Wechselkurs

thumb|370px|Wechselkurs der türkischen Lira zum Euro

Der Wechselkurs ist der Preis einer Währung ausgedrückt in einer anderen Währung. Der Markt, auf dem sich dieser Preis bildet, ist der Devisenmarkt.

Inhaltsverzeichnis

Wechselkursnotationen

Man unterscheidet zwischen der Mengennotierung (Preis der inländischen Währung ausgedrückt in Einheiten einer ausländischen Währung; am Beispiel Europas: Dollar je Euro) und der Preisnotierung (Preis einer ausländischen Währung ausgedrückt in Einheiten der inländischen Währung; am Beispiel Europas: Euro je Dollar); die Preisnotierung bezeichnet man auch als Devisenkurs. Die Preisnotierung ist somit der Kehrwert der Mengennotierung.

Sowohl in Europa als auch den USA wird heute mehrheitlich die Mengennotierung verwendet, während in Kontinentaleuropa vor der Euroeinführung die Preisnotierung üblich war. In Lehrbüchern beiderseits des Atlantiks finden sich beide Notationen.

Arten von Wechselkursen

Nominaler Wechselkurs

Die oben genannte Form des Wechselkurses wird auch als nominaler Wechselkurs bezeichnet. Er drückt das Verhältnis aus, zu dem die Währung eines Landes gegen die Währung eines anderen Landes getauscht werden kann - er kennzeichnet also den Preis einer inländischen Währungseinheit in Einheiten einer anderen Währung. Üblicherweise wird er in Fremdwährungseinheiten pro inländische Einheit notiert.

Realer Wechselkurs

Der reale Wechselkurs bezeichnet das Verhältnis, zu dem ein repräsentativer Güterkorb eines Landes gegen denselben Güterkorb in einem anderen Land getauscht werden kann.

Der reale Wechselkurs ist insbesondere für Zeitraum-Betrachtungen wichtig, da er die Entwicklung der Kaufkraft eines Landes darstellt. Eine real aufwertende Währung zeichnet sich zwar durch eine höhere Kaufkraft gegenüber dem Ausland aus (man spricht auch von verbesserten Terms of Trade), verringert jedoch gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft.

Effektiver Wechselkurs

Während der nominale und der reale Wechselkurs bilaterale Währungspreise darstellen (d. h. lediglich den Preis von zwei Währungen vergleichen), stellen effektive Wechselkurse denselben Preis einer Währung gegenüber einem Währungskorb dar. Dabei kann die Darstellung sowohl nominal als auch real erfolgen.

Der effektive Wechselkurs ist deswegen wichtig, da Wechselkurse aus Unternehmenssicht v. a. wichtige Indikatoren für die eigene Wettbewerbsfähigkeit sind. Allerdings kann ein Wechselkurs per Definition immer nur genau zwei Volkswirtschaften miteinander vergleichen. Dies reduziert seine Aussagekraft. Um zu einer grundsätzlicheren Erkenntnis über die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zu kommen, müssten demnach auch alle anderen für Ex- und Importe wichtigen Wechselkurse berücksichtigt werden - dies leistet der effektive Wechselkurs.

Die Europäische Zentralbank (EZB) berechnet den effektiven Außenwert des Euro gegenüber den Währungen von 23 Haupthandelspartnern (darunter alle EU-Länder, die den Euro bisher nicht eingeführt haben). Bedeutsam sind dabei jedoch v. a. der US-Dollar, das britische Pfund und der japanische Yen, die derzeit gemeinsam über 55 Prozent des gesamten effektiven Wechselkurses des Euro ausmachen. Andere als die 23 Länder werden im effektiven Euro-Wechselkurs nicht berücksichtigt, da sie für den europäischen Außenhandel nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Berechnung Wechselkurs

siehe unter Formelsammlung Wirtschaft

Wechselkursfixierung

Da der Wechselkurs ein sich am Markt herausbildender Preis ist, schwankt er frei. Jedoch kann er aus politischen Gründen fixiert werden (siehe dazu Währungspolitik). Es ergibt sich daraus ein Spektrum zwischen politisch fixierten (festen) und sich am Markt bildenden (flexiblen) Wechselkursen, in welchem unterschiedliche Grade der Wechselkursfixierung vorstellbar sind:

Flexibler Wechselkurs

Flexible Wechselkurse bilden sich durch Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt, ohne dass der Staat in diesen Prozess eingreift.

Fixer Wechselkurs

Währungen werden durch die Politik gegenüber

fixiert.

Arten fixer Wechselkurse:

(1) Wechselkurssicherung durch Interventionen der Zentralbank am Devisenmarkt: Gerät die eigene Währung unter Abwertungsdruck, muss die Notenbank die eigene Währung gegen Abgabe fremder Währungen aufkaufen und so den Kurs stabilisieren (Herstellung einer künstlichen Währungsverknappung). Bei Aufwertungsdruck muss die Notenbank eigene Währung abgeben und fremde Währungen aufkaufen.

(2) Currency Board (Währungsrat): Hierbei wird die Aufgabe der Wechselkurssteuerung einer exogenen Institution (dem Currency Board) übertragen. Die Zentralbank wird somit zum bloßen Ausführungsgehilfen des Currency Boards degradiert.

(3) Wechselkurssicherung ohne Interventionen: Die Gewährleistung des fixierten Wechselkurses kann zumindest theoretisch auch ohne Intervention sondern lediglich per Gesetz erfolgen. Dies schränkt jedoch de facto die Konvertibilität der unter Abwertungsdruck stehenden Währung ein und führt zum Schwarztausch. Ein Beispiel für eine solche Wechselkursbindung ist der frühere Wechselkurs zwischen DDR-Mark und D-Mark. Besagter Wechselkurs wurde von der DDR gesetzlich bei 1 fixiert. Die Folge war ein horrender Schwarzhandel bei vom offiziellen Kurs stark abweichenden Preisen, dabei wurden durchschnittlich 5-6 DDR-Mark für eine D-Mark gezahlt.

(4) Währungsunion: Der Extremfall einer festen Wechselkursbindung ist die Währungsunion. Hierbei handelt es sich um die am schwersten rückgängig machbare Wechselkursfixierung.

Zwischenlösungen

In der Praxis haben sich innerhalb des durch fixe und flexible Wechselkurse abgesteckten Spektrums eine Reihe weiterer Wechselkursarrangements herausgebildet, so z. B.:

(1) Crawling Peg: Wechselkursbindung mit regelmäßigen, vorher bekannt gegebenen Auf- bzw. Abwertungen.

(2) Adjusted Peg: Wechselkursbindung mit unregelmäßigen, vorher bekannt gegebenen Auf- bzw. Abwertungen.

(3) Wechselkursbandbreiten: Um den Investoren und Außenhändlern zumindest in einem bestimmten Bereich Wechselkurssicherheit zu gewährleisten, können Wechselkurse auch innerhalb von Bandbreiten fixiert werden. Ein typisches Beispiel hierfür ist das EWS, in dem die Mitgliedswährungen über einen Leitkurs aneinander gekoppelt waren, von dem sie jedoch sowohl nach oben als auch nach unten um 2,25 Prozent (später 15 Prozent) abweichen durften.

(4) Dirty Floating (Schmutziges Floaten): Hierunter versteht man ein System offiziell flexibler Wechselkurse, in dem jedoch die Zentralbank von Zeit zu Zeit interveniert, um ihre Wechselkursziele zu erreichen.

Bewertung

Experten sprechen sich im Allgemeinen für flexible und frei bewegliche Wechselkurse aus. In einer Befragung von Wirtschaftswissenschaftlern, die in Unternehmungen, beim Staat und in Hochschulen tätig waren, stimmten 90 % der Befragten der These zu, dass flexible und frei bewegliche Wechselkurse eine wirksame Regelung der internationalen Finanzströme darstellen (Quelle: Richard M. Alston, J. R. Kearl, and Michael B. Vaughn, Is There Consensus among Economists in the 1990s? American Economic Review, May 1992, 203-209). Bezüglich einem geeigneten Wechselkurssystem werden jedoch differenzierte Positionen vertreten; auch wenn sie mehrheitlich befürwortet werden, weisen auch flexible Wechselkurse spürbare Nachteile auf: So verhindern sie zum einen nicht das Risiko einer Fehlbewertung (d. h. Über- oder Unterbewertung) einer Währung - unabhängig von den ökonomischen Fundamentaldaten einer Volkswirtschaft. Zweitens führen flexible Wechselkurse u. U. zu starken Preisschwankungen (so genannte Wechselkursvolatilität), die gemäß Studien negative ökonomische Auswirkungen haben kann.

Weblinks

See also: Wechselkurs, Adjusted Peg, Crawling Peg, Currency board, D-Mark, DDR-Mark, Devisenmarkt, Europäische Zentralbank, Europäisches Währungssystem, Formelsammlung Wirtschaft