne Thomas von Aquins neu zu begründen. Der Weg zur Seinsmetaphysik führt über das Argument der Retorsion und die Urbejahung (affirmation absolue) des Seins, die in jeder urteilenden Aussage hintergründig gesetzt wird. Auf diese Weise werden die Problemebene Thomas von Aquins und die damit verbundenen Fragen nach Identität und Differenz der Seienden im Sein und die Frage nach dem absoluten Sein wiedergewonnen und in ihren Antworten weiter entfaltet.
Weblinks
Literatur
- Berger, David: Thomismus, Köln 2000.
- Coreth, E. u.a.: Philosophie des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1993, S.91ff.
- Maréchal, J.: Le point de départ de la métaphysique, Bd. 1 Brüssel 1942
- Lotz, J.B.: Das Urteil und das Sein. Eine Grundlegung der Metaphysik, Pullach 1957
- Lonergan, B.: Insight. A Study of Human Understanding, London 1968
- Rahner, K.: Geist in Welt. Zur Metaphysik der endlichen Erkenntnis bei Thomas von Aquin, München 1957
- Weissmahr, B.: Ontologie, 2.Aufl. Stuttgart 1991, S.30 ff.
