Niob

Niob (nach Niobe - der Tochter des Tantalos -, im engl. oft auch Columbium) ist ein chemisches Element im Periodensystem der Elemente mit dem Symbol Nb und Ordnungszahl 41.

Eigenschaften
Zirkonium - Niob - Molybdän
V
Nb
Ta  
 
 
[Kr]4d45s1
52
41
Nb
Allgemein
Name, Symbol, Ordnungszahl Niob, Nb, 41
Serie Übergangsmetalle
Gruppe, Periode, Block 5, 5, d
Dichte, Mohshärte 8570 kg/m3, 6
Aussehen grau metallisch
Atomar
Atomgewicht 92,90638 amu
Atomradius (berechnet) 145 (198) pm
Kovalenter Radius 137 pm
van der Waals-Radius k. A.
Elektronenkonfiguration [Kr]4d4 5s1
e- 's pro Energieniveau 2, 8, 18, 12, 1
Oxidationszustände (Oxid) 5, 3 (leicht sauer)
Kristallstruktur kubisch raumzentriert
Physikalisch
Aggregatzustand (Magnetismus) fest (__)
Schmelzpunkt 2750 K (2477 °C)
Siedepunkt 5017 K (4744 °C)
Molares Volumen 10,83 · 10-6 m3/mol
Verdampfungswärme 696,6 kJ/mol
Schmelzwärme 26,4 kJ/mol
Dampfdruck 0,0755 Pa bei 2741 K
Schallgeschwindigkeit 3480 m/s bei 293,15 K
Verschiedenes
Elektronegativität 1,6 (Pauling-Skala)
Spezifische Wärmekapazität 265 J/(kg · K)
Elektrische Leitfähigkeit 6,93 · 106/m Ohm
Wärmeleitfähigkeit 53,7 W/(m · K)
1. Ionisierungsenergie 652,1 kJ/mol
2. Ionisierungsenergie 1380 kJ/mol
3. Ionisierungsenergie 2416 kJ/mol
4. Ionisierungsenergie 3700 kJ/mol
5. Ionisierungsenergie 4877 kJ/mol
6. Ionisierungsenergie 9847 kJ/mol
7. Ionisierungsenergie 12100 kJ/mol
Stabilste Isotope
Isotop NH t1/2 ZM ZE MeV ZP
91Nb {syn.} 680 a ε 1,253 91Zr
92Nb {syn.} 3,47·107 a ε
β-
2,006
0,356
92Zr
92Mo
93Nb 100 % Nb ist stabil mit 52 Neutronen
Meta {syn.} 16,13 a IT 0,031 93Nb
94Nb {syn.} 20300 a β- 2,045 94Mo
95Nb {syn.} 34,975 d β- 0,926 95Mo
NMR-Eigenschaften
93Nb
Kernspin 9/2
gamma / rad/T 6,539 · 107
Empfindlichkeit 0,482
Larmorfrequenz bei B = "4",7 T 48,9 MHz
SI-Einheiten und Standardbedingungen werden benutzt,
sofern nicht anders angegeben.

Das selten vorkommende Schwermetall hat eine graue Farbe und ist gut schmiedbar. Niob kann aus dem Mineral Niobit gewonnen werden. Seine Hauptverwendung findet es in der Metallurgie zur Herstellung von Spezialstählen und zur Verbesserung der Schweißbarkeit.

Der Entdeckung des Elementes in dem Mineral Columbit, heute Niobit genannt, verdankt es seinen Namen.

Inhaltsverzeichnis

Bemerkenswerte Eigenschaften

Niob ist ein grau glänzendes, duktiles Schwermetall. Es überzieht sich nach längerer Lagerung an Luft mit einer bläulich schimmernden oxidischen Haut, die als Passivschicht (Schutzschicht) wirkt. Von den meisten Säuren wird es daher nicht angegriffen. Nur Flusssäure und heiße konzentrierte Schwefelsäure korrodieren metallisches Niob. In heißen Alkalien ist Niob ebenfalls unbeständig, da sie die Passivschicht auflösen. Bemerkenswert ist, dass Niob noch bei 9,2 K supraleitend ist.

Das chemische Verhalten des Niobs ist fast identisch dem des Tantals, das im Periodischen System direkt unter Niob steht.

Eine Mechanische Bearbeitung von Niob muss wegen seiner Unbeständigkeit an Luft auch bei Raumtemperatur unter Schutzgasatmosphäre erfolgen. Bei Temperaturen oberhalb von 200 °C beginnt es (durchgängig?) zu oxidieren. Bekannt sind die Oxidationsstufen -3, -1, 0, +1, +2, +3, +4, +5. Wie beim kleineren Bruder Vanadium ist die Stufe +5 am beständigsten.

Anwendungen

Niob wird als Legierungszusatz für rostfreie Stähle, Sonderedelstähle und Nichteisenlegierungen verwendet, da sich Niob-legierte Werkstoffe durch eine erhöhte mechanische Festigkeit auszeichnen. Solcherart veredelte Stähle werden häufig im Rohrleitungsbau (Pipeline construction) eingesetzt. Als starker Karbidbildner wird Niob auch in Schweißzusatzwerkstoffen zum Abbinden von Kohlenstoff zulegiert.

Andere Anwendungen:

Unterhalb von 9,3 K ist reines Niob supraleitend Typ I. Allerdings gehören Niob-Legierungen (mit N, O, Sn, AlGe, Ge) gehört neben Vanadium und Technetium zu den 3 Stoffen (mit 2 Rein-Elementen) die Type II Supraleiter sind und deren Sprungtemperatur Tc zwischen 16 K(N); 18,05 K(Sn); 23,2 K(Ge) liegt.

Zur Erzeugung hoher Magnetfelder (bis ca. 20 T) werden supraleitende Magnete mit Drähten aus Niob-Zinn und Niob-Titan eingesetzt.

Geschichte

Niob (Griechische Mythologie: Niobe?, Tochter des Tantalus) wurde 1801 durch Charles Hatchett entdeckt. Hatchett fand Niob in Columbiterz, das um 1700 von John Winthrop, dem ersten Gouverneur von Connecticut nach England verschickt wurde. Er gab dem Element die Bezeichnung Columbite. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war ungeklärt, dass es sich bei Niob und dem 1802 entdeckten Tantal um unterschiedliche Elemente handelt. Erst 1844 zeigte der Berliner Professor Heinrich Rose, dass Niob- und Tantalsäuren unterschiedliche Stoffe sind.

Nicht wissend von den Arbeiten Hatchetts gab Rose dem entdeckten Element den Namen Niob. 1864 gelang Christian Blomstrand die Herstellung von metallischem Niob durch Reduktion von Niobchlorid mit Wasserstoff in der Hitze. 1866 bestätigte Charles Marignac Tantal als eigenständiges Element.

Erst nach 100 Jahren kontroverser Auseinandersetzungen legte die International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) 1950 Niob als offizielle Bezeichnung des 41. Elementes des PSE fest. Während sich dieser Sprachgebrauch im offiziellen Bereich weitgehend durchgesetzt hat, wird im angelsächsischen Sprachbereich von vielen Metallurgen, Werkstoffanbietern und im privaten Bereich immer noch die Bezeichnung Columbium und das Kurzzeichen Cb verwandt.

Vorkommen

Als freies Element ist Niob unbekannt, es kommt nur in gebundener Form vor, zum Beispiel als:

Niob und Tantal kommen fast immer verschwistert vor. Bekannte Niobvorkommen enthalten carbonatites? (Kohlenstoff-Silikat-Gestein) und Pyrochlor. Brasilien und Kanada sind die Hauptproduzenten von niobhaltigen Mineralkonzentraten. Große Erzlager befinden sich auch in Nigeria, in der Demokratischen Republik Kongo und in Russland.

Vorsichtsmaßnahmen

Niobhaltige Verbindungen sind schwer wahrzunehmen. Das Element gilt zwar als nicht toxisch, jedoch irritiert metallischer Niobstaub Augen und Haut. Niobstaub ist zudem leicht entzündlich.

Eine physiologische Funktion ist unbekannt.

Weblinks

See also: Niob, 1801, 1864, 19. Jahrhundert, 1 E-10 m, 1 E-25 kg, Aggregatzustand, Atomgewicht, Atomradius