Nomenklatura

Der russische Begriff Nomenklatura (номенклатура) steht seinem Ursprung nach für eine "Liste mit Namen". Diese Liste umfasste ursprünglich die Positionen in der Wirtschaft, Verwaltung und im öffentlichen Leben, für welche die Mitgliedschaft in der Regierungspartei und ihre Ergebenheit gegenüber der Staatsführung unerlässlich war. Später stand Nomenklatura für die Funktionsträger in den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung öffentliches Leben an sich.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff "Nomenklatura" nach Staaten

Sowjetunion

Der Begriff steht für die Führungskader der Sowjetunion. Die Nomenklatura bestand aus hohen KPdSU-Mitgliedern, der stalinistischen Regierung an sich, und anderen Regierungsangehörigen, auch KGB-Angestellten. Sie war im Prinzip die Elite der Sowjetunion, die über die restliche Bevölkerung uneingeschränkt herrschte.

DDR

Die verschiedenen SED-Führungen (Politbüro, Zentralkomitee, Bezirksleitungen usw.) und die Ministerien der DDR schufen ein System von Nomenklaturkadern nach sowjetischem Vorbild, die mit linientreuen, der Parteidisziplin besonders ergebenen, gegebenenfalls besonders geschulten (Parteischule) Parteimitgliedern besetzt wurden. Es gab eine genaue Nomenklaturkaderverordnung, in der die wichtigen Leitungspositionen (mehrere hundert) in der DDR erfasst waren. Vor der Berufung in eine solche Position (1. Sekretäre der SED-Kreis- und Bezirksleitungen, Generaldirektoren der Kombinate, Minister, Staatssekretäre, Rektoren, Direktoren wichtiger Institute, Führungpersonen in den Medien usw.) musste diese Personalvorlage erst durch das ZK der SED, das heißt die entsprechende Abteilung im ZK, formal bestätigt werden. Ziel war, eine möglichst große Kontrolle des öffentlichen Lebens zu erreichen. Dass in einem solchen System die überwiegenden Führungspositionen mit linientreuen SED-Mitgliedern besetzt waren, versteht sich von selbst. Dies schloss aber eine hohe fachliche Qualifikation keinesfalls aus, da viele Genossen aus Karrieregründen Parteimitglieder wurden. Wer eine derartige Position als sozialistischer Leiter erreicht hatte, musste sich zuvor natürlich in untergeordneten Führungsfunktionen bewähren, das heißt Karriere machen und sich dementsprechend politisch einbringen. Außerdem war in späteren Jahren für derartige Positionen laut Stellenplan ein Hochschulstudium (möglichst mit Promotion) unabdingbar, meist ergänzt durch den Besuch der Parteihochschule der SED. Umgekehrt war ein Hochschulstudium ohne sich den Richtlinien unterzuordnen auch nicht möglich. Seit den 1970er Jahren wurden immer häufiger von den bereits bestehenden Nomenklatura-Mitgliedern eigene Familienmitglieder eingebracht.

Mitglieder der Nomenklatura

Nach seriösen Schätzungen lag die Anzahl der Nomenklaturmitglieder in der DDR Ende der 80er Jahre bei ca. 339.000 Personen. Damit kommen auf etwa 50 DDR-Bürger ein Nomenklaturkader, was die Machstruktur und den herrschenden Einfluss der SED auf die Gesellschaft unterstreicht.

Siehe auch

See also: Nomenklatura, 1970er, CDU, DBD, DFD, DSF, Deutsche Demokratische Republik, Elite, FDGB, GST