Niedersächsische Sprache

370px|thumb|Das niedersächsische Sprachgebiet

Das Niederdeutsche - auch als Plattdeutsch (niederd. Nedderdüütsch, Plattdüütsch) bezeichnet - umfasst das "Westniederdeutsche" auf dem Gebiet des sogenannten Altsiedellandes im Westen und das "Ostniederdeutsche" im Bereich der mittelalterlichen Ostkolonisation. Der westliche Zweig, das Westniederdeutsche, setzt sich aus den Dialektgebieten des Niederfränkischen am Niederrhein und des Niedersächsischen zusammen. Zu der Gruppe des Niedersächsischen zählen das Westfälische (Westfalen bis an die Weser), das Ostfälische (östlich der Weser) und das Nordniedersächsische (nördliches Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein). Durch die Isoglosse zwischen dem westlichen Plural Präsens auf -(e)t und dem östlichen auf -e(n) (mak(e)t versus make(n)) von diesem getrennt, schließt sich im Osten das Ostniederdeutsche an, das sich seinerseits aus dem Mecklenburg-Vorpommerschen, dem Märkischen (Mark-Brandenburg), dem Mittelpommerschen (ein schmaler Streifen an der Oder) und historisch auch aus dem Ostpommerschen (in Hinterpommern) und dem Niederpreußischen (in Ost- und Westpreußen) zusammensetzt.

Die Sprachgrenze zwischen dem Niederfränkischen und dem Niedersächsischen verläuft historisch auch durch die Niederlande. Die heutige niederländische Schriftsprache ist aus dem Niederfränkischen um Amsterdam hervorgegangen. Das heutige Niederländisch ist also sprachgeschichtlich verwandt mit der Mundart der (Nieder)Rheinländer. Im Nord-Osten der Niederlande, der historisch zum Niedersächsischen Sprachraum zählt, wird bis heute zum Teil Niedersächsisch ("Nedersaksisch") gesprochen.

Niederdeutsche Mundarten werden auch in den Niederlanden, entlang der Grenze zu Deutschland, gesprochen. Sie werden aber heute - obwohl sie mit den Mundarten auf der deutschen Seite weitestgehend identisch sind - nicht mehr als niederdeutsche, sondern als niederländische Mundarten bezeichnet. Die Zuordnung richtet sich heute nach der Bezeichnung der überdachenden Standardsprache. Das Niederdeutsche verliert bei der jüngeren Bevölkerung durch die hochdeutsche Amts- und Schulsprache zunehmend an Sprechern. Überwiegend die ältere einheimische Generation verwendet ihre Mundart noch im Gespräch miteinander. Der Dialekt wird aber auch von der mittleren Generation noch gut verstanden, teilweise benutzt oder auch mit dem Hochdeutschen vermischt (Missingsch). In manchen Teilen Norddeutschlands und der östlichen Niederlande werden die Mundarten intensiver gesprochen als in anderen Landesteilen. Im Oldenburger Land, in Ostfriesland, in der Lüneburger Heide, in Verden (Aller), in der Wümmeniederung, in Teilen Schleswig-Holsteins und regional in Hamburg, Bremen und Westfalen hat die Sprache noch sehr viele Sprecher. Der ISO-Code nach ISO 639-2 ist nds.

Niederdeutsch ist keine Sprache wie das Hochdeutsche, sondern eine Dialektgruppe, weil ihm eine Standardversion fehlt. Die relativ geringe räumliche Mobilität bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat dazu geführt, dass sich Aussprache und Wortschatz teilweise stark voneinander (selbst von Ort zu Ort) unterscheiden. (Dat gifft 'n Hümpel Grootdialekten un soveel Dörpsdialekten as Fleigen op de Mess.)

Im Mittelalter diente das Lübecker Mittelniederdeutsch ("Lübsch") als Lingua Franca der Hanse und erreichte so eine große Bedeutung im Ostseeraum und Skandinavien. Im Hanseraum war das stark standardisierte Mittelniederdeutsch die bevorzugte Schriftsprache auch für diplomatische und juristische Dokumente.

Im Zuge der deutschen Reichseinigung wurde Hochdeutsch von Otto von Bismarck als alleinige Amtssprache im Deutschen Reich festgeschrieben. Das Niederdeutsche (Plattdeutsch) konnte sich zwar noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg als vorrangige Umgangssprache im niederdeutschen Sprachraum halten, ist aber durch das Hochdeutsche inzwischen stark in seiner Existenz gefährdet. In Deutschland existiert kein einziges Radio-Vollprogramm in Niederdeutsch.

Seit 1994 ist das Niederdeutsche als eigene Sprache durch die Europäische Union anerkannt und geschützt. In einigen bundesdeutschen Ländern gibt es Regelungen gegen die Diskriminierung des Niederdeutschen. So sind in Schleswig-Holstein die Behörden verpflichtet, Anfragen und Anträge auf „Plattdeutsch” nicht nur zu bearbeiten, sondern auch auf „Plattdeutsch” zu beantworten. Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass auch Patentanträge beim Bundespatentamt in München auf Plattdeutsch gestellt werden können. In den Niederlanden ist das Niederdeutsche (nedersaksisch) als weitere Amtssprache offiziell anerkannt.

Auch in einigen Regionen Nord- und Südamerikas wird von Nachfahren niederdeutscher (norddeutscher und ostniederländischer) Auswanderer noch heute Niederdeutsch gesprochen.

Das Niederdeutsche unterscheidet sich vom Hochdeutschen insbesondere dadurch, dass es - ebenso wie das Englische, das Niederländische und das Friesische - die zweite germanische Lautverschiebung nicht mitgemacht hat. Dies haben alle diese Sprachen mit den skandinavischen Sprachen (Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Isländisch) gemein.

Auch das Vokabular und die Grammatik unterscheiden sich deutlich vom Hochdeutschen. So gibt es im Niederdeutschen nur zwei Fälle (Nominativ und Objektiv). Akkusativ und Dativ sind wie im Englischen zum Objektfall verschmolzen; der ([Genitiv]) wird mit Hilfe einer Präposition gebildet.

Typisch für die nördlichen Dialekte der niederdeutschen Sprache ist auch, dass das Perfekt-Partizip stets ohne die Vorsilbe ge gebildet wird. So heißt es

Ik hebb köfft für Ich habe gekauft,
He is lopen für Er ist gelaufen oder
Sett di neet/nich up de anstreken Stohl für Setze dich nicht auf den angestrichenen Stuhl.
Inhaltsverzeichnis

Gliederung

in Norddeutschland

in den Niederlanden

in anderen Ländern

Bedeutende „niedersächsisch-plattdüütsche” Dichter und Schriftsteller

Wikipedia op Plattdüütsch (neddersassisch un ostnedderdüütsch)

Hoofdsiet

Siehe auch: Saxonismus

Weblinks

See also: Niedersächsische Sprache, 1994, Akkusativ, August Hinrichs, Auswanderer, Braunschweiger Land, Bremen, Bremen (Land), Bundesgerichtshof, Bundespatentamt